Paradise Papers: Für dumm verkauft

Unser Steuersystem fördert die Großkonzerne, zerstört Kleinunternehmer und rasiert den Durchschnittsbürger. Ein Gastbeitrag

Der Aufschrei nach der Veröffentlichung der Paradise Papiers war groß, gefolgt von … nichts. Ja, genau nichts ist passiert. Die nächste Bombe ist geplatzt und es passt zur fortschreitenden Demaskierung der globalen Eliten und wir sehen keine Demonstrationen oder Konsequenzen. Heute hat man das Gefühl, dass nur Dumme noch Steuern bezahlen.

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Da wir uns jedoch nicht als dumm bezeichnen würden, sind wir sauer - mächtig sauer. Wie kann es sein, dass internationale Großkonzerne und Superreiche nach wie vor oftmals kaum oder keinerlei Steuern bezahlen, während unsereins gnadenlos abkassiert wird. Sollten wir jedoch einmal auf die Idee kommen, keine Steuern zu bezahlen oder eine Steuererklärung auch nur zu spät abgeben, dann werden wir sehr zügig die Knute des Gesetzgebers spüren.

Völlig anders ist der Sachverhalt für Superreiche und internationale Großkonzerne dieser Welt. Diese haben ganz andere völlig legale Möglichkeiten als wir, sich im ganz großen Stil ihrer Steuerpflicht zu entziehen. Egal ob Formel 1 Rennfahrer, Politiker, Sportler, Popstars, Königshäuser oder internationale Konzerne wie Amazon, Facebook, Nike, Apple, IKEA, Starbucks, General Electric; IBM, Microsoft, Pfizer, Sixt, Siemens, Allianz, Bayer, Deutsche Bank - aber auch staatliche deutsche Unternehmen wie Fraport, die HSH Nordbank, Deutsche Post - sie alle und noch viele mehr, machen seit Jahren Geschäfte über Steueroasen. Sie zählen zu Gewinnern des sogenannten Offshore-Systems.

Hand in Hand hat man sich Gesetze geschmiedet, um rechtlich legal, aber moralisch verwerflich Geld zu parken, beziehungsweise zu verstecken, um dadurch keine, kaum oder sehr wenig Steuern zu zahlen. Und das mit dem Wissen, dass man gemeinsame Sache macht mit Verbrechern, Terroristen und Kartellen. Egal - Hauptsache man spart Kohle oder verdient noch mehr. Alles zur Maximierung des Gewinns und alle, wirklich alle sind dabei.

Auch der "Weltverbesserer" und selbst ernannte Samariter Bono von U2 und die Queen. Und weil von Politik, über Finanz bis Kultur alle mitmachen, ist das auch der Grund, warum sich nie etwas ändern wird - weil alle beteiligt und involviert sind. Keiner wird an dem Ast sägen, auf dem man sitzt. Wer nicht mitmacht oder droht, es zu verändern, wird abserviert und vom Ast verbannt. Mit allen Mitteln.

Deutsche Post und Adidas in bester Gesellschaft

Laut Paradise Papers gehört der Deutschen Post, an der Bund und Länder knapp 20 Prozent beteiligt sind, die Firma Marias Falls Insurance Co. Ltd. mit Sitz auf Bermuda. Bei Marias Falls Insurance handelt es sich um eine Art firmeneigene Versicherung. Darüber sichert die Deutsche Post die Fracht, ihre Autos und Laster, aber auch ihre Mitarbeiter ab.

Alles was die Post an Marias Falls Insurance zahlt, muss sie in Deutschland nicht versteuern. Wie absurd ist es aber bitte, dass Unternehmen, die dem Staat gehören oder an denen der Staat beteiligt ist, nicht nur Briefkastenfirmen gründen sondern diese auch nutzen.

Unter den 500 umsatzstärksten amerikanischen Konzernen betrieben 2016 fast drei von vier eine Tochtergesellschaft an einem Offshore-Finanzplatz. Laut einer Untersuchung des US-Kongresses geben Amerikas Großunternehmen an, mehr als 40 Prozent ihrer Gewinne in Steueroasen erwirtschaftet zu haben. Diese stehen jedoch lediglich für sieben Prozent ihrer Investitionen und dort arbeiteten gerade einmal vier Prozent aller im Ausland Beschäftigten. Apple etwa hortet fast 250 Milliarden Dollar in Steueroasen.

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Auf die rund zwölf Milliarden Dollar, die der der Sportartikelhersteller Nike im Ausland liegen habe, zahlt er gerade einmal 1,4 Prozent Steuern. Die meisten von Nike‘s 54 Tochtergesellschaften befinden sich auf den Bermudainseln - einem britischen Überseegebiet. Dennoch betreibt Nike dort keinen Laden in dem man Schuhe kaufen kann. Doch auch Adidas, weltweit zweitgrößter Hersteller von Sportartikeln, weiß wie man Steuern optimiert.

Bestellt man bei Adidas im Internet, dann kommt die Rechnung nicht aus Herzogenaurach, sondern von der Adidas International Trading BV. In Amsterdam. Die Investmentbank Goldman Sachs ist, wie immer, besonders umtriebig und besitzt mit 905 das größte Geflecht an Offshore-Niederlassungen. Über 500 befinden sich davon auf den Caymans.

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