Quo vadis Windenergie?

Juli mit (fast) Rekordtemperaturen

Der Klimawandel geht derweil weiter. Inzwischen liegen die Daten für die globale Temperatur im Juli vor. Wie die obige Grafik des japanischen Wetterdienstes zeigt, war der Juli 2017 der zweitwärmste nach dem Juli 2016 in der in diesem Fall bis 1890 zurück reichenden Zeitreihe. Der lineare Trend beträgt demnach 0,69 Grad Celsius pro Jahrhundert. Das heißt, wenn man die natürlichen Schwankungen außer Acht lässt und annimmt, dass sich das Klima graduell und nicht sprunghaft ändert, dann ist es seit 1917 um etwa diesen Betrag wärmer geworden.

Abweichung (Anomalie) der über den ganzen Planeten und jeweils den Juli gemittelten Temperatur vom Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010, berechnet vom japanischen Wetterdienst für die Zeit von 1890 bis zum Juli 2017. Der lineare Trend ist rot eingezeichnet, blau ist das gleitende Mittel über fünf Jahre. 0,41 Grad Celsius über dem Referenzwert (und deutlich mehr als einem Grad über der Zeit um 1900) war der vergangene Juli der zweitwärmste (nach 2016) seit dem Beginn der Zeitreihe. Der lineare Trend ist derzeit ein Anstieg von 0,69 Grad Celsius pro Jahrhundert.

Wenn man sich die Grafik allerdings genauer anschaut, dann sieht man, dass der lineare Trend natürlich nur eine unvollkommene Beschreibung der Entwicklung darstellt. Die Erwärmung verläuft nicht sehr gleichförmig, sondern hat insbesondere seit Ende der 1970er Jahre an Fahrt aufgenommen. Der Juli 2017 war rund 0,8 Grad Celsius wärmer, als ein durchschnittlicher Juli zwischen 1945 und 1975.

Kein El Niño

Auch das Goddard Institut for Space Studies der NASA (GISS) hat inzwischen seine Auswertung vorgelegt. In dieser ist der Juli 2017 sogar mit 0,01 Grad Celsius geringfügig - innerhalb der Messgenauigkeit - wärmer als der Juli 2016 und damit der wärmste in der Zeitreihe. Insgesamt ist 2017 in den GISS-Daten bisher das zweitwärmste Jahr nach 2016.

Derweil scheint sich im Pazifik fürs erste kein weiterer El Niño herauszubilden, was sich dort unter anderem durch eine besonders warme Oberfläche entlang des Äquators bemerkbar macht und für die angrenzenden lateinamerikanischen Küstenregionen meist besonders schwere Unwetter und für die tropischen Länder in Südostasien ausbleibende Niederschläge zur Folge hat. Noch vor einigen Monaten hatte es so ausgesehen, als zeigten sich bereits die ersten El-Niño-Vorläufer.

Nun zeigt die unten stehende Grafik mit der regionalen Verteilung der Temperatur-Anomalien im Juli für die Küstengewässer vor Peru und Ecuador vergleichsweise kühle Verhältnisse. Auffällig ist an der Verteilung außerdem, dass die Arktis kühler als gewöhnlich war, was dort schon lange nicht mehr vorgekommen ist. Für den dortigen sommerlichen Eisschwund heißt das, dass in diesem Jahr kein neuer Rekord zu erwarten ist. Allerdings hat die Eisbedeckung des arktischen Ozeans im Juli auch nur knapp über der des Rekordjahres 2012 gelegen.

Auffällig an der Verteilung der Anomalien ist außerdem zum einen die kühle Region südöstlich von Grönland, die dort inzwischen seit geraumer Zeit zu beobachten ist und auf Abschwächung des Golfstroms hindeutet. Außerdem ist es offensichtlich in Italien und in den ans östliche Mittelmeer angrenzenden Ländern erheblich zu warm gewesen. Das sind Regionen, die derzeit unter schweren Dürren leiden. Zu einem Mangel an Regen gesellen sich dort also aufgrund der hohen Temperaturen gesteigerte Verdunstungsraten, was zusammen das Rezept für besonders gravierenden Wassermangel gibt.

Verteilung der Temperatur-Anomalien im vergangenen Juli. In der Arktis war es - was lange nicht mehr vorgekommen ist - kälter als zu dieser Jahreszeit üblich. Bemerkenswert sind weiters die kühle Region südöstlich Grönlands sowie die überdurchschnittlichen Temperaturen im Mittelmeerraum. Bild GISS, NASA

Erst der Anfang

In Rom wird inzwischen das Wasser rationiert und für die Länder von Ägypten bis zum Irak sagen die Klimamodelle ohnehin mit zunehmender Erwärmung verschärfte Dürren voraus. Dabei könnten diese von den Simulationen sogar noch unterschätzt werden, wie jüngste Felduntersuchungen historischer Ereignisse ergeben haben. Anfang des Jahres hatte ein internationales Team von Wissenschaftlern mittels Ablagerungen in einer irakischen Höhle das regionale Klima der letzten 2400 Jahre rekonstruiert.

Ihre Ergebnisse: Die Dürren 1998 bis 2000 und 2007 bis 2010 - letztere führte in Syrien für Zehntausende Bauern zum Ruin und wird von einigen Wissenschaftlern und andere Beobachtern als einen der Auslöser des derzeitigen Bürgerkriegs angesehen - waren die schlimmsten Ereignisse dieser Art im untersuchten Zeitraum. Und: Es gebe in der Region einen seit etwas mehr als 1000 Jahren anhaltenden Trend zu trockeneren Bedingungen, der bisher nicht von den Klimamodellen erfasst werde.

Ein Jahr zuvor hatten NASA-Wissenschaftler anhand von Daten der Wachstumsringe in Bäumen festgestellt, dass die jüngste Dürre in der genannten Region, die sie als ein seit 1998 anhaltendes Ereignis auffassen, die schlimmste seit 900 Jahren gewesen sei. Die Periode 1998 bis 2012 sei um 50 Prozent trockener als die zweitschlimmste Dürre der letzten 500 Jahre gewesen.

Alle Klimamodelle der unterschiedlichsten Institute aus aller Welt, die nach den jüngsten Erkenntnissen die drohenden Dürren für die Region eher zu untertreiben scheinen, sagen übrigens für die Mittelmeerregion wachsende Wasserprobleme, Niederschlagsmangel und überdurchschnittliche steigende Temperaturen voraus. Die jüngsten Dürren sind somit mit ziemlicher Sicherheit erst der Anfang. Statt immer mehr Waffen und Militär in den Nahen Osten zu pumpen, wäre es vielleicht an der Zeit, die dortigen Konflikte zu lösen und gemeinsam Maßnahmen gegen die künftigen Dürren zu ergreifen. (Wolfgang Pomrehn)