Portugal führt wieder nächtliche Ausgangssperren ein

Auch in Spanien steigt die Zahl der Neuinfektionen wegen der Verbreitung der Delta-Variante wieder stark

Die sich zuspitzende Coronavirus-Lage in Portugal hat nun dazu geführt, dass das Land für fast die Hälfte der Bewohner wieder nächtliche Ausgangssperren einführt. Die Bewohner der Hauptstadt Lissabon und 44 weiterer Kommunen sollen ab dem heutigen Freitag ab 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr am nächsten Morgen wieder zu Hause zu bleiben, weil die 14-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern in ihren Städten zwischen 120 und 240 liegt.

Das hat die Regierung am Donnerstag beschlossen. Die Lage sei derzeit nicht unter Kontrolle, erklärte die Regierungssprecherin Mariana Vieira da Silva. Regierungschef Antonío Costa konnte das nicht selbst verkünden, da er sich - trotz Impfung - wegen einer Ansteckung in Quarantäne befindet.

Das Gesundheitsministerium in Lissabon hatte am Donnerstag 2.449 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet, die Mehrzahl (54 Prozent) noch immer in Hauptstadtregion (AML). Das ist die höchste Zahl seit dem 13. Februar, als man sich durch einen harten Lockdown aus der fatalen Lage, weltweiter Hotspot zu sein, herauskämpfte.

So weit soll es in Portugal nicht wieder kommen. Vieira da Silva erklärte, mit den Ausgangssperren sollten "Treffen und Partys von Jugendlichen auf den Straßen bis in die frühen Morgenstunden" vermieden werden. Man wolle damit weitere Zeit gewinnen, um die Impfkampagne voranzutreiben.

Die gute Nachricht ist, dass trotz hoher Infektionszahlen am Donnerstag nur fünf Todesfälle verzeichnet wurden. Am 13. Februar waren es dagegen 149. Derzeit befinden sich 509 Menschen wegen Covid im Krankenhaus, 113 davon auf Intensivstationen.

Eingetroffen ist, was Experten befürchtet hatten. Da bei der Delta-Variante das Risiko einer Ansteckung "viel höher" sei, hielt das Mitglied des Krisenstabs António Diniz es vor zwei Wochen für praktisch "unvermeidlich", dass die Situation in Lissabon auf den Rest des Landes "ausstrahlt". In der Hauptstadt und ihrer Umgebung war zunächst die große Mehrzahl der Infektionen registriert worden.

Als Reaktion darauf durften die Bewohner der Hauptstadtregion diese an Wochenenden nicht mehr verlassen. Waren schon bisher die Öffnungszeiten der Restaurants und die zugelassene Gästezahl in Lissabon, Sesimbra und Albufeira eingeschränkt, wurde dies nun auf weitere 16 Städte ausgeweitet.

Eine weitere gute Nachricht für Portugal ist, dass das Ferienziel vieler Deutscher vermutlich nicht mehr lange von der Bundesregierung als Virusvariantengebiet eingestuft wird. Das hatte am vergangenen Wochenende dazu geführt, dass deutsche Touristen das Land fluchtartig verlassen haben, um eine anschließende Quarantäne von 14 Tagen zu umgehen.

Eine Neubewertung, die einen Urlaub in Portugal wieder leichter machen könnte, wird erwartet. Denn auch Deutschland nähert sich bei der Verbreitung der Delta-Variante immer mehr den Verhältnissen von Portugal an.

Spanien:

In Spanien verhageln stark steigende Zahlen von Neuinfektionen ebenfalls den Urlaubssommer. Das Gesundheitsministerium in Madrid hat zuletzt 12.345 Neuinfektionen gemeldet. Das sind praktisch genauso viele wie in Portugal, setzt man die Zahl ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Die Kurve der 14-Tage Inzidenz ist am Donnerstag so stark wie zuletzt im Januar gestiegen. Die Inzidenz liegt nun bei 134 pro 100.000 Einwohner.

Vor zwei Wochen lag die Marke noch unter 100. Die Zeiten sind vorbei. Masseninfektionen auf den Urlaubsinseln wie Mallorca, Ibiza und Menorca spielen dabei eine deutliche Rolle. Die Zahl der Corona-Toten war am Donnerstag mit sieben aber noch vergleichsweise niedrig. Mit 2.357 Corona-Patienten in Krankenhäusern, davon 584 auf Intensivstationen, weist Spanien im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ebenfalls schon ähnliche Werte wie Portugal auf.

Wegen einer relativ hohen Impfquote verlaufen die Infektionen nun meist glimpflich. 18 Millionen Einwohner (knapp 38 %), darunter auch der Autor dieser Zeilen, sind nun vollständig geimpft. Fast 26 Millionen (etwa 54 %) haben die erste Dosis erhalten. Besonders schlecht steht bei den Impfungen Madrid da. Die recht-ultrarechte Regionalregierung hat es bisher nicht geschafft, 800.000 Impfdosen zu verimpfen, die auf Lager liegen.

Derzeit steigen Neuansteckungen aber vor allem unter jungen Menschen stark an, die noch nicht geimpft sind, berichtet eldiario.es. Die Inzidenz bei 12-29-Jährigen ist dreimal so hoch wie der Durchschnitt. In allen anderen Altersgruppen gehen die Inzidenzen zurück. Endlich ist das Gesundheitsministerium den Forderungen nachgekommen, die Neuinfektionen nach Altersgruppen aufzuschlüsseln. (Ralf Streck)