Rauchen schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt

Bild: superscheeli/CC BY-2.0

Eine Studie versucht, die Umwelt- und Klimabelastung durch die jährlich 6 Billionen produzierten Zigaretten abzuschätzen

Raucher gefährden nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die derjenigen, die den Rauch einatmen müssen. Nach der WHO ist Tabakkonsum für jährlich 7 Millionen Tote verantwortlich, Rauchen ist die größte Ursache für einen vermeidbaren Tod. Aber die Lust am Nikotin mit seinen Emissionen belastet auch den Planeten, rechnet eine Studie von Wissenschaftlern des Imperial College London vor, die anlässlich eines Treffens zum Abkommen über Tabakkontrolle der WHO in der Zeitschrift Environmental Science&Technology veröffentlicht wurde. Es liegt auf der Hand, dass der Bericht, der angeblich erstmals den erheblichen Einfluss der Tabakindustrie auf die Umwelt systematisch darstellt, dafür sorgen soll, dass weniger geraucht und Zigaretten hergestellt werden.

Die präsentierten Zahlen sind in der Tat drastisch. 2014 wurden 6 Billionen Zigaretten in 500 Fabriken hergestellt. Sie produzierten 6,48 Megatonnen getrockneten Tabak und 32,4 Megatonnen grüne Tabakblätter. Für den Anbau und die Herstellung wurden 2200 Megatonnen Wasser, 5,3 Millionen Hektar an Anbaufläche, 62,2 Gigajoules Energie und 27,2 Megatonnen Material verwendet. Neben den Zigaretten entstanden 25 Megatonnen feste Abfälle, 55 Megatonnen Abwasser und 84 Megatonnen CO2-Emissionen.

Für eine Zigarette werden 3,7 Liter Wasser und an fossilen Treibstoffen 3,5 Gramm Öläquivalent verbraucht, zur Klimaerwärmung tragen 14 Gramm CO2-Äquivalent bei. Das Trocknen der Tabakblätter ist energieintensiv, meist wird dazu Kohle oder Holz verbrannt. Und ein Raucher, der 50 Jahre lang täglich 20 Zigaretten raucht, soll für den Verbrauch von 1,4 Millionen Liter Wasser verantwortlich sein.

Folgen sind: "Verstärkung des Klimaerwärmung durch Energie- und Treibstoffverbrauch, Verbrauch von Wasser und Boden und Versauerung der Umwelt. Der globale Anbau erfordert erhebliche Landnutzung, Wasserverbrauch, Pestizide und Arbeitskraft - alles begrenzte Ressourcen, die man besser nutzen könnte." Der Anbau von Tabak erfordert große Mengen an Pestiziden und Insektiziden, aber auch an Dünger, heißt es in einem WHO-Bericht von 2017. Für den Anbau werden Wälder gerodet und wird Holz benötigt. Dazu wird Tabak in Monokulturen angebaut. Beobachtet wurde in der Folge auch die Entstehung von Wüstegebieten. Allerdings könnte man auch sagen, dass der Beitrag zu den CO2-Emissionen relativ geringfügig ist. Die veranschlagten 84 Megatonnen stellen gerade einmal 0,2 Prozent der globalen Emissionen dar.

Andere menschliche Gepflogenheiten sind individuell nicht schädlich wie der Tourismus, haben aber auf Klima und Umwelt einen verheerenden Einfluss, was Wasser- und Landverbrauch, Bodenversiegelung und Bauten, Verkehr und Verkehrsinfrastruktur etc. anbelangt. Die mittlerweile weltweit größte Industrie, die die Erde umpflügt, findet gegenüber Lastern wie Rauchen wenig Beachtung und noch weniger Appelle, doch endlich damit aufzuhören, höchstens gibt es Empfehlungen für einen "nachhaltigen Tourismus".

Das könnte auch daher rühren, dass Wissenschaftler selbst der Klasse der unentwegt Reisenden angehören, während die Klasse der Natur- und Klimaschützer zwar gesund leben mag, aber gerne mehrmals im Jahr in den Urlaub fährt. Dabei werden die Gastländer des Massentourismus umgebaut und für manche ihrer Bewohner, die nicht direkt davon profitieren, unwirtlich, was durch den wachsenden Widerstand der einheimischen Bevölkerung demonstriert wird.

Aber zurück zum Tabak und den Rauchern. Die verbrennen, wie die Autoren des Berichts sagen, buchstäblich und metaphorisch die Ressourcen ärmerer Länder. Fast 90 Prozent der Tabakproduktion ist in den Entwicklungsländern angesiedelt. Unter den 10 größten Tabak produzierenden Ländern Pakistan, Simbabwe und Malawi sind 9 Entwicklungsländer. Die größten Anbauländer sind China, Brasilien und Indien, die man aber kaum mehr als Entwicklungsländer bezeichnen kann.

Nicht nur der Anbau, auch der Konsum hat sich von den reicheren zu den ärmeren Ländern verschoben. China ist das Land, in dem am meisten geraucht wird. Hier werden 3 Millionen Tonnen Tabakblätter auf 1,5 Millionen Hektar Anbaufläche geerntet. Für den Anbau sind große Mengen an Wasser erforderlich, während in einigen Regionen gleichzeitig Wasserknappheit herrscht und 134 Millionen Menschen unterernährt sind.

Nach dem Bericht ist der Anbau von Tabak im Vergleich zu anderen Agrarprodukten wenig effizient. So könnten etwa in Simbabwe auf einem Hektar nur 1-1,2 Tonnen Tabak geerntet werden, aber 20 Tonnen Kartoffeln. Zudem würde es beim Tabakanbau häufiger Kinderarbeit geben.

Aber auch die Kippen, die von Rauchern überall auf den Straßen, in der Natur, an den Stränden hinterlassen werden, sind nach der WHO-Studie nicht zu vernachlässigen. Jedes Jahr landen 340 bis 680 Millionen Kilogramm an Tabakprodukten in der Umwelt. Sie enthalten über 7000 toxische Substanzen, darunter krebserzeugende Stoffe, die sich in der Umwelt und in den Gewässern und im Grundwasser anhäufen. Weggeworfene Kippen setzen neben Nikotin u.a. auch Arsen und Schwermetalle frei. . (Florian Rötzer)

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