Pentagon schmiedet Angriffspläne auf Nordkorea

Nach einem Zeitungsbericht könnte das Abrücken Chinas von Nordkorea die US-Regierung zu einer aggressiveren Politik gegen den Staat auf der "Achse des Bösen" bestärken

Iran testet gerade Langstreckenraketen im Rahmen eines Militärmövers ("Der große Prophet 2"), das sich auch als Reaktion auf ein vom Pentagon geführtes Manöver im Persischen Golf verstehen lässt. Die Truppenübung galt als eine Warnung für Iran und Nordkorea. Wie nun die konservative Washington Times berichtet, scheint die Bush-Regierung nun konkrete Pläne für einen möglichen Angriff auf Nordkorea zu schmieden. Nach dem unterirdischen Atomwaffentest des Regimes hatte auch China ungewohnt scharf reagiert. Das könnte, so vermutet man bei der Washington Times, die Bush-Regierung als "grünes Licht" für ein aggressiveres Vorgehen verstehen.

Ob es sich am 9. Oktober tatsächlich um einen Atomwaffentest gehandelt hat und wie erfolgreich er war, ist noch immer nicht eindeutig geklärt (US-Geheimdienstchef bestätigt Atomtest Nordkoreas). Kim Jong-il hat sich damit auf jeden Fall wieder die erwünschte Aufmerksamkeit verschafft, auch wenn sein Land damit noch mehr als bislang zum Paria-Staat wurde. Befürchtet wurde, dass Nordkorea einen weiteren Test planen könnte, allerdings hat Nordkorea erst einmal seine Bereitschaft erklärt, erneut an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Während in Südkorea zwar auch wie in Japan davon gesprochen wurde, sich möglicherweise auch mit Atomwaffen gegen die Bedrohung aufzurüsten, haben sich die Südkoreaner mehrheitlich gegen ein militärisches Vorgehen ausgeprochen. Auch die Regierung will den Konflikt nicht zuspitzen.

Nach Aussagen von Informaten aus dem Pentagon werden im Augenblick konkrete Pläne für eine Zerstörung des nordkoreanischen Atomreaktors in Yongbyon geschmiedet, in dem waffenfähiges Plutonium hergestellt wird. Man denkt angeblich an einen Einsatz von Spezialkommandos oder an Luftschläge mit Tomahawk- oder anderen Präzisionsraketen oder Bombardierungen mit B-52- oder B-2-Bombern, die in Guam stationiert sind Ausgearbeitet würden "unterschiedliche militärische Optionen", erklärte ein Pentagon-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Die Planung sei beschleunigt worden: "Es gibt mit der Ausnahme von Angriffen mit Atomwaffen, die als zu exzessiv betrachtet werden, mehrere Optionen." Spezialeinheiten könnten in verdeckten Einsätzen versuchen, ins Land einzudringen und den Atomreaktor sprengen.

Von den möglichen Gefahren, die durch eine solche Zerstörung des Reaktors udn der Brennstäbe ausgehen, ist in dem Bericht zumindest nicht die Rede. Es heißt nur, dass die Verbreitung radioaktiver Teilchen vermindert werden könnte, wenn der Reaktor gleichzeitig von mehreren Seiten bombardiert und zerstört werde. Zur Zerstörung würden 6 Tomahawk-Raketen reichen. Nordkorea bräuchte dann wieder 10 Jahre, um einen neuen Reaktor zu bauen.

Ein anderer Pentagon-Angehöriger meinte jedoch, dass die USA bereit seien, Japan und Südkorea im Falle eines nordkoreanischen Angriffs auch mit Atomwaffen zu verteidigen. Der Pentagon-Sprecher Bryan Whitman betonte hingegen, die US-regierung suche nach einer "friedlichen diplomatischen Lösung". Man sei aber vorbereitet und könne alle geplanten Einsätze ausführen. Chinas Abrücken von Nordkorea würde allerdings ein militärisches Vorgehen für die US-Regierung erleichtern, die von Falken in den USA wegen des zögerlichen Handelns gegenüber Nordkorea und Iran kritisiert wurde. US-Präsident Bush hatte Nordkorea gewarnt, dass eine Weitergabe von Atomwaffen an andere Staaten oder Terrorgruppen eine "schwerwiegende Bedrohung" darstellen würde. Nach Pentagon-Mitarbeitern könnte dies zu einer militärischen Intervention führen. (Florian Rötzer)