"Pläne mit Kamikazedrohnen vereitelt": Israel greift Ziele in Syrien an

Symbolfoto: Jets der Israelischen Luftwaffe. Bild (2016): Israeli Air Force/CC BY 4.0

Laut Militärsprecher planten mit Iran verbündete Milizen einen Angriff auf israelische Städte. Netanjahu, der im Wahlkampf ist, macht daraus eine Botschaft an seinen großen Feind

Mit der Zerstörung von "Kamikaze"-Drohnen, die eine Zelle iranischer Kämpfer auf Ziele in Israel abschießen wollten, begründet ein Sprecher des israelischen Militärs den Luftangriff auf ein Ziel in Syrien.

Die Nachricht vom israelischen Luftangriff in Syrien am gestrigen Samstag ist heute in vielen deutschen Berichten zu lesen. Die Tagesschau bewertet den jüngsten Zwischenfall als "offenbar eine der heftigsten israelischen Attacken auf iranische Ziele in Syrien seit Jahren".

Das israelische Militär hat in einer "seltenen Bestätigung des Angriffs" (Ha'aretz) auf Ziele in einem Dorf namens Akraba, südöstlich von Damaskus, einige - wenige - Einzelheiten dazu mitgeteilt. Im Bericht der New York Times wird der Militärsprecher, Lt. Col. Jonathan Conricus, mit der Erklärung wiedergegeben, was es mit "Kamikaze"-Drohnen auf sich hat.

"Eine iranische Zelle"

Es handle sich demnach um einen neuen Typus, bei der die Drohne selbst der Sprengkörper ist, anstatt eine abgeworfene Sprengladung: "Die Drohne ist wie eine Rakete." Man habe lediglich "offensive Infrastruktur" zerstören wollen, da aber Kämpfer der al-Kuds- (oft auch: al-Quds-)-Brigade, die zu den iranischen Revolutionsgraden gehören, sowie schiitische Milizen anwesend waren, sei es wahrscheinlich, dass es auch Tote oder Verwundete gegeben habe, so Conricus.

Laut einem anderen Militärsprecher Brig. Gen. Ronen Manelis, der von Ha'aretz zitiert wird, war das Ziel nicht nur "Infrastruktur", sondern eine "Zelle, die einen Angriff (auf Israel, Einf. d.A.) plante und von Iranern Anweisungen bekommen hat". Der Drohnenangriff, der laut Manelis für Donnerstag geplant gewesen sei, sei von der IDF vereitelt worden.

Aus den Aussagen des IDF-Sprechers Conricus, den die New York Times wiedergibt, geht ebenfalls hervor, dass der Kamikaze-Drohnen-Angriff für den vergangenen Donnerstag geplant gewesen sei. Warum dann der israelische Angriff zur Vereitelung erst am darauffolgenden Samstag erfolgte, wird nicht erklärt. Klar ist nur, dass man Iran dafür verantwortlich macht ("Iran had actually tried Thursday to mount an attack against Israel using the drones", Colonel Conricus).

Möglicher Anschlag auf Ziele in Israel

Als mögliche Ziele nannte Conricus "Dimona, Haifa and Tel Aviv". Das Wort "möglich" bietet sich deshalb an, weil dies aus einer Mitteilung von Telegram hervorgeht, die der Militärsprecher als Hinweis für die Planungsaktivitäten zitiert, aber aus dem Bericht der amerikanischen Zeitung nicht notwendig hervorgeht, dass dies kongruent mit der Planung der Zelle mit Verbindung zu Iran ist.

Der Absender der Telegram-Nachricht, Mohammed Imani, wird als jemand geschildert, der dem "iranischen Regime sehr nahesteht". In seiner Nachricht habe Imami davor gewarnt, dass "es keine Überraschung sein wird, wenn, nachts oder an einem der kommenden Tage nicht identifizierte unbemannte Flugobjekte empfindliche Ziele, Sicherheitseinrichtungen, Militär- oder nukleare Einrichtungen, oder wichtige zionistische Häfen und Zentren im besetzten Palästina angreifen".

Hinzugefügt haben soll der Verfasser der Telegram-Nachricht, die Conricus den Journalisten weitergab, dass sich Israel "ab jetzt" auf schlechte Nachrichten und Drohnenangriffe auf die genannten israelischen Städte gefasst machen müsste.

Darüber hinaus, berichtet die US-Zeitung, habe Conricus keine Informationen zu den Drohnen, ihrer Sprengladung, die beim Luftangriff eingesetzten Flugzeuge gegeben.

