Prominente zum Porno-Surfen missbraucht?

Jugendschutz-Provinzposse bringt Uschi Glas in die Schlagzeilen

Deutsche Porno-Webseiten sind augenscheinlich gefährlicher als die der restlichen Welt und müssen deshalb besonders gegen den unerlaubten Besuch Minderjähriger geschützt werden. Das reine Abfragen von Ausweisdaten gilt als unzureichend – denn man könnte sich ja einen fremden Ausweis ausborgen. Theoretisch. Dass dies in der Praxis nicht so einfach geht, musste nun die Berliner Polizei feststellen: Wegen – rein dienstlichen – Pornokonsums mithilfe eines fremden Ausweises soll sie nun vor Gericht antreten.

Es ist schon so eine Sache mit dem Online-Sex und dem Jugendschutz. Im Rest der Welt reicht die Frage „Sach mal, darfst Du solche Seiten überhaupt angucken?“ (Bist Du nach den Gesetzen Deines Landes volljährig Ja/Nein?), um auf Pornoseiten zu kommen. Zugegeben kein sehr sicheres Verfahren, doch das Interesse an Pornoseiten bei Minderjährigen ist gar nicht so groß, wie man immer denkt, und erlahmt im Allgemeinen völlig, wenn die böse Frage nach der Kreditkarte kommt. Da nimmt man doch lieber die ausgelesenen Magazine des großen Bruders oder der Kumpels aus der Oberstufe, die gibt’s umsonst und die kann man im Gegensatz zum Computer dann auch aufs Klo mitnehmen.

Aber der Deutsche ist nun einmal als besonders gründlich berühmt, also muss auch die Sache mit dem „Erwachsenen-Internet“ perfekt gelöst werden. Mit Geldkarte ("Rauchst Du noch oder surfst Du schon?") oder gar Gesichtskontrolle auf der Post (Sex im Netz? Bitte nur noch mit Verhüterli!) soll sichergestellt werden, dass der Biologieunterricht wirklich nur in der Schule stattfindet. Die Online-Ausweiskontrolle gilt deshalb als unsicher, weil der Filius sich von Papi ja nicht nur die schlecht versteckten Pornokassetten oder die bereits erwähnten Magazine, sondern auch den Ausweis borgen könnte. Und dann noch die Kreditkarte. Und dafür natürlich überhaupt nicht den Hintern voll bekäme, wenn Papi die Abbuchungen auf seinem Konto entdeckt oder seine Papiere vermisst und der Ursache nachgeht.

Polizist: “Ich habe mich auf Sexseiten als Uschi Glas ausgegeben“

Berliner Polizisten dachten nun, besonders schlau und öffentlichkeitswirksam vorzugehen, als sie die Unsicherheit eines solchen Ausweisabfragesystems dadurch nachwiesen, dass sie nicht etwa der netten Kollegin aus der Kantine den Ausweis mopsten – die hätte ihnen schön was erzählt – sondern einen Abdruck des deutschen Passes von Uschi Glas in einer schweizer Illustrierten. Und das auch noch stolz verkündeten.

Uschi Glas regt sich nun mächtig auf. Nein, nicht darüber, dass ihre Daten in der Illustrierten veröffentlicht wurden und so nun – wie bei einer öffentlich abgedruckten Kreditkarte – in ihrem Namen auch ganz andere Dinge geschehen könnten. Nein, dass ihr Konterfei nun ausgerechnet zum Besuch von Nackedei-Seiten durch die Berliner Polizisten herhalten musste, das ärgert sie. Von „widerlichen Sex-Seiten“ schreibt Bild, wobei unklar ist: Ist diese Wertung eine Aussage der betreffenden Polizisten, hat Uschi Glas die Neugier gepackt und sie hat die betreffenden Seiten persönlich nachkontrolliert oder haben gar die Bild-Redakteure Stiftung Sexseitentest gespielt?

Dass die Sexseiten überhaupt etwas vom vorgetäuschten Besuch der Schauspielerin mitbekommen haben, ist dagegen unwahrscheinlich: Es handelte sich ja nicht um die Kreditkartendaten, bezahlt haben die Polizisten schon selbst – hoffentlich. Die Ausweisdaten werden dagegen von den wenigsten Sexanbietern persönlich überprüft, dies machen externe Dienstleister und auch die lassen lediglich ein Skript laufen und speichern die Nummern nicht ab. Genau dies – die fehlende dauerhafte Erfassung der Erotiksurfer, die Anonymität des Online-Sex – ist ja einer der Punkte, der die Jugendschützer am Ausweisverfahren stört.

Wer mit fremden Daten surft, lebt gefährlich

20.000 Euro Schadensersatz will die 61jährige Schauspielerin nun jedenfalls von der Berliner Polizei, weil ihr Name durch die Undercover-Recherche in den Schmutz gezogen worden sei. Und tatsächlich: Auf die Kombination „Uschi Glas Porno“ finden sich bei Google zur Stunde bereits 50 aktuelle Nachrichten. Aber: Diese Schlagzeilen wurden gar nicht von der Berliner Polizei lanciert, sondern von Glas’ Anwalt Markus Roscher.

Böse Menschen könnten meinen, da wollte jemand nur unbedingt wieder in die Schlagzeilen kommen und eine Online-Sexaffäre macht sich da natürlich immer gut. Für den erst am 5. Juli angesetzten Prozess könnte sich dies durchaus als Eigentor erweisen. Aber eins ist jetzt jedenfalls klar: Nicht nur Kinder bekommen die Hucke voll, wenn sie mit Omas Ausweis auf Surftour gehen (Wolf-Dieter Roth)

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