Postfaktisches Zeitalter - Darauf einen Bommerlunder

Die neuen politischen "Abfänger" sind das Spiegelbild der herrschenden Eliten

Ob Donald Trump, Marie Le Pen, Geert Wilders oder wie diejenigen auch heißen, die versuchen, von den real vorhandenen politischen Missständen zu profitieren: Die neuen politischen "Abfänger" sind nur das Spiegelbild einer Politik und einer Berichterstattung, die seit langem das Wohl der Eliten weit über das Wohl der breiten Bevölkerung gestellt hat.

Der politische Boden, auf dem Trump und Co. sich bewegen, existiert nur, weil er von jenen, die nun das postfaktische Zeitalter ausgerufen haben, handverlegt wurde. Der Ton der Radikalen, der gerade dabei ist, wieder salonfähig zu werden, kann sich nur deshalb seinen Weg bahnen, weil er paradoxerweise durch jene Megaphone verstärkt wird, die die vorherrschende Politik bereitstellt.

Die neuen Verführer gedeihen und werden stärker, weil diejenigen, die angeblich gegen sie kämpfen, sie mit jedem unlauteren Schachzug weiter aufbauen. Denn: Ein großer Teil der Bürger, das darf man durchaus annehmen, ist gerade nicht faktenresistent. Sie sind nicht so dumm, wie es "die Oberen" gerne hätten. Viele Bürger durchschauen die billigen Umwerbungsversuche der etablierten Parteien und verstehen, dass die Diskreditierung des politischen Gegners und derjenigen, die mit ihnen sympathisieren, letztlich nur dem eigenen Machterhalt dienen. Und dann wird so mancher Bürger bockig und sagt sich: Jetzt erst recht weg von der Mitte!

Und dann freuen sich die Radikalen. Und dann sehen die etablierten Parteien, wie ihnen immer mehr Wähler davon laufen. Und dann reagieren sie noch gereizter, fangen an, das "Wahlvolk" zu beschimpfen. Und dann schließen die großen Medien, die sich oft genug in einer ideologischen Komplizenschaft mit den Mächtigen befinden, die Reihen und feuern kollektiv wahlweise auf die "Wutbürger", die "besorgten Bürger" oder auf die, die sich "nicht abgeholt fühlen". Und dann übernehmen die Alphajournalisten geradezu mit Dank die Wahrnehmungskategorien, von denen die politisch Verantwortlichen möchten, dass sie unter die Bürger getragen werden.

Das Problem nur: Die Bürger klopfen die an sie herangetragenen Wahrnehmungskategorien in die nächste Tonne und werden noch "bockiger". Und dann wird die Empörung über die "unmöglichen Bürger" von Politik und Medien noch lauter.

Der Punkt sollte klar werden: Wäre alles nicht so traurig und die Situation nicht brandgefährlich, müsste man laut darüber lachen. Ein Kindergarten ist im Vergleich zu einer Politik, die vom Postfaktischen, von christlichen "Blockflöten" und Schneeflöckchen, Weißröckchen faselt, ein regelrechter Hort rationalen Denkens.

Aber man soll den Humor bekanntlich nicht verlieren. Vielleicht empfiehlt es sich beim nächsten Mal, wenn wieder über das postfaktische Zeitalter gesprochen wird, einfach nur zu sagen: Darauf dann einen Bommerlunder! (Marcus Klöckner)

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