Privatisierung nach Noten

Weltweite Konzentration der Agrarindustrie

Die Weltbank-Reformen begünstigen nicht die Mehrheit der Bauern, sie mehren vielmehr vorrangig die Gewinne einer kleinen Anzahl privater Konzerne. Denn gegenwärtig kontrollieren sieben multinationale Unternehmen mehr als 70% des weltweiten Saatgutgeschäfts. Diese Konzerne haben in den letzten Jahren ihre Anstrengungen verstärkt, um die Märkte der Entwicklungsländer unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Zum Beispiel in Afrika. Monsanto kaufte um die Jahrtausendwende mit Carnia und Sensako zwei der wichtigsten südafrikanischen Saatguthersteller auf und dominiert nun den Markt vor Ort. Dupont erwarb 2012 das südafrikanische Saatgut-Unternehmen Pannar. Syngenta gliederte 2013 mit dem Zambian Maize Research Institute eine der größten Mais-Keimplasma-Sammlungen Afrikas in den Unternehmensbesitz ein. Monsanto und der größte europäische Saatgutkonzern Limagrain übernahmen 2014 Anteile von SeedCo, einem der größten afrikanischen Saatgutunternehmen. Für Beobachter tragen diese Übernahmen Züge einer neokolonialen Besatzung.

Die Konzentration und weitere Konsolidierung des weltweiten Saatgut-Marktes hat einen großen Einfluss auf Preisgestaltung und Saatgut-Vielfalt, doch das EBA-Projekt geht die Probleme nicht an, die im Gefolge kommen.

Saatgut-Konzerne züchten vorrangig Nutzpflanzen, die durch massiven Anbau eine hohe Kapitalrendite ermöglichen - wie Mais, Soja und Baumwolle. Getreide mit "nur" regionaler Bedeutung, wie Hafer, Gerste oder Hirse bleiben auf der Strecke, ebenso wie Gemüsesorten oder Früchte. So bleiben den Bauern weniger Möglichkeiten, ihre Feldfrüchte zu diversifizieren. Das EBA-Projekt fördert außerdem die Erstellung von Sortenkatalogen, die zur Grundlage restriktiver Gesetze werden: Nur aufgelistete Sorten sind handelbar, nicht aufgelistete gelten als illegal.

New Rice for Africa: Roter Teppich für die Agrarindustrie

Neue Sorten werden als Lösung des Ernährungsproblems gepriesen, doch bringt ihre Einführung eine Reihe von Problemen mit sich. Sie dienen vor allem als Türöffner für die Agrarindustrie, die die örtlichen Kleinbauern und deren Saatgutsysteme in Bedrängnis bringt.

Ein Beispiel dafür ist Nerica. Das Kürzel steht für "New Rice for Africa". Obwohl allein in Westafrika die Ernährung von 240 Millionen Menschen von Reis abhängig ist, muss der größte Teil davon importiert werden. Die stark gestiegenen Nahrungsmittelpreise im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums wurden zum Problem. Die erhoffte Lösung: Nerica, eine Kreuzung von afrikanischem (Oryza glaberrima) und asiatischem Reis (Oryza sativa). Ziel ist die Anpassung der ertragreichen asiatischen Sorte an afrikanische Bedingungen. Nerica kam seit Mitte der 1990er Jahre auf die afrikanischen Felder. Erste Erfahrungen gingen von einer weiteren interessanten Sorte aus, doch starke Lobbygruppen waren ambitionierter und starteten einen regelrechten "Nerica-Kreuzzug".

Reisernte in der britischen Kronkolonie Sierra Leone, um 1940. Bild: Bernd Schröder

So waren es vor allem auswärtige Interessen und nicht die Nachfrage der örtlichen Bauern, die für die Verbreitung von Nerica sorgten. Die bisher gesammelten Erfahrungen zeigen, dass mit Nerica ein Saatgut-System installiert wurde, das vor allem die Bedürfnisse der Agrarindustrie bedient und die afrikanischen Kleinbauern in Netzwerke einspannt, die von den großen Unternehmen gelenkt werden. Die Ergebnisse auf den Feldern sind bisher meist hinter den gemachten Versprechen von ansehnlichen Erträgen, schneller Reife, Resistenz gegen Stressfaktoren und höherem Proteingehalt zurückgeblieben.

Anzeige