Pille beeinflusst Partnerwahl

Britische Forscher wollen herausgefunden haben, dass sich bei Frauen, die die Pille nehmen, die Geruchswahrnehmung verändert und sie genetisch ähnlichere Männer bevorzugen

Wie auch neue Erkenntnisse über die Pille zur Empfängnisverhütung zeigen, dürfte es kaum Eingriffe in komplexe Systeme geben, die keine unerwarteten Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei der Pille gibt es natürlich zahlreiche Nebenwirkungen, weil sie recht drastisch auf den Hormonhaushalt einwirkt, nun aber haben britische Evolutionsbiologen der University of Liverpool herausgefunden, dass sie vermutlich auch auf subtile Weise die Partnerwahl beeinflussen kann.

Die Pille scheint, wie die Wissenschaftler in ihrem Beitrag schreiben, der in den Proceedings of the Royal Society B erschienen ist, die Riechfähigkeit der Frauen zu verändern, die sie nehmen. Normalerweise wählen Menschen ihre Geschlechtspartner auch nach dem Körperduft. Attraktiv soll der allerdings noch umstrittenen Theorie nach derjenige sein, dessen Körpergeruch verrät, dass er sich genetisch unterscheidet. Dabei sollen Gene im Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC) eine wichtige Rolle spielen, der primär Proteine für das Immunsystem erzeugt, aber auch, vermittelt über Bakterien, die auf der Haut leben und für die Düfte sorgen, an der Geruchserkennung beteiligt ist.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 97 Frauen vor und nach der Einnahme der Pille. Ihre MHC-Gene wurden analysiert und sie wurden gebeten, T-Shirts zu riechen, die von Männern mit unterschiedlichen MHC-Genen beim Schlafen getragen wurden. Wenn Frauen die Pille nehmen, bevorzugen sie nicht mehr den Geruch von genetisch unterschiedlichen Männern, sondern ziehen sogar den von genetisch ähnlicheren vor. Single-Frauen haben nach den Ergebnissen auch eine andere Geruchsorientierung als Frauen, die eine Beziehung haben. Während Single-Frauen auf den Geruch von MHC-ähnlichen Männern positiv reagieren, sei das bei den Frauen in einer Beziehung nicht der Fall. Das könnte bedeuten, so die Wissenschaftler, dass sie bei einer Affäre möglichst unterschiedliche Partner suchen, um die genetische Unterschiedlichkeit eines möglichen Nachwuchses zu maximieren.

Studien dieser Art laden natürlich zu Spekulationen ein. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Einnahme der Pille durch die veränderte Geruchsorientierung die Fertilität beeinträchtigen könnte. Weil genetisch ähnlichere Sexualpartner gewählt würden, könne das Risiko von Fehlgeburten steigen. Überdies könnte die Pille auch dazu führen, dass die Frau ihren bisherigen Sexualpartner nicht mehr attraktiv findet, weil der Geruch sie nicht mehr anzieht. Das könne auch der Fall sein, wenn sie die Pille absetzt und plötzlich ihre Geruchswahrnehmung umschaltet. Alles natürlich nur, wenn die Geruchswahrnehmung bei der Wahl der Sexualpartner tatsächlich eine Rolle spielen sollte. Psychologen der Universitäten St Andrews und Stirling haben in einer früheren Studie herausgefunden, dass Frauen, die die Pille nehmen, eher auf Macho-Männer mit dem entsprechenden maskulinen Aussehen anspringen sollen, während die pillenlosen Frauen eher von sensibleren Männern ohne markante männliche Attribute angezogen werden.

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