Pannen häufen sich im AKW Fukushima 1

Reaktor 4 am 15. 3. 2011 nach der Explosion. Bild: Tepco

Auch zwei Jahre nach dem Unfall ist das AKW, in dem sich in drei Reaktoren eine Kernschmelze ereignet hat, noch keineswegs sicher

Am 5. April musste Tepco eingestehen, dass aus einem unterirdischen Tank in Reaktor 3 des havarierten AKW Fukusimia 1 um die 120 Tonnen radioaktiv kontaministertes Kühlwasser ausgelaufen sind (Fukushima: 120 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten). Aufgrund welcher Ursache das Leck aufgetreten ist, wurde noch nicht mitgeteilt. Die mit zwei wasserdichten Polythylenschichten und einer dickeren Betonitschicht außen versehenen sieben Tanks nehmen das zur Kühlung des Reaktors, in dem wie in Reaktor und 2 eine Kernschmelze eingetreten ist, verwendete Wasser auf, weil man nicht weiß, was man mit ihm machen soll. Weil weiter gekühlt werden muss, wachsen die Wassermengen an, ein Ende der Aufnahmekapazität ist abzusehen, während die Reinigung nicht vorankommt.

Begonnen wurde, die restlichen 13.000 Tonnen Wasser des beschädigten Tanks Nr. 2 in die Tanks Nr. 1 und 6 zu pumpen. Am 7. April wurde bekannt, dass auch aus Tank Nr. 3 Wasser mit einer Belastung von 2.200 Becquerel zwischen die Schutzschichten ausgetreten war. Gestern stellte sich nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde heraus, dass auch Tank Nr. 1 nicht als sicher gelten kann und vermutlich ein Leck aufweist. Später musste das Abpumpen des Wassers aus Tank Nr. 2 in Tank Nr. 1 eingestellt werden, weil das Wasser nicht nur radioaktiv belastet, sondern die Salzkonzentration auch angestiegen war. Die Gefahr besteht, dass das kontaminierte Wasser in das Meer oder in das Grundwasser eindringen könnte. Nun soll das Wasser aus Tank 1 und Tank 2 in oberirdische Tanks gepumpt werden. Alle unterirdischen Tanks sind derselben Bauart und wurden nach dem Unglück schnell angelegt, um das Wasser aufzufangen. Das zeugt davon, dass auch nach zwei Jahre nach dem Unglück noch weiter Flickwerk betrieben wird und das AKW noch längst nicht als gesichert gelten kann. Peinlich ist auch, dass erst nach der Entdeckung des Lecks in Tank Nr. 2 bemerkt wurde, dass schon seit 20. März der Wasserstand gesunken war.

Man behilft sich, wie bei Tepco üblich, mit Flickereien, die keine endgültige Lösung darstellen. Hier wurde der lecke Tank "geflickt". Bild: Tepco

Streit herrscht nun darüber, ob das Design der Tanks, das von Tepco entwickelt wurde, oder der durch das Unternehmen Maeda realisierte Bau der Tank der Grund für die Lecks ist. Tepco vermutet, dass die Ursache bei einer Röhre zur Entdeckung von Lecks bestehen könnte. Sie befindet sich zwischen den zwei Polyethylen-Schichten und ragt über der Wasserfläche auf. Möglicherweise hat das Rohr die innere Schicht durchstoßen, es könnte nach Tepco auch sein, dass der Druck des Wassers die Schicht nach unten gedrückt hat. Maeda gibt zu, mit Sicherheitsbehältern für Wasser keine Erfahrung zu haben, man habe aber mit Tepco Tests durchgeführt, die gezeigt hätten, dass die Tanks sicher seien.

Tepco muss zunächst die übrigen Tanks weiter benutzen, währenddessen nach der Ursache für die Lecks gesucht wird. Zudem sollen jetzt oberirdische Tanks mit einem Fassungsvermögen von 126.000 Tonnen gebaut werden. Wann dies geschehen soll, wurde nicht mitgeteilt. Allerdings müsste es schnell gehen. Täglich fallen im gesamten AKW 4.000 Tonnen an Kühlwasser an, die gespeichert werden müssen.

Tepco hat Tanks, die insgesamt 325.000 Tonnen Wasser speichern können, davon bieten die Unterbodentanks 58.000 Tonnen Platz. 55.000 Tonnen können nur noch gespeichert werden, fallen die Unterbodentanks aus oder müssen diese ausgepumpt werden, sieht es düster aus, wenn das Wasser nicht gereinigt werden kann. Bislang scheint nur zu funktionieren, das Kühlwasser von Cäsium zu reinigen, nicht aber von Strontium und anderen radioaktiven Substanzen. Getestet wurde ein neues System namens ALPS, das insgesamt 62 radioaktive Substanzen entfernen soll. Allerdings musste es am 4. April wieder abgeschaltet werden, nachdem es sich nur 5 Tage im Testlauf befand.

In den drei Reaktoren, in denen eine Kernschmelze stattgefunden hat, ist auch noch nach zwei Jahren eine so hohe radioaktive Belastung, dass sie noch nicht betreten werden können. Es wurden stattdessen Roboter hineingeschickt, nach Medienberichten kehrten aber viele nicht zurück.

Foto der Ratte, die im März zu einem Stromausfall des Kühlsystems geführt haben soll. Bild: Tepco

Allmählich kommt in Japan der Ausbau der erneuerbaren Energien in Gang. Erwartet wird, dass durch das eingeführte EEG der Markt für Solarzellen dieses Jahr an zweiter Stelle nach China kommen könnte. Anlagen mit einer Leistung von 6.1 bis 9.4 Gigawatt sollen 2013 installiert werden. Einen Rückschlag gab es allerdings wieder bei der Windenergie. In der Präfektur Mie stürzte ein Windrad mit seinen drei 40 m langen Rotorblättern und einem Gewicht von 140 Tonnen am 7. April wegen eines starken Windes zu Boden. Eigentlich sollte die Anlage des Energiekonzerns C-Tech aus 19 Windrändern mit einer Höhe von 65 m einer Windstärke von 70 m pro Sekunde standhalten, zur Unfallzeit betrug sie allerdings nur maximal 27,9. Die Windkraftanlagen werden von ihren Betreibern überprüft. Das zuständige Wirtschaftsministerium hat diese nun aufgefordert, dies gründlicher zu machen. Schon letzten Monat ist ein anderer Generator vom Mast gefallen. (Florian Rötzer)

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