Planen die USA für August eine militärische Intervention im Iran?

Ein A-10 Thunderbolt II-Kampfflugzeug auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik. Bild: DoD

Nach einem Bericht des australischen Senders würden sich die USA mit der Hilfe Australiens und Großbritanniens darauf vorbereiten, der australische Regierungschef weist den Bericht zurück

Nach einer Meldung des australischen Fernsehsenders ABC könnten sich die USA darauf vorbereiten, bereits im August iranische Atomanlagen zu bombardieren. Angehörige der australischen Regierung hätten davon berichtet, Australien soll bei der Identifizierung möglicher Ziele assistieren, britische Geheimdienste wären auch dabei. Die weiteren Mitglieder der "Five Eyes", Neuseeland und Kanada, wären hingegen nicht beteiligt.

Dass sich die USA ebenso wie Israel darauf vorbereiten, die Atomanlagen im Iran zu zerstören, die für ein mögliches Atomwaffenprogramm genutzt werden, ist höchstwahrscheinlich, etwas anderes aber ist, ob konkret eine Intervention geplant und vorbereitet wird, was die Quellen von ABC suggerieren.

Erst kürzlich hatte Israel erstmals einen militärischen Koordinator für den Iran ernannt. Nach Überzeugung der israelischen Regierung hat der Iran sein Atomwaffenprogramm trotz des Iran-Abkommens weitergeführt, der Iran streitet dies ab. Donald Trump ist aus dem Iran-Abkommen ausgestiegen, will die Opposition unterstützen und das Land finanziell austrocknen, indem die USA verhindern wollen, dass der Iran Öl exportieren kann.

In den letzten Tagen ist der Konflikt zwischen Donald Trump und dem Iran kulminiert. Trump warnte, er werde keine Drohung mehr dulden und sprach von Folgen, die kaum jemand zuvor je erleiden musste (Trump zu Rouhani: "Drohe niemals wieder den Vereinigten Staaten"). Der Hauptkommandeur der Revolutiuonsbrigaden, Generalmajor Mohammad Ali Dschafari, sagte heute, er nehme amerikanischen Kriegsdrohungen nicht ernst, sie seien "hohl", man habe die Kapazitäten, auf sie zu reagieren.

Gefährlicher sei der "weiche Krieg", um die iranische Gesellschaft zu unterminieren, also das, was man in den USA die russischen Desinformationskampagnen nennt. "Drohungen und Sanktionen von den Feinden haben jetzt ihren Höhepunkt erreicht", so Dschafari. "Aber die einzige Drohung, die sie nicht umsetzen werden, ist die militärische, weil wenn sie eine militärische Aggression vornehmen, wird das ihnen riesige Kosten verursachen."

Einer der australischen Informanten erklärte, es sei ein großer Unterschied, ob man eine genaue Aufklärung über iranische Einrichtungen weitergebe oder Teil einer "kinetischen" Mission sei. Regierungschef Malcolm Turnbull erklärte, er habe keinen Grund zu glauben, dass die USA eine Konfrontation vorbereiten: "Diese Story ist nicht durch Nachfragen bei mir, dem Außen- oder Verteidigungsminister oder dem Oberkommandierenden der Streitkräfte bestätigt worden." US-Verteidigungsminister Mattis bezeichnete die Meldung als "Fiktion".

Gut möglich, dass die an ABC geleakte Information dem weiteren Aufbau einer Drohkulisse dienen könnte. Erst am Dienstag hatte Trump auf eine andere Rhetorik umgesattelt und erklärt: "Ich habe die USA aus dem schrecklichen, einseitigen Iran-Atomabkommen zurückgezogen, und der Iran ist nicht mehr dasselbe Land. Wir sind bereit, einen Deal zu machen." Aber vielleicht soll das nur die Wogen vor dem Sturm glätten. Allerdings ist schon so oft von der Bombardierung der iranischen Atomanlagen gesprochen worden. Sie hat nie stattgefunden, weil die damit verbundenen Risiken zu hoch sind. (Florian Rötzer)

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