Piratenpartei: Streit um schrille Stimmen

Die Veranstalterin eines Gender-Kongresses glaubt an "männerstimmenorientierte" Mikrofoneinstellungen

Am Wochenende fand in Berlin die PiratinnenKon statt. Eine "auf ausdrücklichen Wunsch des Bundesvorstands" abgehaltene Konferenz zum Genderthema. Ziel der Veranstaltung war es der Ankündigung zufolge, "einen parteiinternen Klärungsprozess voranzutreiben" und "eine klarere und kraftvollere Positionierung nach außen erreichen".

Abgehalten wurde die PiratinnenKon nicht vom Bundesvorstand (der sie lediglich mitfinanzierte), sondern von Ursula Bub-Hielscher und Christiane Schinkel. Die hatten im Vorfeld Regeln aufgestellt, denen sich jeder Teilnehmer "mit dem Betreten der Räume" automatisch unterwerfen sollte. Die umstrittenste davon lautete:

Mir ist bewusst, dass das Thema der Konferenz 'Frauen in der Piratenpartei / Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft' ist, und bin hier, weil ich das wichtig finde. Das beachte ich bei meinen Wortbeiträgen. Ich weiß, dass Wortbeiträge, die diesem Thema entgegen arbeiten oder widersprechen (z.B. Maskulinismus, Männerrechtler) auf dieser Konferenz keinen Raum erhalten werden.

Nachdem der bayerische Bundestagskandidat Andreas Popp und andere Piraten öffentlich Kritik an solchen "Diskussionsvermeidungsstrategien" übten, wurde die Regel zwar formell gestrichen, aber in der Sache blieb man hart: Als der Braunschweiger Pirat Dennis Plagge am Samstag darauf aufmerksam machte, dass die bis 2012 gepflegte Postgender-Position seiner Ansicht nach in der Satzung der Piratenpartei festgeschrieben ist und Genderisten mit ihrer Politik ständig gegen diese Satzung verstoßen, wurde er zu einer "Aussprache" gebeten und später unter Rückgriff auf Hausrecht und Polizei des Saales verwiesen. Zur genauen Begründung des Hausverbots für ihn gibt es unterschiedliche Angaben

Noch mehr Aufsehen erregte ein im Vorfeld der Veranstaltung aufgenommener Podcast zur PiratinnenKon, in dem die "Filmemacherin und Heilpraktikerin (Psych)"1 Ursula Bub-Hielscher die Ansicht vorträgt, dass "Mikrofone auf die Frequenzen von Männerstimmen" eingestellt seien, weshalb Frauen "kreischig" klingen würden. Dass dies eine ziemlich gewagte Theorie ist, legte der Blogger Aseman in einer sehr ausführlichen technischen Analyse dar.

Verdächtig phallische Form: Mikrofon. Foto: Georg Feitscher. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Er stellte fest, dass ein "Kreisch"-Effekt nur mittels digitaler Effektgeräte erreicht werden könnte, die in Mikrofonen für Veranstaltungen nicht enthalten sind. Anhand der Kennlinien mehrerer zufällig ausgewählter Mikrofone kam er außerdem zu dem Ergebnis, dass eher ein dämpfender Effekt möglich ist. Wenn Stimmen 'kreischig' klingen, so Asemann, "dann höchstwahrscheinlich weil sie von Natur aus kreischig sind". Dass solche Stimmen beim Sprechen für den Sprecher subjektiv tiefer klingen können als in Aufzeichnungen, liegt an der Leitung des Schalls durch die Knochen im menschlichen Kopf.

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