Qualifizierungsmaßnahmen und ihre Sinnhaftigkeit

Grafik: TP

Die Martin-Schulz-Ideen zur Arbeitspolitik sind nicht nur größtenteils symbolisch, sondern auch eine reine Wiederholung - Teil 2

Zu Teil 1: Arbeitslosengeld Q oder: von der Leyens Idee neu aufgewärmt

Zu den Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit und seinen Dependanzen gehörten neben der Auszahlung von Transferleistungszahlungen weiterhin auch die Vermittlung von Erwerbstätigkeiten und, ganz im Sinne von "Fördern und Fordern", die Vermittlung von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zur Qualifizierung von Arbeitssuchenden.

"Mehr Jobsicherheit, mehr Herausforderung, mehr Aufstiegschancen: Wir unterstützen Ihre persönliche Bildungsoffensive mit zahlreichen Informationen sowie verschiedenen Fördermöglichkeiten und -programmen zur Weiterbildung." So beschreibt es die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Selbstdarstellung.

Die Realität sieht so aus, dass es für diejenigen, die sich für eine Weiterbildung interessieren bzw. diese selbst sich aussuchen, oft schwer ist, hierfür Mittel zu erhalten da dies eine Kann-Leistung der Jobcenter darstellt und zudem sich durch eine des öfteren berichtete Taktik der Jobcenter der Weiterbildungssuchende in einer ausweglosen Situation diesbezüglich wiederfindet:

Der Trick hierbei ist, eine bestimmte Weiterbildung davon abhängig zu machen, dass sie automatisch zu einer neuen Erwerbstätigkeit führt. Einfach ausgedrückt: Erst wenn sich ein Arbeitgeber findet, der verbindlich eine Neuanstellung zusagt, sofern die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen wird, gibt es eine Kostenübernahme.

Da die Arbeitgeber eine solche Zusage nur selten abgeben, ist es einfach, die Kostenübernahme aus diesem Grund abzulehnen, weshalb die Chancen auf eine neue Erwerbstätigkeit z.B. durch das Erlernen von zusätzlichen Programmiersprachen, Softwareprogrammen oder anderen Qualifikationen sinken bzw. gleich schlecht bleiben. Für ALG II-Bezieher stehen zudem seit längerem weniger Gelder für Qualifikationsmaßnahmen zur Verfügung, Gelder werden stattdessen in die Verwaltung investiert.

Hinzu kommt, dass der Weiterbildungsmarkt bis heute steter Grund für Kritik ist. Auch ohne Vorwürfe wie Vetternwirtschaft oder gar Korruption aufzugreifen, wirken etliche Weiterbildungsmaßnahmen willkürlich vergeben, die dortigen Lehrkräfte eher ungeeignet, das zu Erlernende ist für einen Teil der Teilnehmer bereits umfangreich bekannt, für den anderen völlig unbekannt, so dass schon die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises zu Problemen führt.

Andere Ideen wie z.B. der eigens durch das in Geldnöten steckende "Team Arbeit" in Hamburg entwickelte Trainingssupermarkt sind kostenintensiv und brachten nur magere Erfolgsquoten mit sich da zwischen der Realität in einem Supermarkt und dem "Lernen" mittels simulierten Kunden, Plastikkäselaibern und leeren Pseudoweinflaschen doch ein nicht zu unterschätzender Unterschied bestand und im Bereich des Kassierens nicht gerade ein Mangel an Bewerbern bestand und besteht.

Wie der Bundesrechnungshof feststellte, finden sich auch weitere Probleme: die Erfolge oder Misserfolge der Maßnahmen werden nicht dokumentiert, Datensätze nicht aktualisiert.

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