Rätsel am Rande des Sonnensystems

Rote Objekte und eine deutliche Kante irritieren die Astronomen

Jenseits der Umlaufbahn des Neptun umkreisen vermutlich mehr als 100.000 Asteroiden im sogenannten Kuiper-Gürtel die Sonne. Neuere astronomische Beobachtungen, die Ende Oktober bei der Jahrestagung der "Division for Planetary Sciences" in Pasadena, Kalifornien, präsentiert wurden, deuten darauf hin, dass dieser Asteroidengürtel eine überraschend deutliche äußere Grenze bei etwa 50 Astronomischen Einheiten (AE) hat.

Eine AE entspricht mit 149,6 Millionen Kilometern dem mittleren Abstand der Erde von der Sonne. "Es scheint so, als gäbe es dort eine Kante", sagt Chadwick Trujillo, Astronom am California Institute of Technology in Pasadena. Und Lynne Allen von der University of Michigan in Ann Arbor bestätigt: "Wir sehen Objekte in der Nähe. Weiter draußen sehen wir nichts." Bei einer systematischen Suche konnte ihr Team 24 neue Objekte im Kuiper-Gürtel entdecken, von denen keines weiter als 53 AE von der Sonne entfernt war. Dabei waren die verwendeten Beobachtungsinstrumente empfindlich genug, um Asteroiden von mindestens 160 Kilometer Durchmesser bis in eine Entfernung von 65 AE auszumachen.

Diese Beobachtungen stellen bisherige Theorien zur Entstehung des Sonnensystems in Frage. Sollten sie weiteren Überprüfungen standhalten, würde das darauf hindeuten, dass die protoplanetare Scheibe, aus der sich die Planeten formten, kleiner war, als die, die heute bei jungen Sternen beobachtet werden. Möglicherweise wurden auch Teile von ihr in einem frühen Stadium, etwa durch eine zu nahe Begegnung mit einem anderen, neu geformten Stern, weg gerissen.

Ein weiteres Rätsel der Asteroiden im Kuiper-Gürtel betrifft deren Farbe: Man hat hier die rötesten Objekte im ganzen Sonnensystem gefunden. Amerikanische Astronomen haben jetzt diese auffallende Rotfärbung mit bestimmten Charakteristiken der Umlaufbahnen in Zusammenhang gebracht. Im Unterschied zu anderen Kuiper-Gürtel-Objekten umkreisen die roten Asteroiden demnach die Sonne auf nahezu kreisförmigen Bahnen und bewegen sich weitgehend in der Ebene der Ekliptik.

Genauere Erkenntnisse über diese entfernten Himmelskörper könnte möglicherweise eine Raumsonde bringen, die zum Pluto, dem äußersten Planeten, geschossen werden soll. Über Bau von Pluto Kuiper Express will die amerikanische Weltraumbehörde Nasa noch in diesem Monat entscheiden. (Hans-Arthur Marsiske)

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