Prost (Blut)mahlzeit!

Die Anopheles-Mücke erkennt ihre Opfer am Schweiß

Überträger von Malaria ist das Weibchen der Stechmückengattung Anopheles. Schon seit längerem ist bekannt, dass diese ihre Opfer anhand von Gerüchen lokalisieren. Unbekannt war jedoch, welche molekularen Mechanismen dabei zum Tragen kommen. In der aktuellen Ausgabe von Nature berichtet ein US-Forscherteam, dass es ihm gelungen ist, bei den Moskito-Weibchen den Geruchsrezeptor zu identifizieren, der auf einen bestimmten Bestandteil des menschlichen Schweißes reagiert. Dieses Ergebnis eröffnet neue Möglichkeiten für die Bekämpfung der gefürchteten Stechinsekten.

Foto: CDC und Jim Gathany

Als die Wissenschaftler John Carlson und Elissa Hallem von der Abteilung für Molekular-, Zell- und Entwicklungsbiologie der Yale University in New Haven mit ihren Versuchen begannen, hatten sie bereits ein Gen im Visier, das für die Riechfähigkeiten der Anopheles-Mücke (Anopheles gambiae) zuständig ist. Sie verpflanzten dieses Gen in isolierte Nervenzellen der Fruchtfliege Drosophila und brachte diese dazu, das Protein AgOr1, zu produzieren, einen ebenfalls bekannten Geruchsrezeptor von Anopheles gambiae. Als die Biologen anschließend verschiedene Schweißkomponenten testeten, stellten sie fest, dass die Nervenzellen ganz besonders stark auf die Substanz 4-Methylphenol reagierten, einem Bestandteil des menschlichen Schweißes.

Dass der Geruchsrezeptor den Insekten tatsächlich hilft, menschliche Opfer aufzufinden, erwiesen Experimente, bei denen die Schweißkomponente 4-Methylphenol bei intakten Moskitofühlern ein elektrisches Signal auslöste. Auch die Tatsache, dass nur weibliche Moskitos über den Rezeptor AgOr1 verfügen und dieser nach einer "Blutmahlzeit" nicht mehr produziert wird, spricht für die These der Forscher.

Besonders glücklich sind die Wissenschaftler natürlich auch, in der Fruchtfliege ein In-vivo-Modell zur Erforschung der Geruchsrezeptoren gefunden zu haben. Die Entdeckung von John Carlson und Elissa Hallem könnte schon bald Früchte tragen: Die Biologen schlagen vor, nach Substanzen zu suchen, die den Rezeptor AgOr1 entweder aktivieren oder unterdrücken. Diese könnten dann entweder zur Entwicklung neuartiger Moskito-Fallen oder neuer Schutzmittel eingesetzt werden.

Die Malaria ist die häufigste Tropenkrankheit, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich rund eine Million Todesopfer fordert, mindestens 300 Millionen Menschen erkranken daran. (Katja Seefeldt)

Anzeige