Real Game of Thrones: Habemus Donald

Bild: Weißes Haus

Statt einer salbungsvollen Sonntagspredigt liefert der neue Imperator bei seinem Antritt ein finsteres "F*ck You" an die alte Herrschaft

Wie es sich im exzeptionalistischen Königreich gehört wurde die Krönung von König Donald mit exzeptionellen Feierlichkeiten begangen. Fast eine Million Menschen waren in die Hauptstadt gekommen, darunter auch sehr viele Demonstranten, die gegen den neuen König protestierten. Das Real Game of Thrones ist mit der Thronbesteigung ja nicht beendet, es geht nur in eine neue Runde. Seine Antrittsrede klang denn auch weniger wie eine salbungsvolle Sonntagspredigt, sondern eher wie ein finsteres "F*ck You" an die alte Herrschaft. Dabei klang Donald zufällig ganz ähnlich wie der Böse aus dem allseits beliebten Lichtspiel "Batman".

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Das Interview mit dem neuen Imperator, das ein bekannter Herold aus dem Merkelland geführt und das Königin Angela und ihre Kriegsministerin so erzürnt hatte, schlug unterdessen auch in anderen Ländern hohe Wellen. Weil Donald das alte Verteidigungsbündnis NATO als "obsolet" bezeichnet hatte, machten sich Militärs und Kommissköpfe überall Sorgen um ihr Budget; noch mehr aber schockte er mit seiner Antwort auf die Frage, wem er denn mehr traue, der Königin des Merkellands oder Wladimir, dem Herrscher des Ostreichs, den man nur "Putin" nannte.

"Beiden gleich viel", hatte Donald geantwortet, "aber ich weiß nicht wie lange" ... und damit die gesamte westliche Welt erschreckt. Die altgediente Vasallenkönigin Angela, die man auch "die Raute" oder "den Hosenanzug" nannte und die stets erfüllt hatte, was das Weiße Haus und die unsichtbaren Meister der Intelligence verlangten, auf eine Stufe mit Wladimir dem Schrecklichen zu stellen, das konnte nur als weiterer Affront des "gefährlichen" Donald verstanden werden.

Wo doch Angela vor kurzem noch auf Drängen der Meister der Intelligence und gegen den Willen aller Händler und Wirtschaftstreibenden ihres Landes Sanktionen gegen das Reich des Ultrabösen durchgesetzt hatte. Der Grund war ein gescheiterter Putsch, den die Meister in der Ukraine eingefädelt hatten, um künftig NATO-Katapulte direkt vor der Haustür des Ultrabösen aufstellen zu können. Darauf hatte der perfide Putin mit seinen Gedankenstrahlen über 80 % der Bevölkerung auf der Halbinsel Krim manipuliert, die sich dann über Nacht von der Ukraine lossagten und seinem Reich beitraten. Damit war der Plan der Meister, mit der Krim auch den wichtigsten Hafen des Ostreichs und Vladimirs Flotte zu kontrollieren, gescheitert und sie riefen alle Welt auf, die "Aggression" dieser Eroberung - bei der freilich dank der Magie des Ultrabösen kein einziger Schuss gefallen war - zu geißeln und mit Sanktionen zu bestrafen.

Donald nun hält diese Sanktionen für Unsinn und will mit Putin lieber einen Deal machen und sie aufheben, wenn dieser im Gegenzug sein Arsenal der hypertödlichen Nuklearkeulen reduziert. Das klingt nach Win-Win, denn was diese Waffen betrifft ist das exzeptionalistische Königreich ausnahmsweise stark unterlegen, eine Reduktion wäre für die Sicherheit des Ostreichs also keine Gefahr. Und für Donalds "Westeros" könnte ein solcher Deal äußerst lukrativen Handel und Wandel mit dem riesigen Land bedeuten, das in seiner "sibirischen Schatztruhe" über mehr als ein Drittel aller Rohstoffe der gesamten Welt verfügt.

Auch für das Merkelland, das mit seinen vielen Fabriken und Werkstätten auf Energie-und Rohstoffzufuhr angewiesen ist, wären gute Handelsbeziehungen zum östlichen Nachbarn äußerst vorteilhaft, aber die Königin und ihre Minister befinden sich wegen des neuen Winds, der seit Kurzem über den Atlantik bläst, immer noch in Schockstarre. Die Think-Tanks haben ihnen noch keine neuen Textbausteine geliefert. So hatte der Hosenanzug Angela bei den Glückwünschen an den Neugewählten noch nölend die Einhaltung der "Menschenrechte" angemahnt und der Außenminister, der Donald zuvor als "Hassprediger" beschimpft hatte, gratulierte erstmal gar nicht.

