Rechte Spaßguerilla im Internet

Rechtsliberale haben mit einer satirischen Webseite, deren Opfer Attac war, die gewünschte Aufmerksamkeit erzielt

Libertäre Spaßguerilla oder rechte Unterwanderungsstrategien? Diese Frage stellten sich Internetnutzer, als sie eine Internetseite mit dem Titel www.npd-attac.da.ru mit der Parole "Globalisierung ist kein Schicksal - für eine Welt souveräner Nationen!" fanden. Behauptet wurde auf der Seite, dass sich NPD und Attac auf einen gemeinsamen Internetauftritt geeinigt haben. Inzwischen haben sich die Autoren zu ihrer "Satire" auf der Webseite bekannt: eine "libertäre Satiretruppe Gustloff", die "auf den Spuren der Titanic wandelt" und Teil der "radikal-marktwirtschaftlichen Zeitschrift 'ef-magazin' ist, wollte mit der Aktion zeigen, "dass Nationalismus und Sozialismus zwei Seiten derselben Medaille sind."

Schon vor dem Bekenntnis war die Internetseite schnell als Farce enttarnt worden. Doch vermuteten einige Attac-Funktionäre die Urheber anfangs im Spektrum der antideutschen Linken, die Attac wegen einer angeblichen verkürzten Kapitalismuskritik schon mal in die rechte Ecke gestellt haben.

Als Anführer der "gelungenen Aufklärung" gegen Attac gab sich André Lichtschlag, der Herausgeber der neurechten Zeitschrift ef-Magazin zu erkennen. Der schon als Interviewpartner und Autor für die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit aufgetretene Lichtschlag tummelt sich überall dort, wo Rechtsradikale und Rechtsliberale zusammentreffen. Für Lichtschlag verläuft "die Trennlinie zwischen freiheitlich-libertärem Markt und national-sozialistischem Plan". Das Programm der "Medienlieblinge von Attac" sei "nichts weiter als eine einzige alte Losung: 'Kauft nicht bei Ausländern!'" Die ganze Aktion diente wohl allerdings primär dazu, Werbung für das Magazin von Lichtschlag zu machen, was als einigermaßen gelungen bezeichnet werden muss.

Für die Aktion des FDP-Mitglieds und Möllemann-Freunds Lichtschlag hat die FDP-Spitze nur Spott übrig.

"Es kann durchaus sein, dass das ein oder andere Parteimitglied vom Pfad abgekommen ist. Sich als Partei hiervon zu distanzieren, ist der Ehre zuviel", erklärte ein FDP-Sprecher gegenüber Spiegel-Online. Dort wurde berichtet, dass es im FDP-Online-Forum durchaus mehr als klammheimliche Schattenfreude über die rechte Spaß-Guerillaaktion gegeben habe.

Attac bezeichnete die Aktion als "inakzeptable Grenzüberschreitung", sieht aber von weiteren juristischen Schritten ab. "Es gab schon häufiger Provokationen und Störungen von Rechten auf Veranstaltungen und Treffen von ATTAC. Aber dahinter steckt keine organisierte Kampagne. Rechte Unterwanderungsversuche oder ähnliches gab es nicht. Dafür fehlt im übrigen auch jede inhaltliche Grundlage", meinte das Mitglied des Attac-Koordinierungskreises Pedram Shahyar.

Allerdings sind erst vor einigen Wochen gefakte Emails mit rassistischen Hintergrund auch unter dem Attac-Label im Internet verbreitet worden (Spammails aus dem rechten Virenschreibersumpf) . Auch damals wurden rechte Attac-Gegner als Urheber vermutet. Es gibt allerdings auch rechte Attac-Freunde, die sich ebenfalls gern mit dem bekannten Namem schmücken wollen. Dazu zählt die Minigruppe Also-Attac von Bernhard Held. Das ehemalige Mitglied der Republikaner hat sich in letzter Zeit als Freund von Horst Mahler betätigt. Schon vor der offiziellen Gründung von Attac in Deutschland versuchten Held und eine kleine Gruppe seiner Anhänger unter dem Label Attac zu werben. Solche falschen Freunde sind wahrscheinlich für Attac ärgerlicher als die Satire der neurechten Neoliberalen. (Peter Nowak)

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