Projekt Sonniges und Grünes Internet

Prima! Chinas Regierung tut was gegen den Schmutz

Jeder kennt das. Man sucht im Internet nach ganz, ganz wichtigen Informationen und plötzlich landet man ungewollt auf Seiten mit ganz bösen oder ganz schmutzigen Inhalten („Huch, was ist das denn?“). Davon fühlt man sich natürlich belästigt („Nee, so ein Schweinkram!“), man ist vielleicht sogar etwas schockiert („Igitt! Was machen die denn da?“) und wird vor allem von diesem Schmutzkram von der eigentlichen Arbeit abgelenkt („Wie soll ich mich jetzt noch konzentrieren?“). - Das alles ist nicht neu, daher längst bekannt. Und dennoch tut keiner etwas dagegen. Schlimmer noch: unser Staat, der auch die seelische Befindlichkeit seiner Bürger eigentlich schützen sollte, scheint das Problem völlig zu ignorieren.

Aber nicht nur wir im Westen sind Opfer des virtuellen Schmutzes, sondern beispielsweise ist davon auch Li Feng betroffen, die in einem Pekinger Werbeunternehmen ihren Reis verdient. Täglich, verrät uns die chinesische Botschaft in Deutschland, verbringt die Frau mehr als fünf Stunden online. Ihr Leben, so sagt sie, sei bereits eng mit dem Internet verbunden. Allerdings sei das Internet-Surfen nicht immer eine Freude, gibt Li Feng zu: „Täglich verbringe ich viel Zeit im Internet. Dabei werde ich oft von schädlichen Informationen belästigt. Es gibt unzählig viele SPAM-Mails und Computerviren. All dies stört mich beim Internet-Surfen beträchtlich.“

Aber Li Feng hat Glück. Sie lebt in China, und die chinesische Regierung tut jetzt was gegen den virtuellen Schmutz und gegen die schädlichen Informationen. Damit die in China stark zunehmende Zahl der Internet-Surfer in Zukunft nicht mehr mit „schädlichen E-Mails, pornographischen oder anderen illegalen Informationen sowie Computer-Viren konfrontiert“ wird, hat das chinesische Ministerium für Informationsindustrie nämlich nun „eine neue Offensive zur Reinhaltung des Internet und Schaffung einer harmonischen Netzumwelt“ gestartet mit dem schönen Namen: „Lasst 1000 Blumen blühen“ – Nein, Quatsch! – also mit dem wunderbar poetischen Namen: „Projekt Sonniges und Grünes Internet“.

Was genau darunter zu verstehen ist, das verrät die hoffentlich stets gut besonnte Vizeleiterin des Amtes für Telekommunikationsverwaltung beim chinesischen Ministerium für Informations(verhinderungs)industrie, Wang Xiujun: „Ziel ist, das Internet sauber zu halten, eine vernünftige Internetanwendung für die Gesellschaft zu gewährleisten, schädlichen und illegale Informationen herauszufiltern und damit ein gesundes Aufwachsen der Jugendlichen zu garantieren.“

Saubere Idee! Die natürlich sauber umgesetzt wird: Damit also bald jeder Chinese nur noch auf sonnige und grüne Seiten im Netz stößt, sollen die Bürger schattige und graue Dinge im Netz bei einer kürzlich eingerichteten Denunziations... – Unsinn! – bei einer Hotline melden. Zusätzlich seien zahlreiche weitere Maßnahmen geplant, verspricht die Botschaft, „um eine einheitlich gesunde Entwicklung des Internets zu gewährleisten.“ Und dann kann auch endlich wieder Li Feng ganz beruhigt im Internet surfen. (Ernst Corinth)