Pay What You Want und Open Access

Mehr Interessenten, aber auch Trittbrettfahrer

Die Münchner Forscher heben hervor, Pay What You Want könne die Diskussion über die Angemessenheit der Open-Access-Publikationsgebühren stimulieren und dabei helfen herauszufinden, welche Gebühren von Wissenschaftlern als gerecht und akzeptabel erachtet werden. Jedoch unterschlagen die Verfasser des Berichts auch nicht mögliche Trittbrettfahrer-Effekte, die dazu führen können, dass Wissenschaftler gar keine oder eine nur sehr geringe Gebühr zahlen wollen und so das Modell ausnutzen. Diese Free-Rider-Mentalität fand sich, wie nicht anders zu erwarten war, auch unter Autoren des Surgery Journals.

Video-Screenshot "The Surgery Journal"

Thieme selbst veranschlagt für die Publikation eines Artikels im Journal einen Preis von 1.600 US-Dollar, über diese Preisempfehlung wurden Autoren, deren Artikel zur Veröffentlichung angenommen waren, informiert - und zwar bevor sie die Publikationsgebühr nannten, die sie selbst zahlen würden. Für die 27 im Untersuchungszeitraum publizierten Artikel wurden dennoch nur Gebühren von durchschnittlich 480 US-Dollar entrichtet, darunter fanden sich vier Artikel für deren Erscheinen die Autoren gar keine Zahlung leisteten. Bei acht Artikeln lag die Höhe der Zahlung unter 100 US-Dollar, bei zweien wurde der vom Verlag angestrebte Preis von 1.600 US-Dollar erreicht, ein Autor zahlte gar 2.200 Dollar und übertraf die Erwartung Thiemes um 50%.

Dennoch wirkt eine Zahl von nur fünf Autoren, die mehr als 1.000 US-Dollar für die Publikation eines Artikels entrichteten, ernüchternd. Ein wichtiger Einflussfaktor scheint dabei die regionale Herkunft und finanzielle Ausstattung der Autoren zu sein: Für die elf Artikel, deren Autoren aus sogenannten Entwicklungsländern stammten, lag die durchschnittlich gezahlte Gebühr mit 118 US-Dollar deutlich unter den von Autoren aus finanzstärkeren Ländern geleisteten Zahlungen (728 US-Dollar).

Obwohl die tatsächlichen Einnahmen geringer als erwartet waren, bot Pay What You Want dem Verlag auch interessante Perspektiven: Verglichen mit anderen neuen Open-Access-Journalen florierte das Surgery Journal und erzielte eine höhere Zahl an Einreichungen. Man gewann demnach Kunden, die man mittels eines festen Pricing-Modells nicht erreicht hätte - dieses Phänomen ist übrigens auch aus Restaurants bekannt, die Pay What You Want verfolgen. Folglich könnte das Modell geeignet sein, neue Zeitschriften am Markt zu etablieren - vorausgesetzt der Verlag hat ein gewisses finanzielles Polster oder geringe Gewinnerwartungen.

Sollte sich Pay What You Want im Open Access verbreiten, dürfte es auch interessant sein zu beobachten, ob die Beträge, die Autoren freiwillig entrichten, steigen, wenn auch das wahrgenommene Renommee oder die Zitationszahlen des Journals zunehmen, sprich: ob sie eher redaktionelle Arbeit oder Reputation finanzieren. (Ulrich Herb)