Putin rät Saudi-Arabien nach Drohnenangriff zum Kauf von S-400-Raketenabwehrsystemen

Russisches S-400-Raketenabwehrsystem - besser als Patriot?.Bild: Russisches Verteidigungsministerium

Washington ist weiterhin unentschlossen, wie man reagieren soll, der erfolgreiche Angriff zeigte, dass ein militärischer Schlag ernsthafte Folgen haben könnte und Patriot-Systeme keinen Schutz bieten

US-Präsident Donald Trump scheint alles zu machen, um die fundamentalistische Monarchie Saudi-Arabiens auf seiner Seite zu haben. Am Sonntag meinte er, man müsse abwarten, wen Saudi-Arabien als Schuldigen präsentieren würde. Er ist zwar überwiegend beschäftigt mit dem Wahlkampf und der Bekämpfung der Demokraten, fand aber zwischendurch gestern Zeit, noch einmal zu den Drohnenangriffen auf die saudischen Ölanlagen einen Kommentar abzugeben. Wieder hielt er sich im Gegensatz zu Außenminister Pompeo mit direkter Schuldzuweisung zurück. Aber er meinte, dass der Iran schon einmal behauptet hatte, als er eine US-Drohne abschoss, dass sie im iranischen Luftraum gewesen sei, was nicht gestimmt habe und eine "große Lüge" gewesen sei. Jetzt müsse man sehen, ob der Iran wirklich nichts mit dem Angriff auf Saudi-Arabien zu tun hatte.

Während sich Trump bedeckt hält, wird natürlich im Weißen Haus überlegt, ob nun der schon seit vielen Jahren geplante Schlag gegen den Iran als Reaktion ausgeführt werden sollte. Der Verteidigungsminister Mark Esper hat, wie er sagt, mit dem Kronprinz Mohammad bin Salman und dem irakischen Verteidigungsminister über den "beispiellosen Angriff" gesprochen und erklärt, dass es im Weißen Haus dazu ein Treffen gegeben habe. Das Ergebnis scheint zu sein, dass die USA "mit ihren Partnern" den Angriff beantworten und die "internationale regelbasierte Ordnung, die der Iran unterläuft", verteidigen wollen. Gerade die Trump-Regierung, die auf der regelbasierten Ordnung wild herumgetrampelt ist, beruft sich nun auf diese, um den Iran kleinzukriegen.

Noch immer ist unklar, ob die Drohnen, die genau die Ziele getroffen haben, aus dem Iran stammen und ob sie von jemenitischem Territorium gestartet wurden. Trump meinte, der Iran scheine für die Angriffe verantwortlich zu sein, man werde dies prüfen. Wenn die Drohnen nicht aus dem Jemen gestartet wären, würden Spionagesatelliten längst die Beweise liefern können. Es geht offenbar darum, ob man nachweisen kann, dass die Drohnen von Iran geliefert und von iranischem Personal gestartet wurden. Allerdings ist fast unerheblich, ob Iran oder die Huthi-Armee den Präzisionsangriff durchgeführt hatte. Er zeigt, wie verwundbar Saudi-Arabien mit seinen amerikanischen Patriot-Luftabwehrsystemen und wie fortgeschritten die Technik im Iran oder im Jemen ist.

Wenig verwunderlich ist daher, dass Trump zögert, die USA in einen militärischen Konflikt mit dem Iran zu stürzen. Das wäre vermutlich schlecht für seinen Wahlkampf, zumal dann, wenn der Iran, wie angedroht, auch US-Stützpunkte in der Region angreifen sollte. Auch sie wären mit den Patrot-Systemen nicht zu schützen (US-Raketenabwehrsystem konnte vermutlich Huthi-Rakete nicht abschießen). Trump sagte, er würde lieber einen militärischen Konflikt vermeiden und auf Diplomatie setzen. Nicht einmal Saudi-Arabien beschuldigt direkt den Iran, behauptet aber, noch ohne Beweise, dass die Drohnen aus dem Iran stammen sollen.

Putins Schachzug

Russland, das auch Beziehungen zu Saudi-Arabien hat, aber auch gerade mit dem Iran und der Türkei in Ankara über das weitere Vorgehen in Syrien verhandelt, hat ebenfalls nach dem Drohnenangriff auf Saudi-Arabien die Maßnahmen zum Schutz von Ölanlagen erhöht. Allerdings ist nicht zu sehen, durch wen diese jetzt gefährdet sein könnten. Russland könnte aber profitieren, wenn die saudische Ölproduktion längere Zeit reduziert bleiben sollte.

Schon länger konkurriert Moskau auf dem Rüstungsmarkt mit den USA, hauptsächlich bei Raketen-und Flugabwehrsystemen ("Unser System ist besser"). Zuletzt hat Russland an die Türkei und Indien S-400-Systeme verkaufen können, die angeblich besser als die amerikanischen Systeme, insbesondere das Patriot-System, sein sollen, wie Russland behauptet (S-400 oder Patriot? Konkurrenz der Luftabwehrsysteme, Russland und die USA im Wettstreit um Raketenabwehrsysteme und Kampfflugzeuge). Noch wurde das S400-System aber nicht im wirklichen Einsatz getestet. Russland lieferte Syrien letztes Jahr nur ältere S-300-Systeme, aktivierte aber nicht die S400-Systeme in Syrien, um israelische oder amerikanische/britische/französische Angriffe auf syrische Stellungen abzuwehren. Ein Grund könnte sein, nicht den Beweis für die Güte des Raketenabwehrsystems anzutreten, das zu einem Exportschlager wurde.

Putin nutzte jedenfalls die Gelegenheit, Saudi-Arabien den Kauf von S-300 oder S-400-Systemen anzubieten, um sich vor weiteren Angriffen Jemens zu schützen. Selbstlos meinte er: "Zum Schutz des Volkes und des Landes sind wir bereit, Saudi-Arabien angemessene Hilfe anzubieten", sagte Putin in Ankara. Das würde eine "weise Entscheidung" sein. (Florian Rötzer)