Pentagon setzt auch in Syrien private Dienstleister ein

Wie im Irak verstärkt das Pentagon auch in Syrien die Militärpräsenz am Boden, um die Interessen der USA zu wahren

Mit der Wiederannäherung zwischen Moskau und der Türkei könnten sich die Machtkonstellationen in Syrien verschieben. Allerdings verfolgen Erdogan und Putin dort bislang konfligierende Interessen, so dass kaum abzusehen ist, ob sie sich auf eine gemeinsame Syrien-Politik einigen können.

Das Thema wurde denn auch beim Treffen zumindest nicht öffentlich diskutiert, die türkische Regierung hat allerdings schon kundgetan, dass man sogar über Verhandlungen mit der syrischen Regierung sprechen könnte. Kaum vorstellbar ist jedoch, dass die Türkei sich anders zu den syrischen Kurden verhalten wird, die Russland ebenso wie die USA noch unterstützen. Auch beim Verhältnis zu den großenteils islamistischen "Rebellen" ist kaum eine schnelle gemeinsame Strategie vorstellbar, obgleich man den Eindruck gewinnen könnte, dass Russland sich bei der Unterstützung der syrischen Truppen und Milizen auch beim Kampf um Aleppo etwas mehr als bisher zurückhält.

Für die USA wird es damit auch noch schwieriger, ihre Interessen in Syrien zu verfolgen, da die Türkei noch sperriger werden wird und man sich nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen mit Russland durchringen kann. Eigentlich wird erwartet, dass noch während der auslaufenden Präsidentschaft Obamas zumindest ein gewisser Erfolg nicht nur im Irak, in Libyen und in Afghanistan, wo es überall nicht gut aussieht, sondern auch in Syrien erreicht werden soll. Dort hat die amerikanische Politik die Lage am wenigsten im Griff.

Die Luftangriffe auf den IS haben diesen zwar geschwächt und mit der Unterstützung der Kurden zurückgedrängt, aber andere Islamistengruppen, die von US-Alliierten wie Saudi-Arabien, anderen Golfstaaten oder der Türkei unterstützt werden, werden dafür stärker, während der Einfluss säkularer Oppositionsgruppen schwindet und die vom Pentagon unternommenen Versuche, selbst Bodentruppen zu formieren, kläglich gescheitert sind. Und es gibt vor allem weiterhin das Assad-Regime, das von den USA geduldet werden muss, um nicht in Syrien einen offenen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu führen.

Kurdische YPG-Kämpfer tanzen im fast eroberten Manbij. Bild: Dr Partizan

Mit Dienstleistern werden nicht nur Kosten gespart

Seit April sind mindestens 250 US-Soldaten im Nordosten Syriens zur Unterstützung der von den USA gebildeten "Syrisch-demokratischen Streitkräfte" (SDF) tätig (Syrien: Obama stockt US-Bodentruppen um 250 Soldaten auf). Auch bei der Offensive auf Manbij sollen US-Spezialkräfte am Boden die SDF unterstützt haben. Die Rede war von einer "kleinen Zahl" von Soldaten, die sich aber nicht direkt an Kämpfen beteiligen würden. Offenbar ist die Stadt nun weitgehend erobert (und wie üblich zerstört), es sollen sich nur noch wenige IS-Kämpfer in ihr aufhalten.

Bekannt wurde jetzt auch, dass das Pentagon nicht nur Soldaten in den Krieg nach Syrien geschickt hat, sondern auch "Contractors". Wohl um die Zahl der Soldaten klein zu halten und so den Eindruck zu vermeiden, dass eine militärische Intervention durch Bodentruppen zusätzlich zu den offenbar besser legitimierbaren und akzeptierbaren Luftangriffen stattfindet, greift man wieder einmal zum Outsourcen.

