Pentagon testet Abwurf der neuen Allround-Atombombe B61-12

Abwurftest. Bild: Sandia

Mit einem dramatisch inszenierten Video wird in dem nicht-nuklearen Test der Abwurf der verbesserten taktischen Atombombe von einem ebenfalls verbesserten B-2-Spirit-Bomber demonstriert

Das Pentagon hat im Laufe des Sommers von einem B-2-Spirit Stealthbomber erstmals einen Flugtest mit einer erneuerten, multifunktionalen B61-12-Atombombe gemacht. Vor einigen Tagen wurde ein hochdramatisch inszeniertes Video vom Sandia National Laboratories, zuständig für die Modernisierung der amerikanischen Atomwaffen, veröffentlicht, das den Abwurf der taktischen Atombombe am 9. Juni über dem Tonopah-Testgelände allerdings mit einefr McDonnell Douglas F-15 Eagle zeigt.

Bild: Sandia

Die Tests sollen demonstrieren, dass die Bomber die verbesserten frei fallenden oder gelenkten Atombomben abwerfen können und diese ihre nicht-nuklearen Fähigkeiten besitzt. Die B-2-Bomber werden ebenfalls mit neuen technischen Systemen wie dem Defensive Management System zur Erkennung feindlicher Luftabwehrsysteme, neuen Sensoren und leistungsfähigeren Computerkapazitäten aufgerüstet. Daher geht es auch darum, wie beide neuen Systeme zusammen funktionieren.

Das 8 Milliarden US-Dollar teure B61-12 Life Extension Program (LEP) der National Nuclear Security Administration (DOE/NNSA) und der US-Luftwaffe strebt an, ab 2020 mit der Produktion der neuen Bombe beginnen zu können, um die alten B61-Bomben abzulösen. Die sind auch im Rahmen der so genannten nuklearen Teilhabe in Deutschland und anderen Nato-Staaten wie der Türkei oder Italien stationiert und sollen auch durch die erneuerten Bomben ersetzt werden.

Bild: Sandia

Die neuen Wasserstoffbomben des Typs B61-12 sollen genauer sein und können nicht nur mit Sprengköpfen mit niedriger Sprengkraft ausgestattet werden, sondern sollen auch unterschiedliche Funktionen vereinen. Auch die alten B61-Modelle konnten mit unterschiedlicher Sprengkraft zwischen 0,3 und 340 kT ausgestattet werden, die bunkerbrechende B61-11 mit einer Sprengkraft bis 400 kT. Während es bislang vier B61-Varianten für verschiedene Zwecke gibt, soll die neue B61-12 sowohl mit geringer als auch mit hoher Sprengkraft eingesetzt werden können, aber auch als bunkerbrechende Bombe und als tief in Erdreich oder Beton eindringende Bombe für unterirdische Ziele. Im Pentagon nennt man das "all round up".

Hans Kristensen, Direktor des Nuclear Information Project der Federation of American Scientists (FAS) erklärte gegenüber Warrior Maven, es sei der Vorteil der neuen Bombe, dass "alle Fähigkeiten einer frei fallenden Bombe gegen alle Zielszenarien in einer Bombe verpackt" werden: "Das reicht von einem taktischen 'sauberen' Einsatz mit sehr geringer Sprengkraft und geringem Fallout bis zu schmutzigeren Angriffen auf Untergrundziele." Wenn die B61-12 tief in in die Oberfläche eindringen kann, bevor sie explodiert, könnte das für das Pentagon wichtige Vorteile haben.

Schon Trump hatte im März zur Herausgabe des Nuclear Posture Review (NPR) betont, dass das amerikanische Atomwaffenarsenal auch zur Abschreckung von "nicht-nuklearer Aggression" dienen soll (Im Taumel des Wettrüstens). Dafür sind Mini-Nukes wie die mit den B61 schon seit den 90er Jahren vorhandenen Bomben mit geringer Sprengkraft geeignet.

Schon lange, zumindest ab dem Beginn der Präsidentschaft von George W. Bush, wird im Pentagon, besonders im Hinblick auf die Atomanlagen des Iran, der präventive Einsatz von Mini-Nukes gegen unterirdische Ziele als Möglichkeit gefordert. Ein Einsatz in Reaktion auf eine nicht-nukleare Aggression würde die Schwelle zu einem Atomkrieg senken. Im Pentagon versicherte man allerdings, dass Mini-Nukes nicht in Reaktion auf einen Cyberangriff verwendet würden und überhaupt nur der besseren Abschreckung dienen sollen.

Wenn die B61-12 tatsächlich tief eindringen kann, bevor sie explodiert - was das veröffentlichte Video allerdings nicht nahelegt -, könnten Präzisionsschläge gegen Ziele im Untergrund ausgeführt werden, ohne dass es auf der Oberfläche wie sonst zu größeren Verwüstungen und einem entsprechenden Fallout käme. Zudem würde, wie Kristensen sagt, die Sprengkraft mehr nach unten gerichtet werden, womit sich unterirdische Ziele besser zerstören ließen. (Florian Rötzer)

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