Pentagon-Sprecher: "Sie wissen, wir würden so etwas niemals tun"

Screenshot aus RSF-Video

US-Militär bestreitet weiterhin, eine Moschee in Syrien bombardiert zu haben, in Moskau ist man überzeugt davon, hält sich aber verständnisvoll zurück mit Kritik

Das Pentagon streitet weiter vehement ab, eine mit 300 Menschen gefüllte Moschee in Al-Jinah in der Provinz Aleppo am Donnerstag bombardiert zu haben. Dabei sollen mehr als 40 Menschen getötet worden zu sein. Für die Behauptung sprechen angebliche Funde von Hellfire-Raketenreste, mit denen US-Drohnen ausgestattet werden. Bilder zirkulieren im Internet.

Rettungsaktion, die Weißen Helme sind beteiligt.

In Russland versucht man, nachdem die russisch-syrische Offensive in Aleppo wegen der zivilen Opfer vielfach hart kritisiert wurde, die amerikanische Verantwortlichkeit herauszustreichen, aber gleichzeitig Verständnis für die USA zu äußern. Ein weiteres Zeichen der Kooperationsbereitschaft, nachdem bereits amerikanische und russische Truppen in Manbij einen Vormarsch türkischer Truppen gegen die vorwiegend kurdischen SDF blockiert haben? So sagte Maria Zakharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, am Freitag, es gebe keine Zweifel, dass die Amerikaner Terroristen angreifen wollten: "Im Unterschied zu unseren Kritikern werden wir nicht mit Anklagen von 'gezielten' Tötungen von Zivilisten und Zerstörungen ziviler Infrastruktur aufwarten", sagte sie.

Zuvor hatte Generalmajor Igor Konashenkov, ein Sprecher des russischen Außenministeriums, ähnliches Verständnis geäußert, aber auch erklärt, dass es sich um einen amerikanischen Angriff gehandelt habe, da eben Reste einer Hellfire-Rakete gefunden worden seien. Das gebe der internationalen Koalition keine Möglichkeit, sich heimlich davonzustehlen. Man erwarte Stellungnahmen vom Pentagon. Tragische Fehler, durch die Zivilisten umkommen, könnten in Kriegen geschehen. Das nahm er aber auch zum Anlass, die westliche Kritik an Russlands Vorgehen als scheinheilig aufzugreifen, zunächst war das russische oder syrische Militär etwa von der Nachrichtenagentur AP beschuldigt worden: "Der tragische Vorfall im Dorf al-Jinah verwandelte sich in einen Moment der Wahrheit für den gut funktionierenden Mechanismus des westlichen Systems antirussischer Propaganda mit der Beteiligung von Mainstreammedien."

Vom Pentagon veröffentlichtes Bild, auf dem links oben ein kleines Gebäude zu sehen ist, das (auch) eine Moschee sein dürfte.

Das Pentagon streitet weiter mit "alternativen Fakten" ab, die Moschee bombardiert zu haben. Den Bildern der verwüsteten Moschee setzt man eine andere Aufnahme eines Gebäudes vor, das zerstört worden war, weil sich dort al-Qaida-Terroristen aufgehalten hätten. Mehrere bzw. "Dutzende von führenden Terroristen" seien getötet worden. Die in der Nähe des Gebäudes befindliche kleine Moschee sei hingegen nicht beschädigt worden. Nach der Washington Post, die auf einen anonym bleibenden Pentagon-Mitarbeiter verweist, waren an dem Angriff zwei Reaper-Drohnen beteiligt, die vier Hellfire-Raketen abgefeuert und mindestens eine gelenkte GBU-Bombe abgeworfen hätten.

Pentagon-Sprecher Jeff Davis erklärte am Freitag: "Ich will Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, weil ich glaube, dass es viele Berichte gibt, die behaupten, wir hätten eine Moschee angegriffen. Das haben wir nicht", sagte er, um hinzuzufügen, was er auf jeden Fall besser hätte unterlassen sollen: "Natürlich, Sie wissen, wir würden so etwas niemals tun." Man gehe nicht davon aus, dass es bei dem Angriff zivile Opfer gegeben habe, man ergreife stets "außergewöhnliche Maßnahmen", um den Verlust des Lebens von Zivilisten zu vermeiden.

Allerdings gibt es zahlreiche Aufnahmen und Videos (hier oder hier) von der zerstörten Moschee, den Rettungsarbeiten und verletzten oder getöteten Zivilisten.

Das sind alles keine Beweise, ob es amerikanische Drohnen waren, die zumindest die Moschee mit beschädigt haben. Dabei ist die Rede von zwei Moscheen, eine kleine, ältere, die tatsächlich, wie das Pentagon sagt, unbeschädigt blieb, während das Gebäude, das bombardiert und teilweise zerstört wurde, angeblich eine neuere Moschee ist oder direkt an eine angrenzte, sofern es sich um zwei Gebäude handelt. Videos vom Inneren würden zeigen, so auch Bellingcat, dass es sich um eine Moschee handelt, allerdings können ein Koran und andere religiöse Bücher auch in von al-Qaida genutzten Gebäuden sein. Auffällig ist, dass das Pentagon zunächst auch von einem Angriff auf al-Qaida in der Provinz Idlib sprach. Möglicherweise haben sich die US-Militärs vertan und nicht gewusst, dass sie eine Moschee bombardierten. (Florian Rötzer)

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