Daily Beast ist über eine Mitteilung vom 27. Juli gestolpert, in der das Pentagon mitteilt, dass die US-Army mit Six3 Intelligence Solutions Inc. aus Virginia einen Vertrag in Höhe von 9,578.964 Millionen US-Dollar für geheimdienstliche Analysearbeiten abgeschlossen hat. Der Vertrag soll am 29. Juni 2017 enden. Ausgegeben wurde der Vertrag vom Army Contracting Command in Kaiserslautern. Deutschland spielt hier ebenso wie im US-Drohnenkrieg eine wichtige Rolle. Die Mitarbeiter der Firma, die vom militärischen Unternehmen CACI 2013 für 870 Millionen US-Dollar gekauft wurde, angepriesen als "Premium-Anbieter von hochspezialisierten Diensten für die nationale Sicherheit", sollen in Deutschland, Italien und eben in Syrien arbeiten.

CACI mit dem Slogan "Ever Vigilant" wurde u.a. deswegen bekannt, weil Mitarbeiter an den Misshandlungen von Gefangenen in Abu Ghraib beteiligt gewesen sein sollen. CACI mit 20.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 3 Milliarden US-Dollar 2015 lebt fast ausschließlich von Staatsaufträgen, vor allem von den US-Geheimdiensten.

Details des Auftrags gehen aus der Mitteilung des Pentagon nicht hervor, erstmals bekannt wird dadurch allerdings, dass das Pentagon auch in Syrien "Söldner" einsetzt. Im Irak, wo die USA keine völkerrechtswidrige Intervention durchführen, sondern mit der Regierung kooperieren, sind neben 4000 Soldaten offiziell auch fast 2500 Contractors tätig, in Afghanistan sind es sogar 26.435, also deutlich mehr als US-Truppen.

Six3 ist spezialisiert auf Biometrie und Identifizierung. Ken Asbury, der Geschäftsführer von CACI, sagt auch nichts Genaueres: "Contractors machen sehr viel mehr als Lastwagen zu fahren oder Essen zu kochen. Sie machen Geheimdienstarbeit, lösen Schüsse aus und unterstützen Spezialeinheiten." Möglicherweise sollen sie helfen, IS-Kämpfer und -Führer zu identifizieren.

Das große Geschäft für die Privatwirtschaft wird nach der Vertreibung des IS prophezeit

Daily Beast weist in diesem Zusammenhang der Privatisierung des Kriegs darauf hin, dass die Privatwirtschaft erst wirklich ins Geschäft kommen wird, wenn der IS aus den dann weitgehend zerstörten Städten vertrieben sein wird. US-Verteidigungsminister Ash Carter sagte kürzlich: "Städte müssen wiederaufgebaut, Dienste wiederhergestellt und Gemeinden neu gebildet werden." Das sei nicht prinzipiell eine amerikanische Aufgabe: "Wir werden eine Rolle dabei spielen, aber halten Sie die mehr als 2 Milliarden US-Dollar an Spendenzusagen im Gedächtnis, die wir letzte Woche erhalten haben und die zum Großteil von Zivilbehörden verwaltet werden, die wiederum oft Contractors einsetzen, um das zu machen."

Man sei im Gespräch mit den internationalen Partnern, ob das Russland oder die syrische Regierung einschließt, sagte er nicht. Wie schon beim Irak-Krieg 2003, dessen Kosten von der damaligen Bush-Regierung als Peanuts bezeichnet wurde, während es ein Milliardengeschäft für die Unternehmen aus den Ländern der "Koalition der Willigen" sein sollte, dürfte es auch hier darum gehen, wer an die internationalen Gelder kommt und ins Geschäft in Syrien und im Irak einsteigen kann, falls es dieses Mal eines werden sollte. Damit würde auch langfristig der Einfluss gesichert.

Carter gab seiner Befürchtung Ausdruck, dass die von ihm erwarteten militärischen Erfolge nicht schnell genug zu einer Stabilisierung und dem Wiederaufbau der eroberten Städte führen könnten. Es gäbe hier viel zu tun: "Ansonsten werden wir den IS besiegen und sie werden wieder zurückkommen." Aber es scheint noch keinen wirklichen Plan zu geben, denn nach dem IS werden andere Islamisten das Vakuum füllen - und fraglich wird auch sein, welchen Einfluss die Amerikaner "danach" in Syrien haben werden, wenn sie sich nur auf die Kurden stützen können. (Florian Rötzer)

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