Polen: Weitgehende Abriegelung des öffentlichen Lebens

Premierminister Mateusz Morawiecki. Bild: KPRM/CC0

Die polnische Regierung hat sich aufgrund der Covid-19-Pandemie zu einer umfassenden Abriegelung des öffentlichen Lebens entschlossen

"Wir sollten jede Ansammlung vermeiden", sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki vor der Presse am Mittwoch, "dazu gehören auch Bildungseinrichtungen."

Die polnische Regierung hat sich aufgrund der Covid-19 Virus zu einer umfassenden Abriegelung des öffentlichen Lebens entschlossen. Ab heute sind landesweit sämtliche Schulen, Kindergärten und Universitäten des Landes für zwei Wochen geschlossen . Betroffen sind auch Kinos, Theater, Museen und andere öffentliche Einrichtungen. Allein die Kirchen bleiben in dem fast ausschließlich katholischen Land weiterhin geöffnet. Wenn auch das Episkopat den älteren Menschen empfiehlt, die Messe via Fernsehen zu verfolgen.

"Es ist Zeit für die Quarantäne unserer Gesellschaft", meinte Gesundheitsminister Lukasz Szumowski mit finsterer Miene und riet den Eleven folgsam zu Hause zu bleiben und gar nicht erst daran zu den denken, es seien etwa Ferien. Man wolle Verhältnisse wie in Italien vermeiden.

Lange war das Land vom Virus offiziell verschont worden, erst in der vergangenen Woche gab es den ersten Fall - ein 66-jähriger Besucher des Karnevals in Heinsberg, dem deutschen Hotspot der Infektion, kam mit Beschwerden nach Zielona Gora (Grünberg) zurück.

Nach Stand vom Donnerstag gibt es in Polen derzeit 47 Menschen, die vom Covid-19 Virus infiziert sind, darunter eine spanische Mitarbeiterin der EU-Agentur Frontex, die ihren Sitz in Warschau hat und darum ebenfalls geräumt werden musste. Knapp 1000 Personen seien nach Medienberichten in Quarantäne.

Der polnische Gesundheitsminister versicherte der Öffentlichkeit, dass das Land auf die Herausforderung vorbereitet sei, so gebe es 10.000 Beatmungsgeräte, dies reiche aus. Personen, bei denen das Virus zu starken Gesundheitsbeschwerden führt, leiden oft unter eine Lungenentzündung, gegen die die Beatmungsgeräte notwendig sind. Mehrere Krankenhäuser in Polen melden bereits jedoch schon jetzt, dass ihnen Desinfektionsmittel, Masken sowie Schutzkleidung fehle.

Die Oppositionspartei "Bürgerplattform" PO kritisierte die Regierung dafür, dass unklar sei, wie viele Tests für das Virus vorhanden seien und wo diese verfügbar wären. Gerade einmal 2000 Personen wurden bislang in Polen getestet. Somit erkläre sich auch die geringe Anzahl Infizierter.

Der plötzliche Ausfall der Bildungseinrichtungen stellt die polnischen Eltern vor große Herausforderungen. Denn 65 Prozent der Polinnen im arbeitsfähigen Alter sind auch berufstätig. Noch am Donnerstag und Freitag können die Kinder vorübergehend zur Aufsicht in Schulen und Kindergärten abgegeben werden, bis dahin müssen die berufstätigen Eltern eine Lösung gefunden haben. Eltern von Kindern unter acht Jahren bekommen eine finanzielle Unterstützung, wenn sie zu Hause bleiben.

Viele Berufstätige werden jedoch auf die eigenen Eltern zum Kinderhüten zurückgreifen, vor allem auf dem Land. Diese Altersgruppe gilt als besonders gefährdet. (Jens Mattern)