Rassismus in der Polizei?

Einfach mal die Dienststelle wechseln!

Vergessen wir irgendwelche Studien oder Sozialkunde-Unterricht: Die Polizisten sind einfach zu lange mit dem Schlechten in dieser Welt zugange. Da kann schon mal was rausrutschen im Eifer der Polizeigewalt. Also empfehlen Forscher, dass die Beamten regelmäßig rotieren sollten. Ein revolutionärer Vorschlag, der auch in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen Schule machen könnte!

"Wenn ich immer im gleichen Milieu arbeite, zum Beispiel immer Drogeneinsätze, verengt das meinen Blick auf die Welt. Migranten sind dann nur Dealer, Diebe und Schläger", sagt Polizeiforscher Rafael Behr (Nina von Hardenberg: "Das ist ein Führungsproblem", Interview mit Rafael Behr, in: Süddeutsche Zeitung, 18.09.2020).

Sein Kollege Kai Seidensticker drückt das zwar etwas anders aus, meint aber das Gleiche: "Die Polizeiarbeit findet ja in der Regel in sozial schwächeren Milieus statt. Sie ist auch mit einer womöglich lauernden Gefahr im Alltag verbunden. Und dass Polizeibeamte, die dort eingesetzt sind und häufig und lange in diesen Bereichen arbeiten, sehr stark in ein Schwarz-Weiß-Denken übergehen. Das heißt, ich habe immer das Schlechte, was ich sehe und reflektiere dann in meiner Gruppe das gute Gegenstück." Seidensticker, und mit ihm auch weitere Experten, empfehlen daher, dass Polizisten häufiger die Dienststelle wechseln sollten. (vgl. "Was ist los bei der Polizei?" ARD Exclusiv, 19.10.2020)

Einfach zu viel schlechter Umgang

Die Logik klingt bestechend: Polizisten sind Rassisten, weil sie einfach zu oft bösen Menschen mit tatsächlichem oder zumindest augenscheinlichem Migrationshintergrund begegnen.

Wenn die Beamten häufiger deutschstämmige Gesetzesbrecher träfen oder mal einfach zwischendurch einen Job im Innendienst ohne Außenkontakt machten, wäre das mit dem Rassismus nicht mehr ein solches Problem.

Das Rassismus-Virus

Wenn dieser Zusammenhang stimmt - was passiert dann mit den armen Polizisten, die für ihre Kollegen nun in die schlimmen Dienststellen wechseln? Sie werden ja auch von diesem "Rassismus-Virus" erfasst!

Gut, die Frage muss dann noch geklärt werden, wie lange die Inkubationszeit dauert. Ab wann demnach der Rassismus "ausbricht". Und natürlich bei welcher Virus-Last, also wie viele Rassismus-fördernde Kontakte es für diese furchtbare Krankheit braucht.

Abstand bekommen

Die bahnbrechende Erkenntnis der Polizeiforschung sollte nicht bei den Ordnungshütern stehen bleiben. Rassismus gibt es schließlich überall. Lehrer sollten zeitweise aus Schulen in "sozialen Brennpunkten" abgezogen werden, Richter nicht ständig über Kleinkriminalität und Drogenvergehen verhandeln, Vermieter in ihre überteuerten Bruchbuden auch mal Deutsche lassen, Personalchefs für eine gewisse Zeit keine Bewerbung von Menschen mit Migrationshintergrund erhalten usw. Alle können dann endlich so richtig durchatmen und das Rassismus-Virus auskurieren.

Raus aus dem kriminellen Alltag

Geradezu revolutionär wirkt der erforschte Zusammenhang zwischen Milieu-Erfahrung und Rassismus bei den Mitgliedern eben jener problematischen Bereiche. Einfach mal für ein paar Tage raus aus dem kriminellen Alltag! Die andere Seite kennenlernen, in der genügend Geld zum Leben vorhanden ist und man nicht ständig schief angeguckt wird, weil man "nicht dazu gehört".

Und siehe da, dann hat sich das auch mit dem Rassismus erledigt. Denn Leute, die Geld haben und das hier ausgeben, sind immer willkommen! Auf den Pass oder die Herkunft wird nicht geschaut, wenn ein Investor sein Kapital anlegen will oder auf Einkaufstour in Deutschland geht. Oder ein Chirurg im Krankenhaus seine Stelle antritt, ein Haus für seine Familie und ein schickes Auto kauft.

Ein neues Forschungsgebiet

Die Lösung also lautet: Die Menschen aus dem bösen "Milieu" herausholen! Na ja, nicht alle vielleicht, aber ein paar. Dann wird das "Milieu" kleiner, und die Polizisten und andere Deutsche werden vom Rassismus-Virus weniger infiziert.

Aber einen Haken hat das Ganze - wer bezahlt den Seitenwechsel? Hier eröffnet sich ein neues interessantes Feld für die Polizeiforscher. Dass sie sich ernsthaft damit beschäftigen, welche Gedankenwelt polizeilichem Rassismus zugrunde liegt, muss nicht befürchtet werden. Der ist ja für sie eine Art Krankheit, ein Mechanismus. Mit der ganz normalen Ausländerfeindlichkeit von guten deutschen Bürgern hat das demnach nichts zu tun (weitere Erläuterungen hierzu siehe Die Polizei Dein Freund und Feind). (Björn Hendrig)