Real Game of Thrones: "Heil Twittler!"

Wenige Tage vor den großen Krönungsfeierlichkeiten hat sich das Real Game of Thrones im exzeptionalistischen Königreich noch einmal zugespitzt

Ein führendes Mitglied des Senats sagte, König Donald sei "wirklich dumm" wenn er sich mit den Meistern der Intelligence anlegt, denn die hätten "den Sonntag und sechs Tage" es ihm heim zu zahlen. Wie das geschehen könnte, ließ der Senator offen.

Der abgesetzte Intelligence-Großmeister Brennan warnte den neuen König ganz offen, "seinen Mund zu hüten" - eine Frechheit, die sich die stets diskreten Meister eigentlich nie herausnehmen. Angesichts solcher Drohungen steigen die Befürchtungen im Lande, dass es dem neuen Herrscher genauso gehen könnte wie dem letzten König, der es gewagt hatte, sich mit den unsichtbaren Meistern der Intelligence anzulegen.

König Jack, den alle nur JFK nannten, wollte damals den Konflikt mit dem Reich des Ultrabösen nicht mit immer mehr Waffen, sondern durch Gespräche und Abrüstung beenden und war damit nicht nur den Meistern, sondern auch der mächtigen Gilde der Waffenschmiede in die Quere gekommen. Jener Gruppe, die Jacks Vorgänger, der alte General Ike, der die Armeen im letzten Weltenkrieg zum Sieg geführt hatte, bei seinem Abschied "den militärisch-industriellen Komplex" genannt und vor ihrem gefährlichen Einfluss gewarnt hatte. Nachdem König Jack dann durch gedungene Heckenschützen ermordet worden war hatten sich alle seine Nachfolger an die unausgesprochene Warnung gehalten, den Waffenschmieden und den Meistern der Intelligence nicht ungefällig zu sein. So waren die Rüstungskammern des exzeptionalistischen Köngreichs in immer exzeptionalistischere Dimensionen gewachsen, ebenso wie die Büros und Budgets der Meister der Intelligence.

Aus den Tiefen des Staats hielten die Meister diese Maschine am Laufen, indem sie ständig neue "Feinde" ausmachten. Oder, wenn keine in Sicht waren, etwas nachhalfen, um die Bedrohung sichtbar zu machen. Das fiel ihnen leicht, denn ihm Rahmen der Operation Mockingbird hatten sie in der Gilde der Herolde und Einflüsterer an den wichtigsten Stellen eigene Leute platziert, die die Fake News der Meister über drohende Gefahren jederzeit unter das Volk brachten.

Bei der letzten Wahlschlacht aber hatte diese Methode versagt, obwohl die von einem König Donald ausgehenden Gefahren in den schrillsten Farben ausgemalt worden waren. Auf allen Plätzen und Straßen erschallten die Botschaften über den Lügner und Betrüger, den unberechenbaren Irren und schamlosen Frauenfeind, den inkompetenten Pleitier und notorischen Maulhelden, man verspottete ihn als Pavian mit Samenstau und wegen seiner Eichörnchenfrisur. Und weil er so gerne twitterte rief man hinter seinem Rücken gar schon "Heil Twittler".

Noch nie war ein Herausforderer auf den Thron von den Herolden und Einpeitschern so bösartig heruntergeputzt worden wie Donald. Selbst der völlig unterbelichtete König George, den alle nur "W." nannten und der ohne Teleprompter keine drei Sätze geradeaus sprechen konnte, war nicht derart angegangen worden, als er einst König Clinton, genannt "Free Willy" Bill - im Amt ablöste.

Gegen einen Tölpel wie W. auf dem Thron hatten die unsichtbaren Meister der Intelligence nichts einzuwenden, denn er stand unter der Kontrolle seines Vizekönigs Dick "Darth Vader" Cheney, der auftragsgemäß auch sofort begann, sich ihre Liste der sieben Länder vorzunehmen, die als Nächstes zerstört und tributpflichtig gemacht werden sollten.

W.'s Nachfolger Obama hatte mit Bills Ehefrau Hillary als Vizekönigin die Liste brav weiter abgearbeitet und ein mal mehr freuten sich die Meister der Intelligence, wie geschmiert das Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln im Königreich lief. Den tumben W. verachteten die meisten, dem netten Obama vermachte man sogar den Friedensnobelpreis, doch egal wer oben auf dem Thron saß, die Fäden der Macht, die Entscheidungen über Krieg und Frieden, wurden aus den unsichtbaren Tiefen gezogen.

