Panik-Buttons und Werbespots zum Schutz vor Online-Missbrauch

Mit einer millionenschweren Aufklärungskampagne in allen Medien will die britische Regierung seit dieser Woche Kinder vor Netz-Pädophilen schützen

Das Londoner Innenministerium ist in dieser Woche einigermaßen stolz vor die Presse getreten und hat eine neue Aufklärungskampagne vorgestellt, mit der Kinder vor Internet-Pädophilen und anderen Netzkriminellen geschützt werden sollen.

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Die Kampagne ist in der Tat beispielhaft umfangreich: Über eine Million Pfund (1,5 Millionen Euro) pumpt die Regierung in Werbespots, die bis März nicht nur in Kinderzeitschriften, Comicheften und im Fernsehen geschaltet werden, sondern auch als Banner in Chatrooms und auf allen gängigen Teenager-Webseiten.

Die Message, die den Kindern eingebläut werden soll, ist unzweideutig: Gebt nicht gedankenlos persönliche Daten raus, behaltet Eure Telefonnummern, Adressen und wahre Namen für Euch. Und trefft Euch nur mit Chatpartnern, wenn Ihr zumindest am Anfang von einem Erwachsenen begleitet werdet.

Eine zweiter Arm der Kampagne, der vor allem im Fernsehen läuft, richtet sich direkt an Erwachsene. Ziel ist eine Art Einführung in die Chatroom-Welt für Eltern. Denn nur wenn sich die Erziehungsberechtigte in Chatrooms genauso sicher bewegen wie ihre Kinder, so das Kalkül, können sie auch als Online-Mentoren auftreten und Klippen umschiffen helfen.

Zum Teil ist die jetzige Kampagne eine Antwort auf ein Forschungsprojekt, das im vergangen Jahr an der Universität Central Lancashire durchgeführt worden war. Eins von fünf britischen Kindern zwischen neun und sechzehn Jahren bewegt sich demnach mehrmals wöchentlich in Chatrooms, und immerhin die Hälfte der Chatter hat schon einmal einen Chatpartner persönlich getroffen. Alarmierend fand die britische Regierung vor allem die Erkenntnis, dass nur bei einem Viertel dieser ersten Treffen ein Elternteil anwesend war.

Weder das Londoner Home Office noch die britische Polizei sind Neulinge im Kindernetz. Anfang letzten Jahres wurde ein 53-jähriger Mann wegen Pädophilie verhaftet, nachdem sich ein Polizist in einem Chatroom als Dreizehnjähriger ausgegeben hatte. Das Homeoffice hält auch die nach eigenen Aussagen weltweit ersten Leitlinien einer Staatsregierung zur Internetpädophilie bereit. Dort werden unter anderem virtuelle Panik-Knöpfe für Kinder angeregt und die Chatroom-Betreiber angehalten, auf ihren Seiten eigene Warntafeln zu platzieren, die sich speziell an Kinder richten.

Am 19. November 2002 wurde der Entwurf eines Sexual Offences Bill vorgelegt, der sich auch detailliert mit Onlinebelästigungen befasst. Es gibt außerdem seit längerem eine regierungsnahe Chatroom-für-Anfänger-Seite, wo sich Kinder und Erwachsene informieren können, unter anderem auch mit einem Rollenspiel nach dem Motto: Wie erkenne ich böse Chatter? Ein ähnliches Ziel verfolgt FKBKO (for-kids-by-kids-online). Hier ist auch der ausführliche Forschungsbericht der Uni Lancashire herunterladbar. (Philipp Grätzel von Grätz)

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