Primat des Optimismus

Bild: © Twentieth Century Fox

Ape-ocalypse Now: Matt Reeves "Planet der Affen 3: Survival" ist ein Western über die Grenzen des Menschlichen

"Du bist solch ein Pessimist!" - "Oder ein Prophet…"

(aus: "Die Schlacht um den Planet der Affen", 1973)

Menschen gegen Menschenaffen - in den ersten Minuten, als ein Platoon amerikanischer Soldaten schwerbewaffnet und so gut getarnt wie möglich durch einen modrigen Wald schleicht, vermutet man sich in einen Vietnam-Film versetzt. Man fühlt die Anspannung der Männer, die in das unübersichtliche Gelände eindringen, wo von überall her Gefahr droht. Aber schnell ist klar, dass es sich eigentlich um einen Indianer-Western handelt. Die Gegner der Amerikaner sind nicht andere Menschen, sondern eine fremde Wesensform, die ausgerottet werden soll, weil man sich ihr grundsätzlich überlegen glaubt.

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Unmittelbar nach dem ersten gewaltsamen Zusammenstoß der Arten wechselt der Film die Seiten und hält fortan konsequent zu den Affen. Denn diese Menschenaffen ("We are not savages, Apes fight only to survive") wollen eigentlich nur in Frieden leben, sie ziehen sich im opferreichen Abwehrkampf immer neuer Schlachten zurück, immer tiefer in die Wälder, immer weiter nach Norden, immer wieder in Fallen gelockt von Verrätern, die wie einst die Indianerscouts des Western mit der Army gemeinsame Sache machen, und immer wieder aufgerichtet und angetrieben von ihrem hochintelligenten charismatischen Anführer Caesar.

Es ist schon, wenn man sie ernst nimmt, eine anspruchsvolle Denkübung, sich in eine Horde Tiere hineinzuversetzen, ihnen menschliche Züge anzudichten und dafür in den Menschen das Unmenschliche zu erkennen. Sie wird erleichtert durch die inzwischen nahezu perfekte CGI-Technik, die einen vergessen lässt, dass die Affen dieses Film Darsteller sind, deren Performance vor Greenscreen computergesteigert wurde.

Diese Denkübung macht seit jeher den Reiz der "Planet der Affen"-Filme aus - Darwins Evolutionstheorie trifft Binsenweisheit vom bösen Mensch und gutem Tier und den naheliegenden Kitsch der Menschenähnlichkeit von Affen.

Bild: © Twentieth Century Fox

Doch wenn in den Sechziger Jahren, als die ersten Filme der Reihe herauskamen, offene Analogien zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung und zum Rassismus der US-Gesellschaft gewollt waren und die Reihe sich im Verhältnis zu anderen Hollywood-Produkten "links" und "libertär" verortete, sind diese im Reboot seit 2011 eher unterspielt. Man könnte im "Anderen" der Affen außer auf unterdrückte Farbige sehr leicht auch auf den Status von Moslems in den Augen der westlichen Demokratien anspielen. Tatsächlich sind es hier aber eher historische Parallelen - eben zu Indianern oder zu Arbeitssklaven in den Lagern totalitärer Diktaturen.

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Denn der eigentliche Kern der Handlung des dritten Teils, "Planet der Affen 3: Survival" (im Original weitaus treffender "War"), bei dem Matt Reeves Regie führte und der auch ohne Kenntnis der ersten beiden Filme problemlos zu verstehen ist, ist Caesars Wunsch, den Tod seiner Frau und seines Sohnes zu rächen: Nachdem er seinen Affenstamm in vermeintlich sicheres Terrain geschickt hat, verfolgt er mit drei Begleitern die Spur der Mörder.

"Der Letzte der Mohikaner" wie "Apocalypse Now" lassen grüßen: Der von Andy Serkis in grandios-perfekter CGI-Maske als weiser, selbstloser Volksführer gespielte Caesar wirkt als eine Art Affen-Sitting-Bull. Der Kontrahent in diesem Spiel, ebenso ein General Custer wie ein Major Kurtz, ist der von Woody Harrelson etwas trashig verkörperte namenlose Colonel, der seine eigene messianisch-morbide Mission verfolgt, die erst mit der Zeit klar wird. Beide Feinde verbindet ihr Todestrieb.

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