Physik-Superman als Comic-Held

Die Biographie von Richard P. Feynman gibt es nun auch als gezeichneten Bildband

Am 2. September erscheint beim Verlag First Second Books ein Comic, der die Lebensgeschichte des Physiknobelpreisträger Richard P. Feynman zum Inhalt hat. Gezeichnet wurde das Werk von Leland Myrick, dessen Strich an Hergé und einige ältere Spanier erinnert. Die Betextung übernahm der gelernte Kerntechniker Jim Ottaviani, der vorher unter anderem Comics über Niels Bohr, den Wettlauf zum Mond und die politische Geschichte der Atombombe machte.

Feynmans Leben gibt - wie bereits seine ausgesprochen lesenswerte Autobiographie Surely You're Joking, Mr. Feynman! (Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman) zeigte - mehr als genug Stoff für eine unterhaltsame Erzählung ab. Das beginnt mit seinem Fachgebiet, in dem der am 11. Mai 1918 in Queens geborene Sohn eines jüdischen Einwanderers aus Minsk 1965 für seine Forschungsergebnisse zur Quantenelektrodynamik den Nobelpreis verliehen bekam.

Vorher arbeitete er unter anderem an Berechnungen zur Herstellung der Atombombe. Im relativ abgelegenen Wissenschaftlercamp in Los Alamos war es Feynman streckenweise so langweilig, dass er auf die Idee kam, Zahlenschlösser an fremden Schränken und Schreibtischen zu knacken. Manche seiner Kollegen machten es ihm dabei nach eigenen Angaben nicht allzu schwer: Ein Physiker benutzte beispielsweise einfach die ersten vier Stellen der Eulerschen Zahl, um geheime Dokumente wegzuschließen.

Durch Hinterlassen eigener Notizen verwirrte Feynman die Wissenschaftler, deren Schlösser er geknackt hatte. Frederic de Hoffman vermutete deshalb, dass sich ein fremder Agent in der Anlage aufhalten könnte. Den gab es in Form von Klaus Fuchs zwar tatsächlich, aber er arbeitet nicht mit Feynman zusammen, sondern lieh ihm nur ab und zu sein Automobil, damit er seine tuberkulosekranke Frau besuchen konnte.

Später, am California Institute of Technology, begründete er mit seiner Rede There's Plenty of Room at the Bottom die Nanotechnologieforschung und in Mexiko erkannte er zu Zeiten, als die Maya-Schrift noch nicht entschlüsselt war, dass alte Aufzeichnungen Planetenbewegungen enthielten. Darüber hinaus machte sich der unberechenbare Exzentriker einen Namen als Bongospieler und Aktzeichner.

Außerdem war er ein ausgesprochen innovativer Didaktiker, dessen Feynman Lectures sich auch 50 Jahre nach ihrer Entstehung noch zu lesen lohnen und dessen (ebenfalls nach ihm benannte) Diagramme zu internationalen Standards wurden. Weil vier Straßen in der Nähe des Münchener Isartors den Compton-Effekt abbilden, brachten Feynman-Fans dort eine Gedenkplakette an, was von der Kommunalpolitik allerdings nicht gewürdigt wurde.

Feynmans Vorlesungen zeichneten sich durch die große Mühe aus, die er darauf legte, Theorien und Modelle verständlich zu erklären. Das war seiner Ansicht nach auch bei schwierigen Sachverhalten möglich - und wenn man eine Theorie einen Erstsemesterstudenten nicht vermitteln konnte, dann zeigte das seiner Ansicht nach bloß, dass man etwas noch nicht richtig erfasst hatte. Die akademischen Fächer Didaktik und Pädagogik hielt er jedoch für "Cargo-Kult-Wissenschaften", deren Wirksamkeit seiner Ansicht nach ebenso wenig überprüft wurde, wie die von Gefängnisstrafen.

Zwei Angebote, am Institute for Advanced Study zu forschen, lehnte Feynman mit der Begründung ab, dass die Stellen dort kein Lehrdeputat umfassten. Er hielt die Diskussion mit Studenten nämlich für eine enorm wichtige Inspirationsquelle und sah Vorlesungen als willkommene Ablenkung während Phasen an, in denen ihm gerade nichts einfiel. Erst nachdem sich das Institut mit der Princeton-Universität zusammenschloss und ihm so auch das Halten von Vorlesungen anbieten konnte, ging Feynman auf das Jobangebot ein.

Einen seiner wenigen, nicht unterhaltsamen Momente scheint der Physiker am 15. Februar 1988 erlebt zu haben, als er im Kampf gegen den Krebs unterlag. Seine letzten Worte waren James Gleick zufolge: "I'd hate to die twice. It's so boring."


(Peter Mühlbauer)