Portugal soll angeblich Venezuela sabotiert haben

Bild: Guido Gerding/CC-BY-SA-3.0

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro wirft Portugal vor, die Lieferung von Schweinekeulen zu "sabotieren", dabei hat das Land schlicht seine Rechnungen nicht bezahlt

"Ein Land konkret sabotiert uns: Portugal", hatte Nicolás Maduro in einer Fernsehansprache erklärt, da es zu Protesten in Venezuela gekommen ist. Etliche Bewohner hatten auch mit Straßenblockaden von der Regierung gefordert, ihre Versprechen einzuhalten, die Familien an Weihnachten mit Schweinekeulen zu versorgen. "Wir haben alle Schweinekeulen in Venezuela angekauft, doch wir mussten zusätzlich importieren, um das Angebot zu ergänzen und der Ankauf der Fleisches wurde sabotiert", erklärte der Präsident Venezuelas.

Da Maduro eigene Fehler und Fehlplanungen nicht zugeben kann, behauptet er, dass die portugiesische Regierung hinter dem Vorgang stehe, dabei wurde lange die gute Zusammenarbeit mit der Linksregierung gefeiert. "Ich habe einen Plan erstellt und wir haben ihn erfüllt", meinte Maduro. "Riesige Schiffe", die das Fleisch liefern sollten, und auch "Bankkonten" seien "sabotiert" worden". Ob die Schiffe jemals in See gestochen sind, ließ er offen und drohte sogar, "Rechnungen zu begleichen". Eigentlich sollte das Fleisch, ohne das Weihnachten in Venezuela nur schwer vorstellbar ist, über die lokalen Komitees im Rahmen der Lebensmittelhilfe an sechs Millionen Familien verteilt werden.

Die Regierung in Lissabon wies die Anschuldigungen zurück. Portugals Minister für den Außenhandel Augusto Santos Silva erklärte: "Die portugiesische Regierung hat mit Sicherheit nicht die Macht, die Fleischlieferungen zu sabotieren." Das Land sei eine Marktwirtschaft und die Regierung mische sich in deren Geschäfte nicht ein: "Allein die Unternehmen sind für den Export verantwortlich", ergänzte der Minister.

Die Behauptungen sind falsch, dass der Hintergrund der fehlenden Lieferung "die europäischen Sanktionen gegen Venezuela" gewesen sein sollen, wurde inzwischen geklärt. Tatsächlich wurden nie Schweinekeulen in Portugal in irgendwelche Schiffe verladen.

Das hat einen so einfachen wie nachvollziehbaren Grund, wie die Firma Raporal deutlich gemacht hat. Raporal wisse nichts von irgendeiner Sabotage. Die Firma wies aber darauf hin, dass in diesem Jahr keine Bestellung bearbeitet worden sei. Venezuela sei seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen und schulde portugiesischen Firmen noch 40 Millionen Euro für Lieferungen aus dem vergangenen Jahr.

Raporal erklärte, dass Venezuela 2016 insgesamt 14.000 Tonnen Schweinefleisch bei verschiedenen portugiesischen Firmen für insgesamt 63.5 Millionen Euro bestellt hat, darunter auch bei Raporal. Davon seien aber nur 23.5 Millionen bezahlt worden. Gegenüber Raporal habe Venezuela noch Schulden in Höhe von fast sieben Millionen Euro. Die Firma hat sich auch schon beim Botschafter Venezuelas beschwert und die Zusage erhalten, dass die Schulden bis März 2018 beglichen werden sollen.

Es ist klar, dass Maduro wieder einmal nur versucht, mit Verschwörungstheorien von der eigenen Misswirtschaft abzulenken, die das Land kollabieren lässt. Dabei steigen auch die Einnahmen des eigentlich reichen Öllandes wegen der höheren Ölpreise wieder, weshalb sich Raporal sogar darauf geringe Hoffnungen machen kann, die Lieferung aus dem Vorjahr noch bezahlt zu bekommen. Man muss sich aber die Frage stellen, warum ein Land wie Venezuela, dass zehn Mal so groß wie Portugal ist, aber mit 30 Millionen Einwohnern nur drei Mal so viele Einwohner wie das kleine Land am westlichen Rand Europas hat, sich nicht selbst mit Schweinefleisch versorgen kann. Schweinezucht ist wahrlich keine Hochtechnologie, für die man auf Technologie oder Wissen aus dem Ausland angewiesen wäre. (Ralf Streck)