Putin über Verdächtige im Skripal-Fall: "Wir wissen, wer sie sind"

Nach dem russischen Präsidenten handelt es sich bei den russischen Männern, die von Großbritannien verdächtigt werden, um "Zivilisten" ohne kriminellen Hintergrund

Das ging jetzt schnell. Die britische Staatsanwaltschaft hatte zwei russische Männer ausgemacht, die möglicherweise unter Tarnnamen nach Großbritannien aus Russland eingereist waren und für den Nowitschok-Anschlag auf Sergei und Julia Skripal verantwortlich gemacht wurden. Die Polizei veröffentlichte Fotos der beiden Verdächtigen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow.

Die russische Zeitung Fontanka hatte am 5. September einen Artikel mit dem Ergebnis von Nachforschungen veröffentlicht. Jetzt verkündete der russische Präsident Wladimir Putin, dass die russischen Behörden die beiden Männer identifiziert haben. Er forderte sie auf, sich an die Medien zu wenden, nicht an die Polizei.

Die russische Zeitung ist den Passnummern nachgegangen. Die nicht biometrischen Pässe waren vor zwei Jahren ausgestellt worden, mit ihnen sind die beiden Männer wiederholt nach Europa geflogen, nach Amsterdam, Genf, Mailand, Paris, Petrow auch schon einmal im Februar 2017 nach London. Über die beiden Männer ließen sich kaum Informationen herausfinden, die Wohnungsadresse von Boschirow stimmte auch nicht.

Das könnte darauf hindeuten, dass es sich um Tarnidentitäten von Geheimdienstagenten handelt, die aber ebenso wie der Anschlag selbst und das offene Zuschaustellen der beiden Verdächtigen vor den Überwachungskameras in Großbritannien nicht sonderlich professionell erscheinen. Die britische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um Agenten des russischen Geheimdienstes GRU handelt, hat dafür aber keine Belege, sondern nur Vermutungen.

Moskau hat bislang jede Verantwortung für den Anschlag zurückgewiesen und erklärt, man kenne die beiden Männer nicht. Heute nun sagte Putin auf dem Östlichen Wirtschaftsforum Wladiwostok: "Natürlich haben wir uns diese Personen angeschaut. Wir wissen, wer sie sind. Wir haben sie gefunden." Es handele sich aber nicht um Geheimdienstagenten, sondern um "Zivilisten", die "keinen kriminellen Hintergrund" hätten. Putin forderte sie auf, an die Öffentlichkeit zu gehen und der Welt ihre Geschichte zu erzählen, das sei besser für alle. An den beiden, so Putin, sei "nichts Besonderes oder Kriminelles". (Florian Rötzer)

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