Putin beim Papst

Vatikan. Karte: Thomas Römer/OpenStreetMap data. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der russische Staatspräsident will sein Image im Westen verbessern

Nach dem G7-Gipfel in Elmau trifft sich der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi heute mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin, der die Expo in Mailand besuchte. Am Nachmittag wird Putin im Vatikan von Papst Franziskus empfangen - dem Oberhaupt der katholischen Kirche.

Worüber Putin und Franziskus sprechen werden, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es dabei weniger um die gerade einmal 0,5 Prozent der Einwohner Russlands geht, die Katholiken sind, sondern um die Weltpolitik - und den Weltfrieden. Der scheint nach dem Bürgerkrieg in der Ukraine und der Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, die russische Schutztruppe in Transnistrien auszuhungern, so fragil wie seit 1991 nicht mehr.

Das liegt auch daran, dass westliche Medien wie ARD, ZDF und Bild Putin als Autokraten zeichnen, der eine Bedrohung für die NATO-Mitgliedsländer darstellt. Diesem Eindruck will Putin entgegenwirken. Der italienischen Zeitung Corriere della Sera sagte er bereits am Wochenende, "nur ein Verrückter [könne] sich im Traum vorstellen, dass Russland plötzlich die NATO angreift". Er, so Putin, glaube, dass "einige Länder" ihr eigenes Süppchen kochen und in Wirklichkeit auf Finanzhilfe und andere Vorteile hoffen, wenn sie so etwas an die Wand malen und dabei mit alten Ängsten spielen.

Heute sind solche Ängste Putins Worten nach absolut unbegründet. Er könne versichern, dass man in Russland anderes zu tun habe, als sich in einen großen Krieg zu stürzen. In diesem Zusammenhang warf er auch die Möglichkeit auf, dass die Angst europäischer Länder vor Russland dabei helfen könnte, den amerikanischen Einfluss in der EU zu sichern, weil die Bedrohung Iran möglicherweise nicht bedrohlich genug ist. Im Kampf gegen den Terrorismus und gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sei Russland aber nicht nur ein Partner der USA, sondern ihr Verbündeter. Diesen Terrorismus von heute sieht Putin als dem Nationalsozialismus sehr ähnlich an - er erkennt "kaum einen Unterschied".

Zur Situation in Russland meinte er, die Zahl der Parteien dort habe sich in den letzten Jahren vervielfacht, nachdem man die Zulassungsvoraussetzungen lockerte. Nun hänge es vom Personal dieser Parteien selbst ab, ob sie erfolgreich sind oder nicht. Zum Einwand, dass Politiker dieser Parteien im russischen Fernsehen selten interviewt werden, meinte der Präsident, dass sich das ändern könne, wenn sie in solchen Interviews etwas Interessanteres sagen würden.

Franziskus, der Putin bereits 2013 empfing, hatte im Februar den "schrecklichen Brudermord" in der Ukraine beklagt. Swjatoslaw Schewtschuk, der griechisch-katholische Großerzbischof von Kiew kritisierte den Papst daraufhin als Russlandversteher, weil "Brudermord" ein Propagandabegriff sei, der eine "russische Aggression" verschleiere. Der Vatikan wies diese Kritik von sich und stellte klar, dass sich der Papst an alle am Konflikt beteiligten Parteien gewandt habe. (Peter Mühlbauer)

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