Weil der neue König sich nun anschickte, dieses seit Jahrzehnten eingespielte System zu durchkreuzen, hatten die Meister der Intelligence zuletzt ihre mächtige Wurlitzer angeworfen und aller Welt enthüllt, dass der ultraböse Putin die Wahl von Hillary gestohlen und seinem heimlichen Vasallen Donald zugeschustert hätte.

Weil sie aber als Beweis für diese Geschichte nur ein lachhaftes Dossier vorlegten, das gar nichts bewies, begannen selbst die Herolde, die sonst jede Story der Meister bereitwillig herausposaunten, langsam zu zweifeln. Sogar der Watergate-Held Bob Woodward, der einst den raffinierten König "Tricky Dick" Nixon zu Fall gebracht hatte - die Meister der Intelligence wollte ihn damals loswerden und ließen dem jungen Investigativ-Herold Woodward ein paar Insiderinfos zukommen -, selbst dieser Liebling der Meister, der sich zuletzt als Hofschreiber von George W. verdingt hatte, bezeichnete das Anti-Donald-Dossier als Müll - wofür dieser gleich artigen Dank zurückzwitscherte.

Dass es nun ganz danach aussieht, dass die Meister der Intelligence auch mit dieser letzten Rufmordkampagne scheitern, ist aber nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Neben der Vorsicht, die der gefeuerte Großmeister Brennan angeraten hat, raunte er auch schon vor "schlimmen Herausforderungen", mit denen König Donald sehr bald konfrontiert werden könnte. Wer die traditionellen Mittel der Meister kennt, Regenten mit ein bisschen Terror - gern auch unter falscher Flagge - beizubiegen und gefügig zu machen, kann sich da so einiges vorstellen.

Im Lande draußen wunderten sich die Leute unterdessen über die merkwürdigen neuen Koalitionen, die gegen Donald zustande gekommen waren: die liberalen Kritiker der unsichtbaren Meister und ihrer Überwachungs- und Polizeistaatsmethoden saßen jetzt mit ihnen in einem Boot und ließen sich willig den Bären von der Wahlmanipulation des Ultrabösen aufbinden.

Unterdessen reiste ein bekannter Herold aus dem Merkelland der Königin Angela, den man wegen seiner Vorliebe für Blut- und Sperma-Geschichten den "Sudel-Kai" nannte, über den großen Teich in das exzeptionalistische Königreich, um mit dem neuen Imperator zu sprechen - und bekundete: "Dies war ungewöhnlichste Interview, das ich je geführt habe. Denn die Aussagen kommen nicht feingeschliffen aus der Waschmaschine, nachdem sich noch etliche Kommunikationsberater über sie gebeugt haben …. keine Formelsprache wie sonst oft üblich … völlig anders als die Politiker-Gespräche, die wir sonst gewohnt sind."

Und deshalb mit klaren Aussagen: Das nach dem letzten Weltenkrieg geschlossene Militärbündnis NATO hält er zum Beispiel für "obsolet", was Angela und ihrer Kriegsministerin Ursula, die über eine gestählte Dauerwelle verfügte und "Panzer-Uschi" genannt wurde, überhaupt nicht gefiel. Sie wollten gern mit der NATO weiter international herumballern, was die Gesetze ihres Landes eigentlich strengstens verbieten.

Auch die anderen kleinen NATO-Staaten, in denen sich die Militärs gern wichtig taten, reagierten entsetzt. Was tun, wenn dieser Donald dem ultrabösen Putin ein paar nette Zwitschernachrichten schickt und sie einen Friedensvertrag schließen? Wer wird noch in die Rüstungsbudgets investieren, wenn dieser "aggressive Feind" verloren geht? Und was, wenn die beiden dann noch dem "Kalifat" der wahabitisch-salafistischen Wickelmützen den Garaus machen … was wird dann aus dem "Krieg gegen den Terror" - diesem wunderbaren Perpetuum Mobile aus der Werkstatt der Meister - und den Investitionen in mehr "Sicherheit"?

Nicht nur die exzeptionalistischen Meister der Intelligence, auch ihre Kollegen in den Vasallenstaaten sahen ihre Felle wegschwimmen, falls König Donald ernst machen sollte mit seinen Ansagen. Und auch viele im Lande, die sich eigentlich für zivile Umgangsformen und Liberalität aussprachen, wünschten sich plötzlich, dass es auf keinen Fall Frieden geben dürfte …

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