Primat des Optimismus

"Human get sick. Ape get smart. Then human kill ape. But not me."

Irgendwann muss Caesar feststellen, dass dieser Colonel seinen kompletten Affenstamm gefangen und zu Arbeitssklaven gemacht hat. Doch zuvor sind seiner kleinen Gruppe auf ihrer Reise zwei Gefährten zugewachsen: "Bad Ape" (Steve Zahn), ein ehemaliger Zoo-Schimpanse, der fast haarlos und angsterfüllt in einer dunklen Behausung aufgefunden wird - ein fast niedlicher Affen-Gollum. Der erzählt die Geschichte der anderen Affen: "Human get sick. Ape get smart. Then human kill ape. But not me."

Und sie finden ein verlorenes stummes blondes Menschenmädchen (Amiah Miller). Anfangs verschüchtert und traumatisiert, wie jene Kinder, die im Hollywood-Western in die Hände der Indianer fielen, zunehmend Vertrauen und Mut fassend, wird sie zum poetischen Motor des ganzen Geschehens. Denn sie ist das einzige Wesen, das hier die Grenze zwischen Mensch und Affe überschreitet und im letzten Drittel des Films der Handlung eine entscheidende Wendung gibt. Wie zur Belohnung tauft Caesar sie irgendwann, und der Name den er ihr gibt, "Nova", signalisiert, das anhand dieser menschlichen Affenprinzessin ein neuer Handlungsstrang geknüpft werden könnte.

Bild: © Twentieth Century Fox

Novas auch moralischer Übertritt zur anderen Seite wird zur Initialzündung für den Aufstand der Wehrlosen gegen ein totalitäres Regime, gegen hassenswerte Autoritäten. Die Affen leben jene Tugenden vor, die die Menschen vergessen haben: Solidarität, Mitleid mit den Schwächsten, Mut und Konsequenz.

So entscheidet sich dieser Film nicht etwa zwischen Coopers Realismus und Conrads Pessimismus, sondern mündet in ein gerade für diese Franchise überraschenden Optimismus: Der Mensch entkommt sich doch noch. Das ist die eigentliche Geschichte hier: Dass das unschuldige Kind die Affen-Community wählt. Allerdings: Gegenüber einer brutalen und entmenschlichten Soldateska. Hier drückt sich der Film in gewisser Weise um das Problem. Besser, weil interessanter, wäre es gewesen, wenn der Film den Mut gehabt hätte, die Menschenwelt realistischer, also sympathischer zu zeichnen, und ihr dennoch die narzisstische Kränkung anzutun. Dass sie abgewählt wird. Abgewählt von einer Jugend, die im Wortsinn sprachlos ist.

Was ist die Frontier der Menschen, die Grenze, hinter der ihr Mensch-sein endet? Sprache oder Mitleid? Weil er immerhin solche Fragen stellt, sein Publikum erschüttert, irritiert und zu neuen Ufern führt, ist der dritte Teil von "Planet der Affen" der tiefsinnigste, berührendste unter den Blockbustern dieses Sommers.

Auch von der epischen Größe seiner Bilder her. Solche Filme müssen gemacht werden. Solche Filme brauchen das Kino. Nicht die vielen kleinen Laberkammerspiele, denn die funktionieren zur Not auch noch im Fernsehen. Wie die "Village Voice" zum Filmstart schrieb: "Forget the other franchises for now. This is the one that matters." (Rüdiger Suchsland)

Anzeige