Q, Tüftler in James Bond Filmen, wird Pate von CIA

CIA gründet Unternehmen, um sich Zugang zur neuesten Informationstechnologie zu verschaffen

Spione müssen heute, das weiß jeder mindestens seit James Bond, technisch versiert sein und mit den neuesten Technologien arbeiten. Und im Kern der Geheimdienstarbeit steht die Informationsbeschaffung, also die Informationstechnologien. Doch Behörden haben oft wenig Chancen, auf dem Arbeitsmarkt in der boomenden High-Tech-Wirtschaft noch Spezialisten anlocken zu können, überdies kommen viele Innovationen nicht mehr wie einst im Kalten Krieg von der staatlich subventionierten Industrie, sondern von Firmen, die für den Markt produzieren, wodurch auch der Geheimdienst, obzwar im Ausland sich durchaus in Sachen Wirtschaftsspionage betätigend, nicht mehr als erster Kenntnis neue Informationstechniken hat und sie einsetzen kann.

Aus diesem Grund hat die CIA, wie die New York Times berichtet, eine eigene Venture Capital Firma gegründet, um High-Tech-Firmen, leitende Angestellte und ehemalige CIA-Angehörige zu fördern. Büros gibt es in Washington und im Silicon Valley. Das Budget von 28 Millionen Dollar wurde letztes Jahr vom Kongress bewilligt. Und der Name des neuen CIA-Unternehmens - In-Q-It - spielt direkt auf James Bond an. Q heißt nämlich jener Major Brothroyd, der unermüdlich neue Techniken für den Meisteragenten 007 erfindet.

Leiter von In-Q-It ist Gilman Louie von der Online-Abteilung des Spielzeugunternehmens Hasbro. Erst vor einem Jahr hatte er seine Firma Microprose, die Computerspiele herstellte, an Hasbro verkauft. Der Geheimdienst kämpfe, so Louie, mit vielen der Probleme, die auch die normalen Websurfer hätten. Sinn des neuen Unternehmens sei es, schneller neue Informationstechnologien zur CIA zu bringen, als dies die üblichen Beschaffungsverfahren der Regierung ermöglichen: "Das gegenwärtige Modell funktioniert nicht. Die technologische Welt hat sich völlig verändert, und eines Tages wachte die CIA auf und erkannte, dass sie sich ebenfalls auf dieselbe Weise verändern muss."

Das Unternehmen wird Venture Capital in Firmen stecken und Verträge mit Unternehmen in vier Bereichen schließen: Integration der Internet-Technologie in die Arbeit der CIA; Entwicklung neuer Techniken für die Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre; Unterstützung von Unternehmen, die sich auf Data Mining spezialisiert haben, um die Informationsmassen des Geheimdienstes besser ausbeuten zu können; Modernisierung der Computersysteme der Behörde.

Angeblich würde In-Q-It nicht im Geheimen arbeiten, was eine ganz neue Eigenschaft des Geheimdienstes wäre. Unklar bleibt auch, ob das Unternehmen profitorientiert arbeiten soll oder nicht. Louie jedenfalls sagte, er wolle Investitionen so tätigen, dass In-Q-It sich refinanzieren könne. Und Rechtsberater Jeffrey Smith geht davon aus, dass das von dem Unternehmen erworbene geistige Eigentum zwar von der Regierung benutzt werden könne, aber dass es die Möglichkeit für sich in Anspruch nehmen werde, es für kommerzielle Zwecke zu gebrauchen.

Im Unterschied zur früheren Praxis, als die Regierung vornehmlich Geld in Unternehmen steckte, um bestimmte Technologien zu entwickeln, soll In-Q-It offenbar frühzeitig neue Entwicklungen im Markt aufspüren und für den Geheimdienst nutzbar machen. John McMahon, ehemaliger Abteilungsleiter der CIA und Mitglied des neuen Unternehmens: "Heute gibt es eine gewaltige Informationsexplosion. Als Folge lag die Behörde immer einen Schritt zurück. Die Behörde kam zu Einsicht, dass etwas notwendig war, was nicht nur ihre Bedürfnisse erfüllt, sondern auch eine Nabelschnur darstellt, die mit den schlauesten Köpfen im Silicon Valley verbunden ist."

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