Dass man einem neuen Imperator Reverenz erweisen sollte, wenn man für seinen Vasallenstaat günstige Verhältnisse schaffen will, davon hatten sie offenbar noch nie gehört, obwohl es schon seit den Zeiten des römischen Kaisers Augustus an sämtlichen Diplomatenschulen gelehrt wird. Sonst hätten sie stante pede nach einer Audienz im 66. Stock von Donalds prunkvoller Turmburg ersucht, um dem künftigen Kaiser, der die Kosten für den NATO-Zirkus und die Auslandseinsätze seiner Truppen herunterfahren will, einen Win-Win-Deal vorzuschlagen: Du schließt die Drohnenmord-Zentrale Ramstein und wir übernehmen die Kosten, dort einen King Donald Vergnügungspark der globalen Völkerfreundschaft zu errichten ...

King Donald hätte nicht Nein sagen können, schließlich stammen seine Vorfahren aus dem heutigen Merkelland. Und wäre sein Großvater nicht durch den damaligen König des Landes verwiesen worden - weil er statt Wehrdienst zu leisten, in der neuen Welt im Vergnügungsgewerbe Geld verdient hatte, mit dem er in die Pfalz zurückgekehrt war, um sich niederzulassen -, dann würden in Kallstadt heute vielleicht mehr Hochhäuser stehen als in Manhattan, von wo aus Donald jetzt die Welt regiert.

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Auf die Frage, was seine erste außenpolitische Priorität als neuer König sei, hatte Donald mit nur vier Buchstaben geantwortet: "ISIS". Gemeint waren damit natürlich die wahabitisch-salafistischen Wickelmützen und ihr "Kalifat", von wo aus sie heimtückische Terroristen in alle Königreiche entsenden. Ein Großmeister und Chef der militärischen Intelligence, General Flynn, hatte die Entstehung dieses Terrorstaats kommen sehen und auch, dass seine Dienstherren - Obama und Hillary - dagegen nichts unternehmen wollten, weil ihnen diese Terroristen nützlich erschienen. Als Flynn dagegen protestierte, wurde er gefeuert - und jetzt von Donald als höchster Sicherheitsberater des Königreichs wieder eingestellt.

Einer von Flynns Vorgängern, Zbig Brzezinski, war unter dem "Peanut"-König Carter einst auf die irre Idee verfallen, fanatische Koranfreunde mit schweren Waffen auszustatten und sie als "heilige Krieger" für erwünschte regime changes einzusetzen, eine Strategie, die die Meister der Intelligence bis zuletzt beibehalten hatten. Doch damit dürfte es jetzt ein Ende haben: "Wir haben mit Stalin zusammen den Faschismus bezwungen, da werden wir mit Putin doch auch den Islamismus besiegen", gab sich in diesem Zusammenhang einer von Donalds inoffiziellen Militärberatern, der Gründer der berüchtigten Schwarzwasser-Sturmtruppen, zuversichtlich.

So scheinen sich auf dem geopolitischen Schachbrett neue Konstellationen zusammenzubrauen: Könnten Don und Wlad ein dynamisches Duo bilden und den IS eliminieren? Würden sie einen Deal über ihre jeweiligen "Einflusszonen" hinbekommen? Und Lösungen für die anderen Player in der Region - die Kopf-ab-Monarchen der Saudis, die den IS finanzieren, den aggressiven König Bibi, der sein Reich auf Kosten der Nachbarn dauernd vergrößern will, sowie Sultan Erdogan, der Ähnliches im Sinn hat?

Donald jedenfalls hat in seiner ersten Rede nach der Amtseinsetzung "Action" angekündigt und dass er den IS "vom Antlitz der Erde tilgen wird". Das fanden die meisten Leute im exzeptionalistischen Köngireich und auch in den anderen Ländern ziemlich gut, denn diese "heiligen Krieger" waren nirgendwo beliebt - außer bei den Meistern der Intelligence, die sie einst herangezüchtet und zuletzt im Krieg gegen König Assad eingesetzt hatten.

Allenthalben begrüßt wurde auch die Ankündigung Donalds, sich künftig zuerst und vor allem um sein Königreich zu kümmern und lieber die heruntergekommenen heimischen Straßen und Brücken wieder aufzubauen, statt sie in anderen Ländern zu zerstören. Ob und wie er das alles hinbekommt, darüber herrschte freilich auch noch große Skepsis. Dass sich die Exzeptionalisten unter Donald dem Ersten aber nun offenbar für eine Weile um sich selbst kümmern wollen, das wurde vom Rest der Welt dann doch mit hörbarem Aufatmen wahrgenommen ... (Mathias Bröckers)

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