Auch sei nichts darüber gesagt worden, wie das israelische Militär über die Angriffspläne der Zelle erfahren habe. Angesprochen wurde lediglich Geheimdienstwissen, das unbestimmt blieb. Conricus verwies nur auf die eben genannte Androhung in der Telegram-Nachricht.

Die Botschaft Netanjahus

Nun hat sich die New York Times, wenn es in ihrer Berichterstattung über Kriege im Nahen Osten mit Beteiligung der USA oder wenn es um Sicherheitsinteressen Israels geht, in der Vergangenheit - am offensichtlichsten bei den Vorbereitungen zum Einmarsch der US-Truppen im Irak, 2003 -, öfter einseitig gezeigt. Lorbeeren verdient sich die "Graue Lady" mit ihren faktischen Unterlegungen von Kriegs-oder Konfliktberichten nur sehr bedingt. Oft ist die Botschaft wichtiger.

Netanjahu ist im Wahlkampf, zur Wahl am 17. September ist es nicht mehr weit. Der Premierminister bekleidet in Personalunion auch den Posten des Verteidigungsministers. In einem Tweet spricht er im Namen beider Ämter von der Vereitelung eines Angriffs gegen Israel von den al-Quds-Streitkräften und schiitischen Milizen. "Ich betone es nochmals: Iran hat keine Immunität, nirgends. Unsere Streitkräfte operieren in jedem Sektor gegen die iranische Aggression."

Netanjahu war schon vergangene Woche mit einer Aussage, wonach Israel Iran überall angreifen könne, zitiert worden. Dies wurde als Hinweis dafür interpretiert, dass Angriffe in den vergangenen Wochen auf Ziele im Irak von der israelischen Armee ausgeübt wurden. Das Ziel, Waffendepots schiitischer Milizen, würde passen.

Israelische Angriffe auch auf Ziele im Irak?

Aber in diesen Fällen, insgesamt soll es sich um mindestens vier Angriffe handeln, gab es vonseiten der israelischen Militärs keine offizielle Bestätigung. Auch Beobachter, die Israels Militäraktionen und ihren öffentlichen Signalen gegenüber sehr kritisch agieren, bezeichnen die Informationslage in diesen Fällen als unsicher.

Demgegenüber verweist der belgische Journalist Elijah J. Magnier darauf, dass Israel ein großes Interesse daran hat, seinen Gegnern zu signalisieren, dass man empfindliche Ziele angreifen kann. Israel sei geschickt darin, Geheimdienstwissen und militärische Fähigkeiten im geeigneten Moment auszuspielen.

Zudem seien die Verhältnisse im Irak so, dass sich Geheimnisse, zum Beispiel Standorte von Raketen in Lagern der schiitischen Milizen, schnell verbreiten. "Im Irak ist es nicht schwierig, Zugang für empfindliche Informationen zu bekommen." Zudem gebe es wichtige Informanten in der irakischen Armee mit besten Beziehungen.

Dies würde einerseits bestätigen, dass israelische Geheimdienste so gut informiert sind, wie man ihnen das häufig nachsagt, zum anderen, dass Israel, wie es US-Offizielle am vergangenen Freitag der New York Times steckten, auch die Angriffe im Irak durchführte. Laut Magnier - der den schiitischen Kräften in Syrien und im Irak deutlich nähersteht und mehr verbunden ist als Israel -, sind das aber lediglich "taktische Angriffe", die Iran und seine Verbündeten kaum, auf keinen Fall substantiell schaden würden.

Enormes Potenzial an Raketen

Seine Beiträge machen seit längerer Zeit darauf aufmerksam, dass die Raketenkapazität von Milizen, die mit Iran verbündet sind, allen voran die Hizbollah, aber auch der schiitischen PMF-Milizen im Irak, ein beträchtliches Ausmaß angenommen hat, das Israel empfindlich treffen kann.

Die jeweiligen militärischen Operationen, die von jeder Seite zu einem gewissen Ausmaß, mit einer beabsichtigen Botschaft an die Öffentlichkeit gebracht werden, haben noch eine andere Signalwirkung, die auf die jeweilige gegnerische Seite gemünzt ist. Sie weiß, was genau getroffen wurde.

Dass im Zusammenhang mit dem nun gemeldeten neuen israelischen Angriff auf Ziele in Syrien vonseiten der Hizbollah auch von einem Drohnenangriff in der Nähe Beiruts gesprochen wird - und dass die israelische Drohne abgeschossen wurde - gehört zu diesen Botschaften. (Thomas Pany)