Pittsburgh-Attentäter: "Alle Juden müssen sterben"

Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Charlotte,North Carolina

Vor den Wahlen schlägt die aufgeheizte Stimmung in den USA in Gewalt um, Donald Trump verurteilt den antisemitischen Akt und ruft zur Aufrüstung auf

Kaum war der verdächtige Maga-Bomber Cesar Sayoc, ein Pizza-Fahrer, Bodybuilder und DJ, festgenommen worden, der als Trump-Anhänger Briefbomben an demokratische Politiker und Trump-Kritiker versendete, trat schon am Samstagmorgen der nächste Einzelgänger in Pittsburgh auf und tötete in der Tree of Life Synagogue wahllos 11 Menschen und verletzte mehrere andere, darunter vier Polizisten. Er hatte ein Gewehr und drei Handfeuerwaffen bei sich. Wieder war es ein typischer Trump-Anhänger, ein 48-jähriger - andere sagen ein 46-jähriger - weißer Mann, der vor dem Schießen gebrüllt haben soll: "Alle Juden müssen sterben". Er schoss auch auf Polizisten, ergab sich aber im Unterschied zu den Amokläufern schließlich der Polizei, nachdem er verwundet wurde.

Während der Paketbombentäter die Demokraten hasste, ebenso wie die Schwulen, die Schwarzen und die Migranten, hasste der Waffenfan Robert Bowers die Juden, die er mit gewalttätigen Einwanderern verband. Kurz vor seiner Tat schrieb er: "HIAS [Hebrew Immigrant Aid Society] will Invasoren hereinbringen, die Menschen töten. Ich kann nicht abwarten und zusehen, wie meine Leute geschlachtet werden." Nach seiner Ansicht würden Juden helfen, Menschen aus den Migranten-Karawanen in die USA zu bringen. Er fand auch, dass man sie anstatt als "Illegale" besser als "Invasoren" bezeichnen sollte. Bowers zitierte auf seinem Gab-Account, dass Juden "Kinder Satans" seien.

Nach einem Bericht der Anti-Defamation League ist der Antisemitismus parallel mit dem Aufstieg von Trump angewachsen. Antisemitische Angriffe hätten von 2016 bis 2017 um 57 Prozent zugenommen, mehr als seit vielen Jahrzehnten.

Beide Männer handelten wie Terroristen, sie verkörpern aber eher das Gift des Hasses, der seit längerem kultiviert wurde und vor allem Männer im mittleren Alter anzieht. Donald Trump ist durch die subversive Stimmung auf der rechten Seite von Menschen, die sich und ihre Kultur gefährdet sehen oder bereits Loser sind, in das Präsidentenamt geschwemmt worden. Trump lebt den Hass aus und vor, er gibt sich gleichzeitig als Systemkritiker, Nationalist und als erfolgreicher Geschäftsmann, der weiß, wie man unbelastet von Moral und Skrupel individuell und als Nation reich und groß wird. Die Mischung, die auch in der AfD gepflegt wird, scheint für viele attraktiv zu sein, weil alles beim Alten bleiben soll und man die Wut und die Angst auf Ausländer, Schwule, Juden, Muslime, Liberale, Kosmopoliten oder wen auch immer schiebt, die die Ordnung zerstören und die draußen bleiben sollen. Es ist das altbekannte völkisch-nationale Schema, das weiterhin funktioniert, als hätte es den Faschismus nie gegeben.

Trump hat das übliche amerikanische Rezept der Rechten, wie sich Massenschießereien verhindern lassen. Letztlich müssen sich alle Institutionen von Schulen bis Kirchen aufrüsten, um Menschen abzuwehren, die wegen der laxen Waffengesetze zu Massenmördern werden. Mehr Waffen also schaffen nach ihm mehr Sicherheit vor "Verrückten", die dann auch schnell zum Tod verurteilt werden sollten.

Das Rezept ist Gewalt gegen Gewalt und die Eliminierung der immer ver-rückten Täter. Dazu gehört, dass systematisch weggeblickt wird von Ursachen, die die Menschen zu solchen Taten treiben. Die Argumentation von Trump ist ein eklatantes Beispiel für Rechtspopulismus. Mit der Verurteilung des Täters wird dieser individuell verantwortlich gemacht und gleichzeitig wieder zur Gewalt gegen diesen aufgerufen. Trump ist alles andere als ein Antisemit, auch wenn er die Vorurteile etwa gegen Soros bedient. Demonstrativ lud der Rabbi Benjamin Sendrow ein, um ein Gebet für die Opfer zu machen. Aber die Wahl der Opfer ist ziemlich egal, das Schema bleibt dasselbe, dass Menschengruppen dämonisiert werden.

The world has violence, the world is a violent world and you think when you’re over it it just sort of goes away, but then it comes back in the form of a madman, a whacko. I think one thing we should do is stiffen up our laws in term of the death penalty.

Donald Trump

Robert Bowers scheint im Gegensatz zum Maga-Bomber aber kein absoluter Trump-Fan gewesen zu sein. Trump war ihm offenbar zu wenig radikal. Kurz vor seiner Tat schrieb er, dass er ihn nicht gewählt habe. Trump sei kein Nationalist, sondern ein Globalist. Er stehe nicht für die Rechte eines jeden Amerikaners ein und habe diese verraten, als er nach den rechten Umtrieben in Charlottesville, als er die Rechten mit dem "gewalttätigen antifaschistischen Mob" verglich. Trump war für den rechten Antisemiten Bowers wohl auch wegen seiner Nähe zu Netanjahu und seinem Schwiegersohn Kushner zu sehr von Juden kontrolliert. (Florian Rötzer)

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