Pentagon erklärt IS-Chefhacker für wahrscheinlich tot

Junaid Hussain soll zusammen mit zwei Leibwächtern durch einem Drohnenangriff auf eine Tankstelle ausgeschaltet worden sein

Junaid Hussain, der "Chefhacker" der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), kam dem Pentagon zufolge wahrscheinlich zusammen mit zwei Leibwächtern bei einem am 26. August durchgeführten Drohnenangriff auf eine Tankstelle in der Kalifatshauptstadt ar-Raqqa ums Leben. Der 21-jährige Dschihadist aus dem britischen Birmingham hatte sich der Terrorgruppe bereits im Juli 2013 angeschlossen und galt als Kopf der Hackergruppe "CyberCaliphate" sowie als bedeutender IS-Propagandist und Rekrutierer junger Briten.

Als zwei US-Dschihadisten im Mai 2015 einen Anschlag auf eine Meinungsfreiheitskonferenz im texanischen Garland verübten, twitterte er unter seinem Aliasnamen "Abu Hussain al-Britani" live dazu, weshalb die US-Behörden davon ausgehen, dass er zumindest eingeweiht und wahrscheinlich einer der Drahtzieher war. Weil die beiden Vor-Ort-Attentäter bei dem Angriff ums Leben kamen, ließ sich dieser Verdacht jedoch nicht mehr in Verhören und Prozessbefragungen erhärten.

In Syrien soll der Brite von der IS-Führung unter anderem damit beauftragt worden sein, die Klarnamen und Wohnorte von IS-Gegnern herauszufinden, die im Internet unter Pseudonymen auftraten. Auch an der Zusammenstellung einer "Hit List" mit Adressen und Fotos von US-Militärangehörigen war er angeblich maßgeblich beteiligt.

So stellte sich Junaid Hussain selbst dar

Hussains bekanntestes Konversionsopfer ist die 45-jährige Punkmusikerin Sally Jones, die den 21-Jährigen heiratete und zu ihm nach Syrien zog, wo sie die al-Khanssaa-Frauenbrigade anführen oder angeführt haben soll. Mitte August in der britischen Presse aufgetauchte Gerüchte, dass "Mrs. Terror" im August wieder in Birmingham gesichtet wurde und dort möglicherweise einen Anschlag plant, könnten dem Sommerloch geschuldet sein.

Bevor sich "Mr. Terror" nach Syrien absetzte trat Hussain unter dem Pseudonym TriCk als Mitglied der Hackergruppe TeaMp0isoN auf, die 2011 durch Angriffe auf islamkritische Websites und die Veröffentlichung zahlreicher privater Daten des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair Schlagzeilen machte. Als im selben Jahr Jugendbanden Teile Londons plünderten und verwüsteten, lobte TeaMp0isoN die Zerstörungen und übernahm nach der Ankündigung von BlackBerry, die Behörden bei der Ermittlung der Täter und der Verhinderung weiterer Ausschreitung zu unterstützen, die Website des Mobiltelefonanbieters.

Am 18. August hatte der National-Security-Council-Sprecher Ned Price einen weiteren wichtigen IS-Dschihadisten für tot erklärt: Fadil Ahmad al-Hayali (alias "Hajji Mutazz" und "Abu Muslim al-Turkomani") war angeblich der erste Stellvertreter des Terrorkalifen Abu Bakr al-Bagdadi. Er soll aus der Luft ausgeschaltet worden sein, als er zusammen mit dem IS-Propagandabeauftragten Abu Abdullah in der Nähe der nordirakischen Stadt Mosul im Auto unterwegs war. Al-Hayali war bereits im Dezember für wahrscheinlich tot erklärt worden, was sich später als Irrtum herausstellte.

Price zufolge war der Iraker, der bis zum Einmarsch der Amerikaner angeblich in Saddam Husseins Geheimdienst diente, einer der wichtigsten Logistik- und Militärplaner der Terrorgruppe, der unter anderem bei der blitzartigen Eroberung von Mosul im letzten Jahr eine Schlüsselrolle spielte. CNN zufolge reagierten die Terroristen auf seinen Tod mit der vermehrten Hinrichtung von Personen, die sie als Verräter verdächtigen. (Peter Mühlbauer)

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