Pulverfass Syrien

Bild: Sputnik/Alexey Filippov

Hinter dem Konflikt zwischen USA und Syrien/Russland zündeln die Türkei sowie Iran und Israel

Im Vordergrund steht aktuell eine mögliche militärische Konfrontation zwischen den USA, verstärkt durch Frankreich und vielleicht Großbritannien, mit Syrien und damit auch mit Russland und Iran. Russland warnt vor einem Militärschlag auf Syrien. Hinter dem großen Konflikt stehen die kleineren zwischen den lokalen Proxy-Armeen und -Milizen. Dazu kommt der sich wieder verstärkende Konflikt zwischen Israel und Iran, ausgelöst durch den Angriff auf den Militärflughafen bei Palmyra, wo der Iran einen Stützpunkt hat.

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Dazwischen agiert die türkische Regierung, die auf eine Reaktion gegen das Assad-Regime drängt - die Verantwortlichen sollen einen "hohen Preis" zahlen - und gleichzeitig mit und gegen Russland und den USA agiert. Mit Russland werden die Kämpfer von Jaish al-Islam und deren Familien aus Douma umgesiedelt in die durch die Operation Schutzschild Euphrat eroberten Gebiete um Dscharablus und al-Bab, während man sich der Forderung von Moskau entgegenstellt, Afrin der syrischen Regierung zu übergeben.

Ankara zieht mit den USA mit, wenn es gegen Assad geht, aber droht weiterhin, gegen die Kurden in Manbij und im gesamten Rojava vorzurücken, wo US-Truppen, aber auch französische Soldaten sich befinden. Vorgeworfen wird der Türkei von kurdischer Seite, jetzt das Wasser des Euphrat umzuleiten, so dass die Wasserversorgung in Tabqa und Raqqa schwierig wird, die Bewässerung der Felder nicht mehr möglich ist und durch den Wassermangel auch die Stromerzeugung zusammenbricht. Bislang war die Politik der Türkei am gefährlichsten, weil das Nato-Mitglied und der Russland-Verbündete hinter der Machtpolitik der Großen irrlichternd eigene geopolitische Interessen verfolgt, die schnell zu explosiven Konflikten führen können.

Mit dem Angriff auf den T-4-Flugplatz, der von israelischen Kampfflugzeugen aus dem libanesischen Luftraum ausgeführt worden sein soll und bei dem mehrere iranische Militärs getötet wurden, wollte die israelische Regierung Damaskus und Iran demonstrieren, dass eine rote Linie überschritten wurde. Die israelischen Streitkräfte und die Regierung haben den Angriff nicht bestätigt, berichtete der israelische Fernsehsender 10, dass der Angriff dem Aufbau eines iranischen Luftwaffenstützpunkts galt und der bislang wichtigste gewesen sein soll.

Aus dem Iran kamen erwartungsgemäß Stimmen, die einen Gegenanschlag androhten. Der Verteidigungsminister und Brigadegeneral Amir Hatami sagte, man werde eine vernichtende Antwort auf jede falsche Aktion geben. Es ist das übliche Spielenlassen der militärischen Muskeln.

Es geht bei Krieg und Frieden zwischen Staaten leider nicht viel anders zu als bei den Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden, wo es auch immer um "Ehre" oder "Demütigung" geht. Die israelische Regierung ließ nicht lange auf sich warten und drohte, dass "jede iranische Reaktion mit einer harten israelischen Antwort" rechnen muss. Dagegen reagierte Moskau wieder harsch und bestellte den israelischen Botschafter in Russland ein.

Nach dem Fernsehbericht erhält man den Eindruck, dass Israel eine militärische Reaktion provozieren will, um dann direkt, wohl mit der Unterstützung durch Washington und Saudi-Arabien, den Iran angreifen zu können. Angriffsszenarien gibt es schon lange (Bomben auf den Iran?), mit Präsident Trump, dessen Mannschaft zunehmend nach seiner Pfeife tanzt oder als Falke auftritt, wären die Chancen für Israel dieses Mal gut, auch wenn die Region gänzlich in einen Abgrund rutschen dürfte.

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Nach dem Fernsehbericht, der nationalistisch getönt ist, hat Iran durch die Luftangriffe einen wichtigen Stützpunkt, vielleicht sogar "ein ganzes System" verloren. Von anderer Seite wird behauptet, dass die meisten Raketen abgeschossen wurden und nur drei eingeschlagen seien. Angeblich würde nun Israel erwarten, dass der Iran tatsächlich auch militärisch antworten wird, allerdings von Syrien aus. Darauf würde sich Israel jetzt vorbereiten. Andere Medien vermuten, dass mit dem Angriff nicht eine Lieferung von Raketen vernichtet werden sollte, sondern eine von irgendwelchen neuen Systemen, die Israels Luftüberlegenheit in Syrien und im Libanon einschränken würden.

Israels Haltung, bei jeder wirklichen oder vermeintlichen Bedrohung hart zuzuschlagen, soll zwar die Sicherheit Israels durch Abschreckung und durch Demonstration der militärischen Überlegenheit sichern, aber die Gefahr ist, dass dadurch schnell Konflikte eskalieren können.

Im UN-Sicherheitsrat haben sich die üblichen Fraktionen gegenseitig blockiert. Russland und Bolivien lehnten mit einer Enthaltung Chinas die US-Resolution zur Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffengriffs in Douma ab. Den russischen Vorschlag unterstützten sechs Länder, aber auch er wurde abgelehnt. Die USA sehen eine unabhängige Untersuchung nach dem russischen Vorschlag gefährdet, umgekehrt ist es ebenso. (Florian Rötzer)

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