Putins Sommer-Schachzug

Wladimir Putin ernennt Igor Vasilyev zum neuen Gouverneur der Kirow-Region, bis ein gewählter Gouverneur das Amt einnimmt. Bild: Kreml

Größte Umbesetzung leitender Staatsbeamter seit Jahren, Putin setzt Ex-KGB-Mitarbeiter auf leitende Posten

Der russische Präsident Wladimir Putin hat gestern die größte Umbesetzung unter Spitzenbeamten in den letzten Jahren durchgeführt. Putins persönliche Vertreter in vier der insgesamt acht russischen Großregionen wurden ausgetauscht (Süd, Sibirien, Nordwest, Nordkaukasus), vier Gouverneure wurden neu ernannt (Kaliningrad, Jaroslawl, Kirow, Sewastopol). Die Zollverwaltung bekam einen neuen Leiter. Drei Beamte, die ihre berufliche Karriere im KGB begonnen hatten, bekamen leitende Posten als Gouverneure der Regionen Kaliningrad und Jaroslawl sowie als Leiter der Zollverwaltung.

Zwei Umbesetzungen haben mit Korruptionsfällen zu tun. Der liberale Gouverneur des Kirow-Gebiets, Nikita Belych, war vor einem Monat wegen der Entgegennahme von 400.000 Euro Schmiergeld verhaftet worden (Ein russischer Milliardär mit politischen Ambitionen bekommt Probleme). Der Leiter der russischen Zollverwaltung, Andrej Beljaninow, ist offenbar in einen Schmuggel mit Cognac verwickelt und wurde abgesetzt. Der Gouverneur der Stadt des Gebiets Jarowslawl wurde wegen "mangelnder Effektivität" ausgetauscht.

Eine weitere von Putin am Donnerstag verfügte Maßnahmen, war die Zusammenlegung der Region Krim mit der russischen Großregion "Süd". Diese Maßnahmen sei getroffen worden, weil die Krim inzwischen ausreichend in das russische Staatswesen integriert sei, berichteten russische Medien.

Der Gouverneur der auf der Krim gelegenen Stadt Sewastopol, Sergej Menjajlo, dessen Amtszeit von Skandalen überschattet war, wurde abgesetzt. Er wird von nun an Putins persönlicher Vertreter in der Groß-Region Sibirien. Der Sinn dieser Umsetzung wirft Fragen auf.

Der russische Botschafter in Kiew, Michail Surabow, der nach Meinung zahlreicher Kritiker in Russland "nichts gegen den Maidan in Kiew unternommen hat", wurde abgesetzt und durch Sergej Toropow, einen ehemaligen Sekretär der russischen Botschaft in Kiew ersetzt.

Während die Moskauer Medien noch über das große Personal-Karussell rätselten, frühstückte Putin im nördlich von Moskau gelegenen Twer-Gebiet seelenruhig mit Landarbeitern und interessierte sich für den von der örtlichen Molkerei hergestellten Joghurt. Ob die Moosbeeren in dem Joghurt aus Russland kämen, wollte der Präsident wissen. Nein, antwortete man ihm, aus Lettland. Darauf der Präsident, "bei den Letten wachsen die besten Moosbeeren".

Offenbar wollte der Kreml-Chef demonstrieren, dass er die Fäden in Russland nach wie vor fest in der Hand hält, allen Unkenrufen zum Trotz.

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