Patriarchale Kontrolle im Namen Allahs

Fragwürdiges Rechtsverständnis

Elham Manea, die sich in ihrem Buch "Woman and Sharia Law" (Frauen und das Scharia-Recht) mit der Thematik intensiv befasst, beschreibt eine erschreckende Ideenwelt hinter der biederen Fassade des ISC. So traf sie bei ihren Recherchen auf Geistliche, die sich dafür aussprachen, Dieben die Hand abzuhacken. Andere befanden Mädchen ab der Geschlechtsreife, also ab 12 oder 13, für heiratsfähig.

Manea erwähnt einen Fall, in dem ein Gericht über den Scheidungsantrag einer jungen Frau, die in Pakistan mit ihrem Cousin verheiratet worden war, zu befinden hatte. Bereits in der Hochzeitsnacht hatte er sie vergewaltigt. Das sah das fragliche Gericht anders: Seitdem sie verheiratet seien, könne es sich nicht um eine Vergewaltigung handeln.

Wieder andere fanden es fair, dass in Erbschaftsangelegenheiten Frauen die Hälfte dessen bekommen, was Männer erhalten.

Auch Suhaib Hasan vom ISC offenbart ein fragwürdiges Rechtsverständnis: "''Er hat ihr vergeben, doch sie will nicht mehr', erklärt in einer Sitzungspause Dr. Hasan. 'Ein gewöhnliches Gericht würde diese Ehe sofort lösen. Dagegen versuchen wir, die beiden zu versöhnen'", so rp-online. "Er hat ihr vergeben"? Er, das ist ein prügelnder und vergewaltigender Ehemann, von dem eine junge Britin, die als 15-Jährige mit ihm zwangsverheiratet wurde, sich scheiden lassen wollte. Ihr Vergehen, dass er ihr so großzügig "vergeben" hat: Die junge Frau hat Alkohol getrunken.

Die vorherrschende Haltung der Scharia-Gerichte, bzw. der dort agierenden geistlichen Richter, sei totalitär und rückschrittlicher als manche Teile Pakistans, urteilt Elham Manea. "Segregation, Ungleichheit und Diskriminierung" würden dadurch erhöht, und "politische Instabilität und heimischer Terrorismus" könnten gefördert werden".

Laut Focus fordert Suhaib Hasan, dass Musliminnen außerhalb des Hauses ihren Körper bedecken müssen. Die Todesstrafe für Abtrünnige, wie sie die Scharia vorsieht, hält er demnach für gerechtfertigt.

"Polygamie ist durchaus in Ordnung, wenn sich der Mann verpflichtet, alle seine Ehefrauen gleich zu behandeln. In der Praxis ist das äußerst schwierig. Sobald der Ehemann eine seiner Frauen benachteiligt, kann sie die Scheidung verlangen", sagte er im Deutschlandfunk.

"Ein Gesetz für alle!"

In einem Interview mit dem Humanistischen Pressedienst (HP) erläutert Maryam Namazie, Sprecherin der britischen Kampagne "One Law for All" (Ein Gesetz für alle), die Gründe, die zu der Aktion führten:

Nach ihren eigenen Statistiken haben die Sharia-Gerichte seit Mitte der achtziger Jahre über 7 000 Fälle behandelt, die neueren islamischen Schiedsgerichte Hunderte von Fällen. Aber sie drängen nun auf weitere Legitimierung und wollen auch Fragen verhandeln, die bei ihrer Gründung noch nicht vorgesehen waren. Wir kämpfen gegen alle religiösen Gerichte, da sie diskriminierend, frauenfeindlich, homophob und einfach nicht mit den Bürgerrechten des 21. Jahrhunderts vereinbar sind. (..)

Frauen haben beispielsweise nicht das Recht auf eine Scheidung, Männer dagegen müssen nicht einmal vor Gericht gehen, um sich von ihrer Frau scheiden zu lassen. Deshalb stellen Scheidungen, bei denen sich Frauen von ihren Männern scheiden lassen wollen, die große Mehrheit der verhandelten Fälle dar. Das Sorgerecht für Kinder ist ein weiteres Problem. Als Ergebnis langer Kämpfe wird heute im säkularen Recht darüber mit Blick auf das Wohl des Kindes entschieden.

Nach der Sharia dagegen kommt das Sorgerecht ab einem gewissen Alter der Kinder immer dem Vater zu, auch wenn es eine Vorgeschichte von Gewalt und Missbrauch gibt. Bei Erbschaften erhalten Frauen nur die Hälfte, ihre Zeugenaussage gilt nur halb so viel wie die eines Mannes. Vergewaltigung in der Ehe oder häusliche Gewalt werden wegdefiniert und nicht als Straftaten behandelt. Das oberste Ziel von religiösen Gerichten ist es stets, die Familie trotz allem zusammenzuhalten. (…)

Wir sagen, wenn man für Muslime und überhaupt Menschen mit all ihrer Unterschiedlichkeit eintreten will, muss man als Minimum gleiche Rechte fordern. Und gleiche Rechte bedeutet ein gleiches, säkulares Recht, welches das Resultat jahrhundertelanger harter Kämpfe etwa der Frauen- und Arbeiterbewegung ist.

Maryam Namazie

Damit bestätigt sie die Beobachtungen von Elham Manea und Machteld Zee. Der ISC bestreitet all die Vorwürfe und forderte gar, dass Machtild Zee der Doktortitel wieder aberkannt werde. Laut Eigenbeschreibung ist die Gründung des ISC "eine Manifestation des Willens der muslimischen Community und die Reflexion ihres kollektiven Wunsches, persönliche Angelegenheit selbst zu regeln":

The creation of the ISC was thus a manifestation of the will of the Muslim community and a reflection of their collective desire to manage their personal affairs.

ISC

Und die regeln sie eben nach persönlichen Vorstellungen von Männern wie Suhaib Hasan.