Parasitensatelliten

China entwickelt ein Anti-Satellitensystem

Angeblich entwickelt China ein Anti-Satellitensystem (ASAT), das unlängst bereits am Boden getestet wurde. Damit wäre China, das sich auch anschickt, in die bemannte Weltraumfahrt einzutreten, neben Russland und den USA der dritte Staat, der über die für künftige Kriege wichtige Angriffswaffe für das Schlachtfeld im Weltraum verfügt.

Künftige Kriege werden nicht unbedingt unblutiger und weniger grausam werden, aber die Kontrolle über die Kommunikationskanäle und Netzwerke wird immer entscheidender werden. Wer den Feind von diesen Kanälen abhängen oder zumindest die Kommunikation empfindlich stören kann, wird bereits einen wichtigen Erfolg errungen haben. Dabei spielen die Satelliten eine immer wichtigere Rolle, gleich ob es um Kommunikation, Datenaustausch, Aufklärung oder um satellitengestützte Systeme zur Raketenabwehr wie das von den USA geplante National Missile Defense System (NMD) geht. Zwar gibt es mit dem "Outer Space Treaty" aus dem Jahr 1967 bereits ein UN-Abkommen, das die Militarisierung des Weltraums verbieten will, aber dieser Schritt wurde längst schon mit den ersten militärischen Kommunikations- und Aufklärungssatelliten längst vollzogen. Bislang wurde das UN-Abkommen aber erst von 85 Ländern ratifiziert und von 26 Ländern unterschrieben.

Wie AFP meldet, hat die chinesische Zeitung Sing Tao berichtet, dass demnächst das System auch im Weltraum getestet werden soll. Entwickelt wurde das System unter der Bezeichnung "Parasitensatellit" vom Forschungsinstitute für kleine Satelliten der Chinesischen Akademie für Weltraumtechnik (CAST). Das System ist Teil der vom chinesischen Militär geheim entwickelten "asymmetrischen Angriffskapazität", mit der sich die Waffensysteme des Feindes zerstören oder lahm legen lassen.

Wie die Zeitschrift berichtet, scheinen diese Parasitensatelliten tatsächlich sehr klein zu sein. Die Satelliten, die angeblich in der Größe von Nanometern sein sollen, werden an den feindlichen Satelliten befestigt und sollen diese im Kriegsfall stören oder zerstören. Klein müssen sie schon deswegen sein, damit sie möglichst unbemerkt an die Satelliten angebracht werden und an diesem lange Zeit inaktiv mitreisen zu können, ohne die Aufgaben des "Wirts" zu stören. Ziele können Aufklärungs-, Navigations- oder Kommunikationssatelliten, aber auch Satelliten mit Laserwaffen sein, angeblich sogar Weltraumstationen. Natürlich ließen sich damit auch die zivilen Satelliten stören, zumal in den künftigen (Info)Kriegen die Grenze zwischen zivilen und militärischen Bereichen immer mehr schwinden dürfte.

Auch die Bestandteile wie Sonnensegel, Batterien, Kameras, Chips, Antriebssysteme oder Waffen müssen entsprechend der Größe der Parasitensatelliten klein sein. Insgesamt sollen sie, je nach Bedarf, zwischen einigen Hundert Gramm und einigen Dutzend Kilogramm wiegen. Die Tests am Boden hätten bereits gezeigt, dass sie sehr effektiv seien. Ein richtig angebrachter Parasitensatellit könne seinen Wirtssatelliten in weniger als einer Minute zerstören. Dazu seien die ASAT-Satelliten auch noch billig. Zu ihre Herstellung würde man nur 0,1 bis 1 Prozent der Kosten für einen normalen Satelliten benötigen. Das Problem dürfte nur sein, die Minisatelliten zu ihren Wirten zu bringen und sie daran richtig zu befestigen. China entwickelt wiederverwendbare Trägerraketen, mit denen die Satelliten in den Weltraum befördert werden können. Nötig sei überdies ein "Muttersatellit" und eine Bodenstation zur Steuerung des Systems.

Vielleicht ist das System ja noch ein Papiertiger, aber dass China auch in den Weltraumtechniken gegenüber dem Westen und Russland aufholen will, ist schon angesichts der Anstrengungen deutlich geworden, möglichst schnell zum Kreis der Nationen zu gehören, die bemannte Weltraummissionen durchführen können. Strategisch geht es darum, auch militärisch im Weltraum eine Position zu besetzen, die der der Supermacht USA ebenbürtig ist, und weniger verwundbar für Informationskriege zu sein. Gegenüber dem geplanten amerikanischen Raketenabwehrschild wäre das ASAT-System zudem eine äußerst kostengünstige Möglichkeit, dieses zu stören. (Florian Rötzer)

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