Panzerkreuzer Bundeswehr

Nach einer Umfrage des Bundeswehrverbandes brodelt es in der Truppe

Am Donnerstag feierte die Bundeswehr den 50. Jahrestag der Einberufung der ersten Wehrpflichtigen. Am gleichen Tag erschien eine umfassende Studie, die ans Licht bringt, dass die Soldaten höchst unzufrieden sind - vor allem mit den Auslandseinsätzen.

Der Bundeswehrverband wird häufig als "Gewerkschaft" der Soldaten beschrieben. Unter dem Titel "Jetzt reden Sie" hatte er seine 210.000 Mitglieder vom 10. Dezember 2006 bis zum 28. Februar 2007 dazu aufgerufen, an einer Umfrage teilzunehmen. 45.000 beteiligten sich - darunter 24.000 aktive Soldaten und 12.000 Teilnehmer an Auslandseinsätzen. Ausgewertet wurde die Umfrage in einer gut 1.200 Seiten umfassenden Studie vom Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier an der Universität Passau. Letzte Woche stellte der Bundeswehrverband die Ergebnisse dieser Auswertung vor.

Heraus kam unter anderem, dass 73,7 % der Berufssoldaten ihren Kindern die von ihnen eingeschlagene Laufbahn nicht empfehlen würden. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) vermeintlicher Krisensicherheit durch den nicht absehbaren Anstieg von Auslandseinsätzen. Fast die Hälfte (48,7 %) bereuen ihre Berufswahl sogar für sich selbst und würden nicht mehr Soldat werden, wenn sie noch einmal vor der Wahl stünden.

Besonders negativ äußerten sich die an Auslandseinsätzen direkt beteiligten Soldaten. 77,3 % halten die Häufigkeit der Auslandseinsätze für nicht angemessen und weniger als 10 % sehen sich bei diesen Einsätzen von der Bevölkerung unterstützt - was die Motivation nicht unbedingt stärkt. 46 % der an Auslandseinsätzen beteiligten Soldaten fühlen sich bei diesen Einsätzen überbelastet und fast ein Viertel bezeichnet die Vorbereitung für den Einsatz im Nachhinein als "nicht ausreichend". Die Überbelastung und die mangelhafte Ausbildung sieht die Studie als potentielle Ursachen von schwerwiegenden Fehlleistungen. Mit der Politik sind die Soldaten dementsprechend unzufrieden: Nur 3,8 % insgesamt und 1,8 % der Berufssoldaten fühlen sich von ihr unterstützt.

Die Ergebnisse der Umfrage sind einer von vielen Schlägen, die Verteidigungsminister Franz-Josef Jung in letzter Zeit einstecken musste. Im März hatte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, festgestellt, dass Soldaten in verschimmelten Kasernen hausen und dass ihr Vertrauen in ihren Dienstherrn "nachhaltig erschüttert" ist. Drei Wochen darauf warnte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, in seinem Bundeswehrplan für das Jahr 2008 vor schweren Problemen bei der Nachwuchsgewinnung.

Auch von den Teilnehmern der Studie gibt nur jeder Zehnte den Bemühungen der Bundeswehr, qualifizierten Nachwuchs zu finden, eine Chance. Tatsächlich verstärkten Berichte über Initiationsriten und Amateurvideos, die weltweit für Aufsehen sorgten, den Eindruck, dass die Truppe teilweise schon jetzt vom geistigen Bodensatz der Bevölkerung geprägt ist, der auch den Umgang miteinander zu bestimmen scheint.



Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sprach von einem "höchst alarmierenden Stimmungsbild der Streitkräfte", dem man mit mehr Geld entgegentreten müsse. Kostengünstiger wären eine Verringerung der Zahl der mittlerweile gut 9.000 deutschen Soldaten im Ausland oder Einsparungen bei von Kritikern als überflüssig angesehenen Prestigeprojekten wie dem Lufttransportflugzeug A 400 M, der Beschaffung von Fregatten und Korvetten für die Hochseekriegsführung und dem überteuerten Eurofighter, dessen Hersteller EADS sich immer konkreteren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sieht.

In jedem Fall ist zu erwarten, dass der Unzufriedenheit bald mit Geld entgegengetreten wird. Nach Cassius Dio gab der römische Kaiser Septimus Severus seinen Söhnen am Sterbebett drei Ratschläge: "Seid einig, bereichert die Soldaten und verachtet alle anderen." Die Nichtbeachtung des zweiten Ratschlages hatte nicht nur in der römischen Geschichte, sondern ebenso in anderen historischen Epochen potentiell negative Konsequenzen für die Herrschenden: Auch die Revolution gegen Ende des Ersten Weltkriegs ging zu einem guten Teil von unzufriedenen Soldaten und Matrosen aus.

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