Pannenserie in Fukushima: Erkundungsroboter in Reaktor 2 blieb stecken

Roboter Sasori (Skorpion). Bild: Tepco

Der Roboter konnte nicht mehr geborgen werden, mit einem anderen Roboter soll im März Reaktor 1 erkundet werden, wo es auch eine Kernschmelze gab

Eigentlich ist Japan ein Land, das führend in der Robotertechnik ist. Der Staat unterstützt die Entwicklung massiv, zumal Roboter in der noch weitgehend abgeschlossenen und sich gegen Zuwanderung sträubenden vergreisenden Gesellschaft Arbeiten in der Dienstleistungsbranche wie bei der Kranken-und Altenpflege ausführen sollen, für die ohne Einwanderung Personal fehlt (Obergrenze: Japan nimmt bis 2021 höchstens 300 syrische Flüchtlinge auf). Allerdings ist der Einsatz von Robotern im havarierten AKW Fukushima schleppend und von Pannen begleitet.

Am 30. Januar waren nicht mittels eines Roboters, sondern mit einer an einer Teleskopstange befestigen Kamera erste Aufnahmen aus dem Inneren des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 gemacht worden, wo sich wie in Reaktor 1 und 3 eine Kernschmelze ereignet hat. Festgestellt wurde dabei erstmals nach 6 Jahren, dass das radioaktive Material aus dem Druckbehälter durchgebrochen ist, vermutlich ein Loch in dem darunter befindliche Gitter für Wartungsarbeiten durchgefressen hat und auf den Boden des Sicherheitsbehälters gefallen ist.

Aus einem Werbefilm für die außergewöhnliche Entwicklung des Roboters. Bild: Tepco

Wie die Situation in dem Sicherheitsbehälter ist, ist weiterhin unbekannt, nachdem ein Roboter nicht imstande war, die 7 Meter lange Schiene, auf der im Normalbetrieb Personal für Wartungsarbeiten zu dem Gitter unter dem Druckbehälter gehen kann, von Schuttstücken zu reinigen, um dann den extra zu diesem Zweck von Toshiba entwickelten Erkundungsroboter Sasori (Skorpion) einzubringen. Das Problem war, dass der Hochdruckreiniger dafür zu schwach war und dass die Strahlung in Höhe von indirekt gemessenen 650 Sievert pro Stunde so hoch ist, dass der Roboter, der eine Dosis von 1000 Sievert aushalten kann, nach zwei Stunden funktionsunfähig wurde (Fukushima: Noch höhere Strahlung von 650 Sievert in Reaktor 2).

Roboter Sasori im Sicherheitsbehälter von Reaktor 2. Bild: Tepco

Dennoch wurde gestern der Sasori-Roboter in Reaktor 2 eingebracht. Obgleich es wahrscheinlich war, dass er wegen der Hindernisse auf dem Schienengitter die Strecke nicht schaffen könnte und auch er nur auf 1000 Sievert ausgelegt ist, wollte man offensichtlich nur Betriebsamkeit demonstrieren oder hoffte schlicht auf Glück. Zwar kam der Roboter immerhin 5 Meter weit, aber er blieb dann stecken. Den Technikern gelang es nicht, den Roboter am Kabel wieder herauszuziehen, er verklemmte sich und muss vorerst im Sicherheitsbehälter bleiben. Das Kabel wurde abgeschnitten, um das in den Behälter geschnittene Loch wegen der Strahlung wieder zu schließen. Angeblich wurde der Roboter an den Rand der 0,6 Meter breiten Schiene geschoben, aber er könnte nun für einen etwaigen erneuten Erkundungsversuch nun selbst ein Hindernis darstellen. Dieses Mal wurden nur 210 Sievert die Stunde gemessen, bei dieser Strahlung würde ein Mensch nach 2 Minuten sterben.

Wie es in den Reaktoren 1 und 3 aussieht, wo sich ebenfalls eine Kernschmelze ereignet hat, ist noch völlig unbekannt. Für die geplante Entsorgung der Reaktoren, die eigentlich 2021 beginnen sollte, ist ein genaues Wissen unabdinglich. In Reaktor 1 waren im April 2015 zwei Roboter eingebracht worden, was aber gescheitert war und zu keinen Ergebnissen führte. Anfang Februar hat der faktisch verstaatlichte Betreiberkonzern Tepco einen weiteren Roboter von Hitachi vorgestellt, der Reaktor 1 im März erkunden soll.

Da man davon ausgeht, dass auch hier die geschmolzenen Brennstäbe aus dem Druckbehälter auf den Boden des Sicherheitsbehälters gefallen sind, wo angeblich 2 Meter hoch Kühlwasser steht, soll auch dieser Roboter auf dem Schienengitter in die Mitte des Reaktor unter den Druckbehälter fahren. Ausgestattet ist er mit einem Erkundungssystem, das an einer Kette ist und durch das Gitter hindurchrutschen kann, um mit einer Kamera, einem Dosimeter und einer Lampe zu erfassen, wo das Material auf dem 3,5 unterhalb des Gitters befindlichen Boden liegt. Vorgesehen ist, dass das Erkundungssystem an fünf Stellen herabgelassen wird, der Roboter selbst ist wasserfest. Wie lange er funktionsfähig bleiben wird, ist unklar, da unbekannt ist, wie hoch die Strahlung im Inneren des Behälters ist. (Florian Rötzer)

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