Rechter Terror in Halle und Landsberg?

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Berichte über Tote nach Schießereien vor Synagoge und Dönerladen. Polizei meldet erste Festnahmen

Am Mittag des heutigen Mittwochs haben Täter nach Medienberichten in der Innenstadt der ostdeutschen Stadt Halle das Feuer aus Schusswaffen auf mehrere Ziele eröffnet. Mindestens zwei Menschen sollen bei diesen Schießereien zu Tode gekommen sein.

Erste Indizien deuten auf einen abermaligen Terrorakt der neuen deutschen Rechten hin, der zuletzt der Kasseler Regierungspräsident und CDU-Politiker Walter Lübcke zum Opfer fiel.

Gegenüber dem Nachrichtensender n-tv berichteten Zeugen, dass ein Dönerladen angegriffen wurde. Ein "Mann in grüner Jacke und Stahlhelm" habe sich dem Geschäft mit einem Sturmgewehr und Helm genähert, so der Zeuge. Er habe "so etwas wie eine Granate" geworfen. Danach habe der Täter "mindestens einmal in den Laden geschossen... Der Mann hinter mir muss wohl verstorben sein", so der Zeuge gegenüber n-tv.

Dieser Bericht deckt sich mit Informationen weiterer Medien. In der Tagesschau wurden Zeugenaussagen wiedergegeben, wonach Stahlhelm tragende Täter mit einem Auto vor einem Döner-Imbiss angehalten haben sollen und aus Gewehren das Feuer auf diesen eröffneten. Die Täter sollen hernach mit dem Wagen geflüchtet sein. Der MDR hat bereits erste Videoaufnahmen eines um sich schießenden Gewalttäters/Terroristen veröffentlicht.

Die Polizei sei "kurz nach 12 Uhr" alarmiert worden, sie meldete nach wenigen Stunden bereits eine Festnahme. Der Spiegel meldete, dass seinen Informationen zufolge mindestens zwei Täter diesen Terrorangriff verübt hätten. Sie sollen sich nach der Tat getrennt haben. Einer der mutmaßlichen Gewalttäter/Terroristen sei auf der Flucht von der Polizei festgenommen worden, der zweite sei noch flüchtig.

Antisemitischer Hintergrund?

Weitere Informationen deuten auf einen antisemitischen Hintergrund. Der MDR-Sachsen-Anhalt verbreitete Zeugenberichte, wonach Täter, die - professionell gekleidet "wie Polizisten" in "Kampfausrüstung" und mit "Schutzkleidung" - mit Maschinengewehren und Schrotflinten die Synagoge in Halle angegriffen hätten. Dabei sei ein "Mädchen" mit einem Maschinengewehr erschossen worden, es seien auch Handgranaten auf den jüdischen Friedhof geworfen worden. Dem Täter sei es nicht gelungen, in die Synagoge einzudringen und er flüchtete.

Gegenüber dem Spiegel bestätigte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, den Angriff. Es hätten sich "70 bis 80 Personen in der Synagoge" aufgehalten. Diese Zeugenberichte, die in den Massenmedien und den sozialen Medien im Umlauf sind, wurden bislang nicht offiziell von den Polizeikräften bestätigt. Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle gelegen, seien Schüsse gefallen, meldeten Medien. Die Polizei vor Ort forderte die Bewohner auf, in ihren Wohnungen zu bleiben.

Die Stadt Halle spricht von einer "Amoklage", während Rettungskräfte und Feuerwehr in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Die Sicherheitsvorkehrungen vor Synagogen und jüdischen Einrichtungen in der Region sind verstärkt worden, der Bahnhof von Halle ist gesperrt, Schüler in der Region dürfen ihre Schulen vorerst nicht verlassen, der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen an sich gezogen.

Update

Derweil verdichten sich die Hinweise auf rechte Täter. Wie eine Sprecherin des Generalbundesanwalts bestätigte, gebe es "ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat".

Der mutmaßliche Rechtsterrorist hat seine Tat live übertragen, was veröffentlichte Bilder erkennen lassen. Laut Informationen des britischen Independent soll dies auf der Gaming-Plattform Twitch geschehen sein. Demnach erklärte der Täter kurz vor den Angriffen, die Juden seien "die Wurzel allen Übles"Zudem leugnete der Rechte den Holocaust und machte den Feminismus für die sinkenden Geburtsraten in Deutschland und die Massenmigration verantwortlich. (Tomasz Konicz)