Perry Rhodan wird 50

Pabel-Moewig feiert das Jubiläum des Science-Fiction-Helden mit dem Beginn eines neuen Handlungsabschnitts, einer WeltCon und der Veröffentlichung aller bisher erschienenen Hefte als eBooks

Man kann nicht gerade behaupten, dass die deutschen Verlage ihre Geschäftsmodelle mit Überlichtgeschwindigkeit an die Welt um sie herum angepasst hätten. Das gilt auch für Pabel-Moewig, wo die Science-Fiction-Groschenheftserie Perry Rhodan erscheint, die am 8. September 2011 ihr fünfzigjähriges Startjubiläum feiert.

Dazu sollen in den kommenden Monaten alle alten Hefte – insgesamt über 201.600 Seiten – als eBooks für iPad und Kindle erscheinen. Darin eingeschlossen sind neben den regulären 60-Seiten-Heftchen auch die 114 jeweils vierhundertseitigen Silberbände, in denen man – so der Verlag - "die Handlung gestrafft und Widersprüche zwischen Einzelheften aufgelöst" hat. Pabel-Moewig zufolge ist dies das "größte eBook-Projekt der Welt".

Allerdings sorgte die Beliebtheit von Perry Rhodan in IT-Berufen dafür, dass die Serie schon seit vielen Jahren von Fans eingescannt und in Form inoffizieller elektronischer Editionen im Internet verteilt wurde, was die Nachfrage möglicherweise in Grenzen halten könnte. Hinzu kommt, dass bei eBooks das für Sammler (die die Inhalte schon kennen, aber trotzdem kaufen) wichtige Element des Haptischen fehlt.

Nicht von solchen Gegebenheiten behindert werden dürfte dagegen die WeltCon 2011, die vom 30. September bis zum 2. Oktober 2011 im Mannheimer Congress Center Rosengarten stattfindet. Auf dieser von der Perry-Rhodan-Redaktion zusammen mit der European Space Agency (ESA) veranstalteten Jubiläumsfeier sprechen neben ESA-Raumfahrtexperten auch Frank Schätzing, Andreas Eschbach, Markus Heitz, Denis Scheck und Bruno Eyron. Außerdem gibt es "Satellitenmodelle und andere Ausstellungsstücke aus der realen Raumfahrt" zu sehen.

Ersonnen wurde Perry Rhodan von Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting ("Clark Darlton"). Zu Anfang der Geschichte stößt der Titelheld, ein amerikanischer Astronaut, auf außerirdische Arkoniden, deren Technologie so überlegen ist, dass er damit einen kurz bevorstehenden Atomkrieg verhindern und einen eigenen Staat in der Wüste Gobi gründen kann, die Dritte Macht. Anschließend erkundet er den Weltraum, erwirbt eine relative Unsterblichkeit, einigt die Menschheit, kolonisiert andere Sonnensysteme, begegnet immer neuen Außerirdischen und wehrt immer neue Gefahren ab.

Seit den späten 1960er Jahren diente das erfrischend unpädagogische Periodikum in einer ganzen Reihe von vulgäradornitischen bis schlicht hysterischen Buch- und Medienbeiträgen als abschreckendes Beispiel unbewältigter Vergangenheit1, was den Reiz bei jungen Lesern aber eher erhöhte und mit dazu beitrug, dass sich die Weltraumabenteuer insgesamt über eine Milliarde Mal verkauften.

Den heute erscheinenden neuen Perry-Rhodan-Band Nummer 2600 bewirbt Pabel-Moewig als Anfang eines frischen Handlungsabschnitts und "einfachen Einstieg in die Serie", der neue Leserschichten erschließen soll. Das Thanatos-Programm beginnt mit der Versetzung der Erde in einen "fremdartigen Kosmos" außerhalb des bekannten Universums, was man der Ankündigung nach nicht nur durch das plötzliche Fehlen der Sterne, sondern auch durch das Auftauchen eigenartiger Aliens merkt. (Peter Mühlbauer)

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