Plötzlich Asylbewerber im Dorf

Pfaffenweiler im Schneckental - Impression vom Schneckenfest. Alle Fotos: Christoph Jehle

Was macht eine kleine Gemeinde in Südbaden, der unerwartet Afrikaner zugeteilt werden?

Pfaffenweiler ist ein 2.500-Einwohner-Dorf südlich der Universitätsstadt Freiburg. Es liegt in der Vorbergzone des Schwarzwaldes - im sogenannten Schneckental. Umgeben von den Weinbergen des Batzen- und des Dürrenberges wurde Pfaffenweiler als Weinbaugemeinde am Nordrand des Markgräflerlandes regional bekannt.

Überregionale Anziehungskraft hat das im September stattfindende Schneckenfest, bei dem es neben den namensgebenden Schnecken auch allerlei andere kulinarische Spezialitäten gibt und für das praktisch das gesamte Dorf auf den Beinen ist.

Über die örtlichen Vereine organisiert und durchgeführt, lockt das Fest nicht nur Besucher aus der näheren Umgebung: So kam beispielsweise in diesem Jahr eine Delegation aus der Partnerstadt Jasper im Süden Indianas nach Pfaffenweiler. Um 1850 waren zahlreiche Bewohner Pfaffenweilers nach Nordamerika ausgewandert und hatten sich in der Gemeinde Jasper niedergelassen. Migration ist somit seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Thema in dem kleinen Winzerort.

Weinhaus

Dennoch war man durchaus verblüfft, als der Gemeinde 2013 ein Asylbewerber aus Gambia zugeteilt wurde. Das kleine westafrikanische Land am Gambia-Fluss wird auf der Landseite vollständig vom Nachbarland Senegal umgeben. Mit seinen 11.295 Quadratkilometern Landesfläche ist der 1,7-Millionen-Einwohner-Staat das kleinste Land auf dem afrikanischen Festland.

Aus der britischen Kolonialzeit hat sich das Englische als offizielle Amtssprache bis heute erhalten. Daneben gibt es etwa 20 unterschiedliche einheimische Sprachen der unterschiedlichen in Gambia vertretenen Ethnien. Mit knapp 40 Prozent stellen die Mandingo den größten Anteil der Landesbevölkerung. Weltweit bekannt wurde dieses Volk durch Kunta Kinte aus dem Roman Roots von Alex Haley.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, der Rest meist Christen unterschiedlicher Konfessionen. Im Land herrscht Religionsfreiheit und religiöse Konflikte sind bislang nicht bekannt. Gambia galt in der Vergangenheit als Einwanderungsland mit Zustrom aus Guinea, Guinea-Bissau und Ghana. Das Gesundheitswesen ist für afrikanische Verhältnisse vorbildlich und die Ende der 1990er-Jahre gegründete Gambische Universität ermöglicht eine Ärzteausbildung im Lande.

Mit einem Anteil von fast 40 Prozent ist China der Hauptexportpartner Gambias. Auf der Importseite dominiert die EU mit etwa 60 Prozent. Die Mehrheit der Gambier arbeitet in der Landwirtschaft. Wichtigstes Anbauprodukt ist die Erdnuss.Die Wirtschaft des Landes ist jedoch wenig entwickelt, weshalb Gambia zu den ärmsten Ländern der Welt zählt.

In der Vergangenheit war Gambia politisch stabil. Aktuelle militärischen Auseinandersetzungen gibt es nicht. Asylbwerber aus Gambia berufen sich deshalb meist auf die Politik des gambischen Präsidenten Yahya Jammeh, der 1994 mit einem Putsch aufgrund ausgebliebener Soldzahlungen an die Macht kam und dem Hexenjagden vorgeworfen werden (vgl. Automatische Kritikbremse).

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