Raketenabwehr und Riesendrohne

Israel will die Löcher in seinem Schild schließen, um nach den Erfahrungen des Libanon-Krieges und vor einem möglichen Konflikt mit dem Iran vor Raketen aller Art geschützt zu sein

Israel hat neben dem US-amerikanischen Patriot-System mit dem Arrow-System bereits mit amerikanischer Mitfinanzierung eine eigene Raketenabwehr entwickelt, um Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Abfangrakete abzuschießen, die bis in einer Höhe von 50km ihr Ziel treffen soll. Zwei Batterien mit angeblich Hunderten von Abfangraketen gibt es in Israel. Eine dritte soll eingerichtet werden. Getestet wurde die neuere Abfangrakete Arrow-2 erfolgreich über eine lange Strecke 2004, als eine von einem US-Stützpunkt auf einer Insel im Pazifik gestartete Rakete erfasst und abgeschossen wurde. Ende 2005 konnte eine Rakete in großer Höhe abgeschossen werden, die die iranische Shihab-3 simulieren sollte.

Im Gegensatz zum amerikanischen System muss die gegnerische Rakete nicht direkt getroffen werden, da die Arrow-Abfangrakete in der Nähe von dieser Tausende von Stahlkugeln abfeuert, um so in einem Radius von 50 m diese zu zerstören oder aus der Bahn zu bringen. Das Kontrollsystem soll 14 gegnerische Raketen gleichzeitig verfolgen und zerstören können. Da gegnerische Raketen in großer Höhe zerstört würden, ließen sich damit auch Raketen mit atomaren Sprengköpfen abschießen, ohne Israel zu gefährden, sagt das Militär.

Das Arrow-System, das Raketen bis zu einer Entfernung von 700 km entdecken und in einer Entfernung bis zu 50 km treffen kann, wird gerade modernisiert. Ende 2008, Anfang 2009 sollen neue Arrow Mark IV-Raketen sowie ein verbesserter Radar einsatzbereit sein. Im Ernstfall wurde das System aber noch nicht gebraucht und ist auch nur gegen Raketen mit einer Mindestreichweite von 150 km und ab einer Flughöhe von 10 km anzuwenden. Zwar könnten mit den Arrow-Abfangraketen womöglich die iranischen Shehab-3-Raketen mit einer Reichweite bis zu 2000 km abgefangen werden, wie ein israelischer Offizier Anfang des letzten Jahres versicherte, aber mit ihm oder mit dem Patriot-System lassen sich nicht, wie im Libanon-Krieg deutlich wurde, Kurzstreckenraketen wie die von den Hisbollah verwendeten Katjuscha-Raketen abschießen, die in geringer Höhe und nur kurze Zeit fliegen. Zudem wären beide System kaum in der Lage, mit einer ganzen Flut von Raketen fertig zu werden.

Um Kurzstreckenraketen bekämpfen zu können, lässt Israel ein neues System bei einem von Raytheon und Rafael geführten Konsortium entwickeln. Allerdings wird in Israel auch überlegt, die Weiterentwicklung von Arrow einzustellen und das Terminal High Altidude Area Defense-System (THAAD) zu übernehmen, mit dem ballistische Raketen in großer Höhe abgeschossen werden können. Allerdings ist auch dieses System noch nicht einsatzreif – und ein Kommentator in Haaretz vermutet, dass man über ein inszeniertes Kaufinteresse vielleicht auch nur die technischen Details herausbekommen will.

Vermutlich weil der Konflikt mit Iran gerade hochkocht und Israel immer wieder einmal die Möglichkeiten austestet, das von vielen vermutete iranische Atomwaffenprogramm anzugreifen, bevor Iran über die ersten Atomwaffen verfügt (Angriff auf den Iran?), hat nun ein Informant der israelischen Zeitung Yediot Aharonot gesagt, dass innerhalb der nächsten Tage die Superdrohne Eitan, eine Weiterentwicklung der Heron-Drohne, zu ihrem ersten Flug starten soll. Die von Israel Aircraft Industries gebaute Riesendrohne hat eine Spannweite von 35 Metern und soll für Einsätze mit großen Reichweiten und in großer Höhe eingesetzt werden (in früheren Berichten war allerdings die Rede von einer Spannweite von 26 Metern, eine Bewaffnung wurde nicht erwähnt). Ausgestattet ist sie mit modernsten Kameras und Raketen, um vom Boden abgefeuerte ballistische Raketen erkennen, verfolgen und abschießen zu können. Aber ganz sicher ist auch diese Meldung, sofern sie denn ganz oder in Teilen stimmen sollte, ein Teil der psychologischen Kriegsführung (Angriff auf den Iran?).

Kommentare lesen (9 Beiträge)
Anzeige