Reaktionen auf Rechtsterror: "Es reicht!"

Von einer Website des Täters

Täter war nicht nur rassistisch, sondern hatte auch sexuelle Probleme

Der Täter der rechtsterroristischen Anschläge in Hanau brachte in einem Bekennerschreiben seine sexuellen Frustrationen zum Ausdruck, da er nie eine intime Beziehung zu einer Frau aufbauen konnte - dies deckt sich mit empirischen und theoretischen Erkenntnissen, wonach Rechtsextreme überdurchschnittliche oft unter Liebesmangel leiden. Die Tote, die in seinem Haus gefunden wurde, war seine Mutter.

Zum Weltbild des Täters siehe auch auf Telepolis: Naziterror in Hanau. Geschlossenes rechtsextremes Weltbild, Paranoia und Wahnvorstellungen

In einer ersten direkten Reaktion bezeichnete Bundeskanzlerin Merkel Rassismus als ein "Gift", das in der Gesellschaft wirke und für viele Verbrechen verantwortlich sei. Den Opfern sprach Merkel ihr Beileid aus: "Niemand kann ermessen, welches Leid der Täter über sie gebracht hat." Bundespräsident Steinmeier erklärte, die Opfer würden nicht allein gelassen werden: "Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden."

Vizekanzler Olaf Scholz warnte davor, nach diesem Terrorakt wieder zur "Tagesordnung" überzugehen: "Unsere politischen Debatten dürfen sich nicht davor herumdrücken, dass es 75 Jahre nach Ende der NS-Diktatur wieder rechten Terror in Deutschland gibt." Der Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte ein energisches Vorgehen gegen den Rechtsextremismus: "Es reicht! Wir haben in Deutschland ein massives Problem mit rechtem Terror und müssen endlich anfangen, (den) rechten Sumpf mit aller Härte des Rechtsstaates ein für alle Mal trockenzulegen, und zwar on- wie offline."

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sah sich in Reaktion auf den Terror darin bestärkt, jedwede Zusammenarbeit ihrer Partei mit der AfD auszuschließen. "Wie wichtig es ist, diese Brandmauer zu halten, das sieht man an einem Tag wie heute", so Kramp-Karrenbauer. Die AfD sei eine Kraft, die "Rechtsextreme, ja, ich sage auch ganz bewusst Nazis, in ihren eigenen Reihen" dulde - und die somit die Grundlage lege für rechtsextremes Gedankengut".

Norbert Röttgen, der sich Parteivorsitzkandidat geoutet hat, macht die AfD mit verantwortlich: "Man darf die Tat nicht isoliert sehen. Wir müssen das Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in unsere Gesellschaft getragen wird", sagte er der Bildzeitung.

Zentralrat der Juden: Sehschwäche der Polizei auf rechtem Auge

Der Zentralrat der Juden in Deutschland beklagte die Sehschwäche der Deutschen Justiz auf ihrem rechten Auge. Es stelle sich die Frage, ob Minderheiten und Migranten noch sicher leben könnten in Deutschland, warnte Zentralratspräsident Josef Schuster. Viel zu lange sei die "Gefahr durch den wachsenden Rechtsextremismus verharmlost und vernachlässigt worden".

Doch nun ziehe sich wieder eine "rechtsextreme Blutspur durch Deutschland", mahnte der Zentralratspräsident, der auf den Terror des NSU, an den Mord an den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und an den antisemitischen Anschlag von Halle erinnere.

Die Sehschwäche machte auch der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen in einem Tweet deutlich, den er aber wieder löschte: "Sozialistische Logik: Täter sind immer rechts, Opfer immer links. Man braucht sich nicht mehr mit Stalin, Mao, Pol Pot, Ulbricht ...auseinanderzusetzen, weil sie Nazis waren. Der Haken daran ist: nach dieser Denke sind sie selber rechts."

Er verwahrt sich nun, dass seine Äußerung einen Zusammenhang mit Hanau haben soll: "Es ist perfide, meinen Tweet zu Tilo Jung in einen Zusammenhang zu stellen mit dem entsetzlichen Anschlag von #Hanau."

Die AfD sieht keinen Zusammenhang mit der eigenen Politik: "Wer das "Manifest" des Mörders von #Hanau gelesen hat und diesen Irren dann noch in irgendeine Verbindung zu unser Politik zu bringen versucht, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, diese furchtbare Tat gewissenlos zu instrumentalisieren." (Tomasz Konicz)