Promisierung der Politik

Oprah Winfrey, als ihr der damalige Präsident Barack Obama 2013 die Presidential Medal of Freedom umhängt. Foto Weißes Haus

Die Fernsehmilliardärin Oprah Winfrey könnte 2020 gegen Donald Trump antreten

In der Antike führte der Weg nicht von der Unterhaltung in die Politik, sondern eher in die umgekehrte Richtung: Zum Beispiel bei Nero, der sich als großer Dichter präsentierte, oder bei Commodus, der in die Arena stieg. Heute steht an der Spitze der weltweit wichtigsten Macht ein Mann, den die Amerikaner lange vorher als Fernsehpromi kannten. Nun spekulieren US-Medien dass die Demokraten bei der nächsten Wahl 2020 als Alternative zu Trump keine etablierte Politikerin, sondern ebenfalls eine Fernsehprominente aufstellen könnten.

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Konkret im Gespräch ist die schwarze Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die die Spekulationen mit einer recht politisch gehaltenen Rede bei den Golden-Globe-Preisverleihungen selbst auslöste. Kandidiert sie, hätten etablierte demokratische Politiker (wie die von Trump wegen ihrer behaupteten indianischen Vorfahren als "Pocahontas" verspottete blonde und blauäugige Senatorin Elizabeth Warren) wahrscheinlich keine Chance. Dazu ist Oprah Winfrey zu beliebt - und das demokratische Establishment zu unbeliebt.

Aber auch die Parteielite der Demokraten könnte in Winfrey ihre einzige Chance gegen Trump sehen, wenn es mit der US-Wirtschaft weiter aufwärts geht und eine Steuerreform dafür sorgt, dass die meisten Amerikaner zumindest bis 2015 mehr in der Tasche haben (vgl. USA: Kongresskammern einigen sich auf Steuerreform).

Die Börse, an der die Altersversicherung vieler US-Bürger hängt, boomt - und die Arbeitslosenrate nähert sich mit 4,1 Prozent unter Berücksichtigung einer dreiprozentigen Fluktuationsarbeitslosigkeit der faktischen Vollbeschäftigung. Unter Schwarzen ist die Arbeitslosenrate inzwischen mit 6,8 Prozent zwar deutlich höher - aber gleichzeitig so niedrig wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit Beginn der Messung 1972.

Ökonomische Argumente, den Präsidenten auszutauschen, lassen sich in so einer Situation schwer finden und vertreten. Aber man kann einen Kandidaten finden, der auf mehr Wähler sympathischer wirkt als Trump. Dass Winfrey sehr populär ist, räumte der jetzige Präsident vor 19 Jahren selbst ein, als er dem Fernsehmoderator Larry King offenbarte, er hätte die Afro-Amerikanerin gerne als seine Vizepräsidentschaftskandidaten der Reform Party, für die er damals bei den Vorwahlen antrat (vgl. Proto-Trump). Ein Hinweis darauf, dass sich die Politik der beiden vielleicht gar nicht so sehr unterscheiden würde.

Ein anderer Republikaner, der bekannte Neocon und Trump-Gegner Bill Kristol twitterte, er sei unter anderem deshalb für Winfrey, weil sie mehr Geld habe als Trump. Das dürfte zwar vor allem eine Spitze gegen Trump gewesen sein, der sein Vermögen selbst gerne größer einschätzt als andere (vgl. Trump will über zehn Milliarden Dollar schwer sein) - aber Winfrey verfügt nach einem guten Vierteljahrhundert Fernsehkarriere tatsächlich über ein eigenes Medienimperium, mit dem sie einer Forbes-Schätzung nach knapp drei Milliarden US-Dollar angehäuft haben könnte.

Um in Vorwahlen gewählt zu werden, muss Oprah Winfrey aber erst erklären, dass sie antritt - was sie im Juni noch verneinte. Inzwischen verlautbarten von CNN befragte Personen aus ihrem persönlichen Umfeld aber, sie überdenke diese damals geäußerte Entscheidung. Die Los Angeles Times will von Winfreys Lebensgefährten Stedman Graham sogar erfahren haben, dass sie es "absolut machen würde".

Macht sie es nicht, gibt es eine ganze Reihe anderer Prominenter, die ebenfalls als potenzielle Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gehandelt werden - darunter der Schauspieler Tom Hanks, der ehemalige Starbucks-CEO Howard Schultz und der Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson. (Peter Mühlbauer)

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