Planetenjäger feiern Premiere in Down Under

Vom australischen Kontinent aus erstmals extrasolare Planeten entdeckt

Ein internationales Wissenschaftlerteam nutzte das 4 Meter Anglo-Australian Telescope (AAT), um nicht ganz so ferne Welten aufzuspüren. Bis zu 150 Lichtjahre schauten sie in die Vergangenheit - und fanden drei neue Planeten, die in punkto Größe und Orbit aber nichts Neues bieten. Nur einer ähnelt der Erde - zumindest was den Abstand zu seinem Heimatstern anbelangt.

Sind wir allein im Universum? Gibt es neben unserer Spezies irgendwo da draußen eine wie auch immer noch anders geartete intelligente Lebensform, die sich womöglich just in diesem Augenblick dieselbe Frage stellt? Oder existiert sogar in unserem Planetensystem, sozusagen direkt vor unserer Haustür, Leben in Gestalt von Mikroben?

Mag sein, dass noch viele Jahre durchs Land ziehen müssen, bevor diese Fragen wissenschaftlich fundiert beantwortet werden können. Eines ist jedoch jetzt schon sonnenklar. Seitdem Michel Mayor und Didier Queloz 1995 vom Genfer Observatorium bei dem Stern 51 Pegasi den ersten Planeten einer noch nicht erloschenen Sonne entdeckten, wurde mit einem Mal das zur Gewissheit, was zuvor nur Spekulation gewesen war. Was einige Astronomen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen vor nicht allzu langer Zeit noch vehement bestritten, haben "Planetenjäger", hierunter auch Bioastronomen (oder auch Astro- bzw. Exobiologen), im Zuge akribischer Forschung nachgewiesen. Gegenwärtig zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, der unter anderem auch dazu geführt hat, dass ein wichtiger Faktor der kontroversen, in SETI-Kreisen aber legendären Drake-Formel (Green-Bank-Gleichung) derzeit regelrecht salonfähig geworden ist: Extrasolare Planeten sind, wie es Frank Drake seit 1960 postuliert, im Universum die Regel und keine "Eintagsfliegen".

Sage und schreibe 64 Planeten, die außerhalb unseres Sonnensystems ihr Dasein fristen, haben die emsigen Planetendetektive bis vor zwei Tagen ausfindig gemacht. Und jetzt kommen noch drei weitere hinzu.

Wie letzte Woche vermeldet wurde, haben britische und amerikanische Astronomen rund um die weltweit führenden Planetenjäger Geoffrey Marcy, Paul Butler und Michel Mayor in Down Under mit dem Anglo-Australian Telescope (AAT) drei neue extrasolare Planeten entdeckt, die sich allesamt im Hinterhof unseres Sonnensystems befinden: Sie sind gerade mal bis zu 150 Lichtjahre entfernt. Bei dem kleinsten detektierten Planeten handelt es sich wieder einmal um einen feurigen Gasplaneten, der zu den so genannten "heißen Jupitern" gezählt wird. Seine Masse ist zwar nur etwas geringer als jene, die Jupiter aufweist (84 Prozent seiner Masse); dafür "rast" dieser jedoch regelrecht um seinen Heimatstern (den Stern HD 179949 im Sternbild Schütze). Wofür die Erde ein Jahr braucht, benötigt der Planet, der im Vergleich zum Merkur noch näher um seine Sonne kreist, nur drei Erdtage.

Etwas massiger kommt der zweite aufgespürte Exoplanet daher. Ausgestattet mit der 1,86fachen Jupitermasse, ungefähr so weit von seinem Mutterstern Mu Ara im Sternbild Altar entfernt, wie der 'Mars' von der Sonne, umrundet dieser seine "Sonne" in 743 Tagen.

Erdähnlicher hingegen präsentiert sich der dritte von den Forschern geortete Planet. Auf ihm dauert ein Erdjahr zirka 426 Erdtage und seine Distanz zur Muttersonne Epsilon Reticulum entspricht der von Erde-Sonne. Wäre da nicht der kleine Schönheitsfehler, dass er eine ähnlich große Masse wie Jupiter aufweist und von daher ein Gaskugel sein muss, würde dieser Planet ein erster echter Kandidat für Leben sein, da er sich in der sogenannten Ökosphäre, jenem Bereich eines Sonnensystems, in dem die Voraussetzungen für die Entstehung von Leben gegeben sind (so wie wir es kennen), befindet. Nur in einer solchen Entfernung kann Wasser - die Grundvoraussetzung allen Lebens - in einem flüssigen Zustand existieren.

Möglicherweise jedoch könnten sich um diesen Planeten kleinere Monde drehen, die gerade die richtige Größe besitzen, um Leben hervorzubringen. Allerdings lassen sich derartige Gebilde mit den heutigen Meßmethoden noch nicht orten:

Es wird ungefähr noch fünf Jahre dauern, bis wir die ersten vorsichtigen Schätzungen über die wahre Anzahl aller Planeten da draußen abgeben können,

glaubt Dr. Paul Butler.

Seit 1998 haben die Wissenschaftler mit dem Anglo-Australian Telescope über 200 Sterne des südlichen Sternenhimmels nach Anzeichen von Planeten abgesucht. Und mit Sicherheit werden nach den ersten Funden bald weitere folgen: "In drei Jahren kann man nur die Planeten mit kurzen Umlaufzeiten entdecken", erläutert der Teamleiter des AAT-Projekts Dr. Chris Tinney. "Um auch die zu finden, die einen längeren Orbit haben, muss man länger beobachten."

Da alle bisher bestätigten Exoplaneten sich allesamt in der Größenklasse von Jupiter bewegen, demnach also extrem heiße und lebensfeindliche Gaskugeln sind, scheiden sie leider vorerst als potentielle Lebensträger aus. Aber ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste wirklich erdähnliche Planet den Planetenjägern ins Fangnetz geht. Denn die ohnehin hochsensiblen Beobachtungsinstrumente werden immer feinfühliger. Dies führt dazu, dass das verräterische Taumeln der Sterne, das die Planeten durch ihre Gravitation verursachen, sich noch präziser vermessen lässt. Auch kleinere Planeten werden demnächst "sichtbar".

Der Katalog der neuentdeckten Sterntrabanten, der aufgrund der Erfolgsquote der Planetenjäger ständig aktualisiert werden muss, ist jetzt summa summarum auf 67 bestätigte Planeten gestiegen. (Harald Zaun)

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